Malergeselle Mike Sado (rechts) mit Ausbilder und Chef Joachim Würstl
privat
Ein starkes Team: Der Malergeselle Mike Sado (rechts) mit Ausbilder und Chef Joachim Würstl.

"Er sieht die Arbeit"

Der Nigerianer Mike Sado hat seine Gesellenprüfung erfolgreich bestanden

2015 ist Mike Sado aus Nigeria geflohen, voller Hoffnung auf ein besseres Leben, aber ohne jegliche Schulbildung. Heute hat er seinen Gesellenbrief als Maler- und Lackierer in der Tasche und ist stolz darauf. Zwei Personen haben ihn auf seinem Weg begleitet: Alexandra Hagen-Ettl, Ausbildungsbegleiterin der Handwerkskammer Konstanz, die Mike Sado bereits aus ihrem vorherigen Job bei der Jugendhilfe kannte und seine Potenziale sah. Und sein Ausbilder, Malermeister Joachim Würstl aus Marbach, bei dem der junge Nigerianer sein Handwerk erlernt hat.

Vom Schnupperpraktikum zur Ausbildung

Zunächst aber stand bei Mike Sado ein VAB-O, ein „Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen“ an. Ein eintägiges Praktikum brachte ihn in dieser Phase mit Würstl zusammen. „Nach zwei Stunden gemeinsamer Arbeit war schon klar: Das wird mein neuer Lehrling“, erinnert sich Würstl. „Er hat praktisches Talent und einfach die Arbeit gesehen. Ein Beispiel: Wir gehen durch die Tiefgarage und ein Snickers-Papier liegt auf dem Boden. Mike ist hingegangen, hat es aufgehoben und später in den Mülleimer geworfen,“ erzählt der Ausbilder. Aus einem halben Tag Schnupperpraktikum wurde ein ganzer und schließlich kam Sado jeden Donnerstag zum Arbeiten in den Betrieb, ein ganzes Jahr lang. „Er hat sich sehr gut angestellt und ich habe ihm schließlich eine Ausbildung angeboten. Allerdings nur, wenn er zuerst den Hauptschulabschluss schafft“, erzählt Würstl rückblickend.

Schule als große Herausforderung

Nicht nur der Hauptschulabschluss, auch der Berufsschulunterricht stellten Mike Sado vor besondere Herausforderungen. „Mike hat in Nigeria noch nie eine Schule besucht und wusste gar nicht, wie man sich organisiert. Er hat zum Beispiel anfangs in seinem Schulordner die Zettel und Aufschriebe nicht nach Fächern sortiert, sondern nach Lehrern und kam dann beim Lernen durcheinander“, berichtet Würstl. Der Theorieunterricht in der Berufsschule sei hart gewesen, vor allem in der Onlinephase während der heißen Phase der Corona-Pandemie, sagt Mike Sado. Ohne die Hilfe von Ausbildungsbegleiterin Alexandra Hagen-Ettl wäre vieles nicht möglich gewesen, erinnert sich Würstl Sie organisierte Nachhilfe und kümmerte sich auch um private Angelegenheiten – von der Wohnung bis hin zu den notwendigen Papieren rund um den Aufenthaltsstatus des Geflüchteten. Mittlerweile hat Mike Sado dank seiner erfolgreichen Ausbildung einen sicheren Aufenthaltsstatus und ist stolz auf seine Ausweiskarte. Dankbar ist er auch für die Hilfe des Kollegenteams während der Ausbildung.  Ob Hausaufgaben, Berichtsheft oder Computerprobleme – einer der Kollegen war immer zur Stelle, wenn es Fragen gab.

Aufenthaltsstatus und Alltagsrassismus als Belastung

Herausforderungen gab es auch außerhalb der Unterrichts zu meistern. So musste Mike Sado zur überbetrieblichen Ausbildung nach Waldshut. Die Zugstrecke führte aber durch die Schweiz, für die er keine Aufenthaltsgenehmigung hatte. Die Ausbildungsbegleiterin Alexandra Hagen-Ettl kümmerte sich schnell darum, dass Mike Sado mit einem Kollegen aus Tuttlingen per Auto zur ÜBA fahren konnte, um das Problem zu beheben.

Ein anderes Thema aber scheint auf die Schnelle unlösbar und tut besonders weh: Der Alltagsrassismus, der Mike Sado entgegenschlägt und unter dem er sichtlich zu leiden hat – auch wenn er das kleinredet. „Einmal bin ich durch die Stadt gelaufen und jemand hat zu mir „du Affe, geh heim“ gesagt,“ erzählt er. Ein anderes Mal erhielt der Chef einen Anruf einer Kundin, die darum bat, den „Schwarzen“ nicht mehr auf ihre Baustelle zu schicken, sonst würde sie den Auftrag zurückziehen. „Das ist traurig, aber so etwas gibt es leider bei uns,“ moniert Würstl. Mike Sado lässt sich nicht abschrecken und will einfach seine Sache gut machen und vor allem „noch viel lernen“, sagt er. Das Talent für den Beruf hat er von Anfang mitgebracht. Auch an Eigenverantwortung und Selbständigkeit hat es laut seinem Chef Joachim Würstl nie gefehlt. Beste Voraussetzungen also für eine weitere erfolgreiche Karriere im Handwerk.

Was macht die Ausbildungsbegleitung?

Gleiche Bildungschancen trotz unterschiedlichster Voraussetzungen? In der Praxis funktioniert das nur mit sehr viel Unterstützung. Deshalb gibt es seit 2013 die Ausbildungsbegleitung der Handwerkskammer Konstanz. Aufgabe der Ausbildungsbegleitung ist es, sich um Auszubildende mit besonderem Unterstützungsbedarf zu kümmern und sie erfolgreich durch die Ausbildung zu bringen. Gibt es schwerwiegendere Herausforderungen, ziehen die Ausbildungsbegleiterinnen auch andere Netzwerkpartner von der psychologischen Beratung bis hin zum Jugendamt oder der Ausländerbehörde zu Rate.

Die Ausbildungsbegleitung wird im Rahmen des Förderprogramms „Erfolgreich ausgebildet – Ausbildungsqualität sichern“ vom Land Baden-Württemberg unterstützt.

Video: Mike Sado ist glücklich im Handwerk

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Alexandra Hagen-Ettl

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