Gemeinsam Chancen schaffen
Handwerkskammer Konstanz

Gemeinsam Chancen schaffen

Ausbilder und Berufsschullehrer fordern Verbesserungen für die Ausbildung von Geflüchteten

Rechtliche Hürden, sprachliche Barrieren und ungenügende Unterstützungsleistungen: Die Ausbildung von Geflüchteten stellt Betriebe und Berufsschulen vor eine große Herausforderung. Die Ausbildungsexperten der Handwerkskammer Konstanz hatten deshalb zum Erfahrungsaustausch „Gemeinsam Chancen schaffen“ in die Bildungsakademie Singen eingeladen, bei dem drei Themenfelder besonders unter die Lupe genommen wurden. Neben der Ausbildungsreife und -fähigkeit standen die Unterstützungsleistungen während der Ausbildung und ein Kurzvortrag zum Asylrecht auf dem Programm.

Experten klären auf

Filip Bebic, Abteilungsleiter bei der Ausländerbehörde der Stadt Konstanz, gab den teilnehmenden Ausbilderinnen und Ausbildern sowie Berufsschullehrerinnen und -lehrern im Bezug auf die Beschäftigungsduldung einen Hoffnungsschimmer. In Baden-Württemberg gebe es nun eine Vorgriffsregelung, die bereits vor der geplanten bundesgesetzlichen Neuordnung umgesetzt wurde. Allerdings seien die Hürden für eine Ermessensduldung sehr hoch. „Es trifft nur einen sehr geringen Prozentsatz“, so Bebic.

Luitgard Matatko, Arbeitsvermittlerin im Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg, und ihr Kollege, Berufsberater Kurt-Werner Mangelsdorf, appellierten an die Betriebe, sich der Verantwortung bewusst zu sein, die die Ausbildung von Geflüchteten mit sich bringe. Dafür sei die Feststellung der Ausbildungsfähigkeit vor dem Abschluss wichtig. Die Agentur für Arbeit biete zum Beispiel einen Sprachstandstest und einen psychologischen Test an, so Mangelsdorf. Matatko nannte dieEinstiegqualifizierung (EQ) Plus als wertvolle Option, bei der der Geflüchtete drei Tage den Betrieb und zwei Tage einen Sprachkurs besucht. Im Erfahrungsaustausch nannten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zudem ihre Wünsche und Tipps für eine erfolgreiche Ausbildung von Geflüchteten.

Alfred Greis, Regionalkoordinator Bodenseekreis und Landkreis Konstanz der Initiative VerA:

„Eine Ausbildung in Schritten mit einer Bezahlung in Schritten wäre eine weitsichtige Option. So würde der Optimismus bei den Auszubildenden erhalten bleiben. Bei mangelnder Ausbildungsfähigkeit und Berufsreife wäre eine Beschäftigungsduldung bei einer Hilfsarbeiterstelle sinnvoll. Ich glaube, wir können innerhalb des Landes mehr erreichen, indem wir über die Politik wirken.“



Alfred Greis
Handwerkskammer Konstanz

Atlan Thorwirth
Handwerkskammer Konstanz

Atlan Thorwirth, Metallausbildung Bildungsakademie
Singen:

„Bei mir im Unterricht habe ich beobachtet, dass einige Geflüchtete bei Verständnisproblemen lieber vor sich hinarbeiten, als zu fragen. Als ich nachgefragt habe, warum das so ist, wurde mir geantwortet: ,Bei uns im Land gilt man als doof, wenn man fragt‘. Es gibt viele dieser kulturellen Probleme, die man im Vorfeld klären müsste. Deshalb wünsche ich mir auch für die Lehrenden einen Unterricht, um die Hintergründe auf beiden Seiten zu erörtern.“

Omar Kariman, Berufshelfer der Hohentwiel-Gewerbeschule Singen: 

„Ich bin selbst vor dreieinhalb Jahren geflüchtet und arbeite jetzt im Öffentlichen Dienst, worauf ich sehr stolz bin. Meine Bitte ist, dass wir alle mehr Geduld mit den Geflüchteten haben, da viele in Deutschland erst einmal überfordert sind.“

Omar Kariman
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Heike Wagenblast
Handwerkskammer Konstanz

Heike Wagenblast, Geschäftsführung Widmann GmbH in Singen:

„Ich arbeite gerne mit Geflüchteten, da eine positive Grundeinstellung zum Beruf vorhanden ist. Bei uns im Betrieb wird der Nachhilfeunterricht auf die normale Arbeitszeit angerechnet, zusätzlich kommt einmal die Woche ein Lehrer zu uns. Ausbildung kostet viel Geld. Auszubildende und Beschäftigte, die eine Arbeit haben, dürften nicht abgeschoben werden.“

Henning Schulz, Berufshelfer der Robert-Gerwig-Schule Singen:

„Es gibt zu wenig Rechtssicherheit, das ist ein großes Problem. Wenn man eine klare Rechtslage hätte, könnte man eine Ausbildung in Schritten angehen. Aktuell fehlen für mich erreichbare Ziele für viele Geflüchtete.“

Henning Schulz
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Marcus Kreickmann
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Marcus Kreickmann, Abteilungsleiter Berufsschulzentrum Radolfzell:

„Ich wünsche mir, dass die Einstiegqualifizierung (EQ) Plus mit Sprachkurs verpflichtend wird. Ich sehe, dass viele Geflüchtete neben Sprachproblemen ungenügende Mathematikkenntnisse haben. Sie treten dann eine Ausbildung an, weil sie nicht abgeschoben werden wollen, haben aber eigentlich keine Chance auf einen erfolgreichen Abschluss.“

Tobias Stengele, Stengele Fensterbau in Steißlingen:

„Wir haben einen afghanischen Mitarbeiter, der bei uns die Ausbildung machen will. Ich würde mir von der Politik wünschen, dass Facharbeiter, die eine gute Bewertung haben, bleiben dürfen.“

Tobias Stengele
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Haid

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