Mit gutem Beispiel vorangegangen: Dozent Simon Bleyer lässt sich an der Bildungsakademie Singen gleich zum Start der Test-Aktion Ende März von einer Mitarbeiterin der Apotheke Sauter auf eine Corona-Infektion testen. Das Ergebnis ist negativ, die Resonanz bei allen Beteiligten aber durchweg positiv.
Handwerkskammer Konstanz
Mit gutem Beispiel vorangegangen: Dozent Simon Bleyer lässt sich an der Bildungsakademie Singen gleich zum Start der Test-Aktion Ende März von einer Mitarbeiterin der Apotheke Sauter auf eine Corona-Infektion testen. Das Ergebnis ist negativ, die Resonanz bei allen Beteiligten aber durchweg positiv.

Schnell auf Nummer sicher

Handwerksbetriebe und Handwerkskammer setzen Corona-Schnelltest-Konzepte um

Lange Zeit hat es funktioniert: Mit Masken, Abstand und Hygieneregeln konnten Unternehmen in der ersten und zweiten Corona-Welle die Infektionsrisiken bei der Arbeit niedrig halten. Mit der Ausbreitung der britischen Virus-Mutante hat sich die Lage allerdings geändert: Sie ist so ansteckend, dass die bisherigen Maßnahmen an ihre Grenzen stoßen und die Ansteckungen nicht zuletzt auch im beruflichen Umfeld zunehmen. „Testen, testen, testen“ ist seitdem auch im Handwerk die Devise.

Vorsorglich aktiv geworden

Nicht lange gewartet hat der Konstanzer Friseurmeister Christoph Lorho: Schon seit Mitte März testet er seine Mitarbeiter zweimal wöchentlich, obwohl in seinem Salon weder Kosmetikbehandlungen noch Bartrasuren angeboten werden, für die ein Testkonzept verpflichtend gewesen wäre. „Wir haben einfach jeden Tag mit vielen Menschen zu tun. Da geben die Tests ein Stück Sicherheit – sowohl uns selbst als auch unseren Kundinnen und Kunden“, sagt er. Die Schnelltest-Kits von anerkannten Herstellern hat er im Internet besorgt. Getestet wird vom Chef selbst, der dazu eigens eine Online-Schulung der Handwerkskammer besucht hat.

Ähnlich soll es bei Elektro Luki in Hohenfels ablaufen: Geschäftsführer Slaven Ruetsch selbst und ein bereits als Ersthelfer ausgebildeter Mitarbeiter wollen sich zum „Schnelltester“ schulen lassen und dann mindestens einmal in der Woche im Betrieb oder in der Unterkunft testen. „Wir arbeiten auf größeren Baustellen mit 50 oder 70 Leuten aus unterschiedlichen Gewerken zusammen. Da kann man sich nicht einfach auf die anderen verlassen, sondern muss selbst auf Sicherheit achten“, begründet der Elektrotechnikermeister diese Vorsorge.

So sieht es auch Simone Rettich-Bickel, Geschäftsführerin der Rettich Stahlbau GmbH in Bodman: „Wir hatten zwar bislang noch keinen einzigen Fall in der Firma, aber angesichts der neuen Situation kann man ja ein bisschen umsichtig mit der Sache umgehen“, meint sie. Seit Anfang April testet eine medizinisch geschulte Mitarbeiterin daher regelmäßig die Monteure, die auf größeren Baustellen etwa in der Schweiz unterwegs sind.

Testen im großen Stil

Ein ausgefeiltes Testkonzept setzt seit zwei Wochen auch das Autohaus Südstern-Bölle um – und das im großen Stil für 560 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an sieben Standorten des Unternehmens. Ursula Klaußner hat die Organisation übernommen und für die Testungen niedergelassene Ärzte gewonnen, die jeweils montags und mittwochs vor Ort sind und in separaten, gut durchlüfteten Räumlichkeiten im Zwei-Minuten-Takt Abstriche nehmen. Ihre Kolleginnen und Kollegen hätten es gar nicht abwarten können, berichtet Klaußner: „Sie haben schon die ganze Zeit gefragt, wann getestet wird und sind jetzt fast alle dabei.“

Vom Azubi bis zum Lehrmeister

Auch die Handwerkskammer Konstanz ist mit gutem Beispiel vorangegangen und bietet in ihren Bildungshäusern regelmäßig Schnelltests für alle Auszubildenden, Kursteilnehmer und Dozenten an. „Wie in den allgemeinbildenden Schulen kommen bei uns in der überbetrieblichen Ausbildung oder in den Meisterkursen viele junge Menschen in den Werkstätten und Seminarräumen zusammen. Der Unterricht lässt sich aufgrund des hohen Praxisanteils nur schlecht online umsetzen, daher hatten wir einen gewissen Handlungsdruck“, sagt Hauptgeschäftsführer Georg Hiltner.

Das Testkonzept in den Bildungsakademien sieht zwei Testungen pro Woche vor: Jeden Montag erhalten die Auszubildenden und das Personal einen Selbst- bzw. Laientest, den sie vor Start des Unterrichts unter Aufsicht anwenden. Eine zweite Testung erfolgt in Form eines Schnelltests jeweils mittwochs. Dieser wird in einem speziell dafür eingerichteten Raum von geschultem Fachpersonal durchgeführt. Die Handwerkskammer kooperiert dazu an jedem Standort mit örtlichen Apotheken. Die Bescheinigung über das negative Testergebnis ist anerkannt und kann gegebenenfalls für weitere Zwecke wie zum Beispiel einen Besuch im Krankenhaus als Nachweis eingesetzt werden.

Staatliche Unterstützung erwartet

„Wir sehen unsere Teststrategie als Beitrag zum Gesundheitsschutz und wichtige Brücke, bis Impfungen für alle angeboten werden können“, betont Hiltner. Dabei hofft er hinsichtlich der Finanzierung auf eine rasche Unterstützung seitens des Landes. „Wir sind mit der Bestellung von Selbsttests zunächst in Vorleistung gegangen, gehen aber davon aus, dass wir die Kosten erstattet bekommen. Im Sinne der Gleichwertigkeit von beruflicher und allgemeiner Bildung sehe ich hier den Staat, der die allgemeinbildenden Schulen mit Selbsttests versorgt, klar in der Pflicht.“