Verbundausbildung
Maytec Fahrzeugbau GmbH
Benita Mayer will nicht nur alle Facetten ihres Familienbetriebs kennenlernen, sondern auch über den Tellerrand schauen. Deshalb setzt sie ihre Ausbildung für ein halbes Jahr in einem anderen Fahrzeugbau-Unternehmen fort.

Gemeinsam hoch hinaus

Eine Ausbildung im Verbund eröffnet Azubis und Betrieben neue Perspektiven

Mit Abrollkippern kennt sich Benita Mayer schon ziemlich gut aus. Schließlich sind sie das Spezialgebiet der Maytec Fahrzeugbau GmbH, der Firma ihrer Familie, in der sich die 22-Jährige nach einer Ausbildung zur Bürokauffrau jetzt auch noch zur Karosserie- und Fahrzeugbaumechanikerin ausbilden lässt. Hineingewachsen sei sie in das Unternehmen, erzählt sie, und ein großes Ziel hat sie ebenfalls vor Augen: „Ich will den Betrieb einmal übernehmen und wissen, wovon ich rede.“ Bevor es soweit ist, steht jedoch etwas ganz Anderes auf ihrem Plan: Ab Oktober wird Benita Mayer für ein halbes Jahr von Waldshut nach Endingen am Kaiserstuhl ziehen und sich bei der S-Tech GmbH in die Finessen von Kranaufbauten einführen lassen. „Unser Betrieb ist ja sehr spezialisiert, da wollte ich während der Ausbildung unbedingt noch andere Bereiche kennenlernen“, sagt sie.

Möglich wird dieser Abstecher durch eine Ausbildung im Verbund: Zwei oder mehr ausbildungsberechtigte Betriebe schließen sich zusammen und führen die Ausbildung gemeinsam durch. „Das ist eine sehr attraktive Möglichkeit gerade für kleine oder spezialisierte Betriebe: Der Auszubildende erhält einen ganzheitlichen Einblick in den Beruf und kann aus den unterschiedlichen Erfahrungsschätzen der beteiligten Betriebe schöpfen. Das bringt fachlich und persönlich viel“, sagt Fabienne Gehrig, Leiterin des Ausbildungsteams bei der Handwerkskammer Konstanz.

Auch die Betriebe profitieren von der Kooperation: „Es entstehen oft enge und für beide Seiten profitable Geschäftsbeziehungen“, weiß Gehrig. Außerdem stärke das Lernen und Arbeiten in unterschiedlichen Umgebungen die Teamfähigkeit und erhöhe die Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen: „Wer spürt, dass ihm Türen geöffnet werden, bleibt gerne“, so die Expertin.

Organisiert werden kann die Verbundausbildung auf ganz unterschiedliche Art: Meist schließt ein Stammbetrieb einen Ausbildungsvertrag ab und vereinbart eine Kooperation mit einem Partnerbetrieb. Es können sich aber auch mehrere Betriebe zu einem Ausbildungskonsortium zusammentun oder sogar einen Verein gründen, über den dann die Lehrverträge laufen. Vorausgesetzt wird nur, dass bei allen Verbundpartnern ein Ausbilder vor Ort ist und dass die einzelnen Abschnitte und Inhalte der Ausbildung in einem gemeinsamen Ausbildungsplan festgelegt werden.

Gutes Modell auch in der Krise

Ein zusätzlicher Pluspunkt: Verbundausbildung wird vom Land mit 2.000 Euro pro Lehrstelle bezuschusst. Im Regelfall muss die Ausbildung im Kooperationsbetrieb dazu mindestens 20 Wochen betragen. In Zeiten von Corona gibt es aber noch eine weitere Möglichkeit: Wer mindestens vier Wochen Kurzarbeit angemeldet hat und seinen Auszubildenden mindestens ebenso lange in einem Partnerbetrieb lernen lässt, erhält 1.000 Euro pro Ausbildungsplatz. „Verbundausbildung ist gerade in der derzeitigen Situation eine gute Option für viele Betriebe: So kann man auch in wirtschaftlich ungewissen Zeiten erfolgreich ausbilden und verspielt jetzt nicht die Chance auf qualifizierte Mitarbeiter“, sagt Fabienne Gehrig.

Benita Mayer verspricht sich ebenfalls viel vom zeitweiligen Wechsel zu einer anderen Firma: „Es war zwar nicht ganz leicht, einen Betrieb zu finden, aber bei S-Tech wurde ich so herzlich aufgenommen, dass ich mich ganz sicher wohlfühlen werde“, sagt sie. Was fachlich auf sie zukommt, hat sie mit dem Partnerbetrieb schon genau besprochen – und ist im wahrsten Sinn des Wortes elektrisiert: „Ich werde tatsächlich ganz viel mit Elektronik zu tun haben. Wir machen hier ja vor allem Anhängerbeleuchtungen, aber in so einem Kran steckt viel mehr. Darauf bin ich richtig gespannt!“ Dass sie auch in ihrem Zweit-Ausbildungsbetrieb die einzige Frau in der Werkstatt sein wird? Kein Problem für die angehende Firmenchefin: „Als Frau muss man immer 150 Prozent geben. Aber ich weiß ja, wozu.“

Umfangreiche Informationen und Ansprechpartner zur Verbundausbildung finden Sie unter www.hwk-konstanz.de/verbundausbildung.