Porträtbild von Prof. Dr. Volker Quaschning
Handwerkskammer Konstanz
Engagierter Streiter für den Klimaschutz: Prof. Dr. Volker Quaschning.

"Das Handwerk ist Treiber der Energiewende"

Interview mit Prof. Dr. Volker Quaschning

Herr Quaschning, Sie sagen, Klimawandel kostet Unternehmen in Deutschland. Welche Zukunftsvoraussage ergibt sich für das Handwerk?

Der Klimawandel trifft Unternehmen. Wir hatten als Beispiel BASF, die 2018 aufgrund der Dürre im Rhein Probleme hatte, Rohstoffe hochzuschiffen und dann eine Gewinnwarnung herausgeben musste, weil sie Produktionsausfälle hatte. Das sind Sachen, die passieren. Wenn man einen zukunftssicheren Job haben will, ist an im Handwerk sicherlich besser aufgehoben als bei einem großen Unternehmen, das die falschen Produkte herstellt. Wenn man bei VW arbeitet und Verbrennungsmotoren baut, ist das natürlich nicht so sicher, als wenn man bei einem kleinen Handwerksunternehmen arbeitet, das die Energiewende vor Ort umsetzt.

Demnach ist Klimaschutz tatsächlich eine Chance für das Handwerk?

Das Handwerk ist ganz klar der Treiber für die Energiewende, denn ohne das Handwerk bekommen wir das nicht hin. Wir  sehen jetzt schon den Fachkräftemangel. Die Unternehmen, die im Klimaschutz tätig sind, zum Beispiel im Solarbereich, haben in den letzten Jahren viel Leid erfahren müssen. Es ging mal hoch und mal runter. Da wäre von der Politik mehr Wertschätzung gegenüber dem Handwerk wichtig, dass zukunftsfähige Arbeitsplätze aufgebaut werden können und die Unternehmen nicht im Regen stehen gelassen werden. Ich habe ganz viele tolle Projekte gesehen, die durch das Handwerk umgesetzt wurden, zum Beispiel den Aufbau von Solaranlagen im Gebäudebereich. Solche Unternehmen brauchen wir.  Nicht-zukunftsfähige Unternehmen, die die falschen Produkte produzieren, werden es in Deutschland schwer haben.

Was würde das für den Arbeitsmarkt in Deutschland bedeuten?

Man hat immer den Eindruck, dass in Deutschland Arbeitsplätze verloren gehen durch die Energiewende. Das ist aber gar nicht der Fall. Wenn wir die Energiewende in dem Tempo durchziehen, das wir haben wollen, brauchen wir schon im Bereich Photovoltaik um die 200.000 zusätzlichen Fachkräfte. Wir müssen uns überlegen, wie wir die Menschen, die heute in Branchen arbeiten, die nicht zukunftsfähig sind, mitnehmen, umschulen und ihnen Perspektiven eröffnen. Außerdem benötigen wir zusätzliche Leute. Deshalb brauchen wir vor allem fürs Handwerk eine Ausbildungsoffensive.

„Fridays for Future“ und das Handwerk als Treiber der Energiewende passen ja gut zusammen. Können wir in Zukunft also mehr interessierte und engagierte Jugendliche in einer handwerklichen Ausbildung erwarten oder bleiben die Aktivisten eher in der Theorie verhaftet?

Nachwuchskräfte können wir nicht alleine aus den „Fridays for Future“-Kräften rekrutieren. Wir brauchen hier generell mehr Wertschätzung für das Handwerk. Ich selber unterrichte an der Hochschule und wir sehen eher den Trend, dass immer mehr Leute an die Hochschulen strömen. Leute, bei denen man sagt, sie wären wahrscheinlich im handwerklichen Bereich besser aufgehoben. Wenn alle am Ende an die Hochschule gehen und keiner mehr da ist, der die Solaranlagen oder die entsprechenden Heizungsanlagen optimiert und aufbaut, dann werden wir die Energiewende nicht hinbekommen.

Haben Sie drei konkrete Tipps zum Klimaschutz für Unternehmen im Alltag?

Ein Bereich ist der Verkehr: Wie kommen die Mitarbeiter zur Arbeit? Gibt es Möglichkeiten, den öffentlichen Verkehr, den Radverkehr zu stärken? Außerdem kann man den Energieverbrauch in Unternehmen senken, auf Effizienz setzen. Da gibt es Beratungsangebote, die man in Anspruch nehmen kann. Und man sollte sich mit dem Einsatz erneuerbarer Energien beschäftigen, zum Beispiel Photovoltaikanlagen auf den Dächern. Wer noch ambitionierter sein will, überlegt sich ein Konzept, um in den nächsten 15 bis 20 Jahren klimaneutral zu werden und damit seinen Beitrag zum Klimaschutz in Deutschland zu leisten.

 Prof. Dr. Volker Quaschning ist Autor eines Standardwerks über Regenerative Energiesysteme, Mitinitiator von „Scientists for Future“ und gefragter Experte in den Medien. Auf Einladung der Handwerkskammer Konstanz und der Kompetenzstelle Energieeffizienz Hochrhein-Bodensee sprach er im Radolfzeller Milchwerk. Quaschning hat die Professur für Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin inne.