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Handwerkskammer Konstanz

So klappt es bei den Nachbarn

Deutsche Handwerksbetriebe in der Schweiz

Die Schweiz ist für viele Handwerksbetriebe aus der Region ein interessanter Markt. Beim Schritt über die Grenze sind allerdings zahlreiche Vorschriften zu beachten und etliche Auflagen zu erfüllen. Um hier den Überblick nicht zu verlieren, helfen Ihnen die Außenwirtschaftsexperten der Handwerkskammer Konstanz weiter.

Die Broschüre „Auftragsabwicklung für deutsche Handwerker in der Schweiz“ der Handwerkskammer Konstanz fasst die Vielzahl an Vorschriften und Regelungen zusammen. Der Leitfaden ist für alle Handwerksbetriebe gedacht, die ihre Aufträge in der Schweiz gründlich vorbereiten und stressfrei sowie erfolgreich abwickeln möchten.

Wichtig bei der Entsendung in die Schweiz

Jeder Betrieb kann 90 Tage pro Kalenderjahr in der Schweiz arbeiten

In der Schweiz gilt der Grundsatz: Erst melden, dann arbeiten

Die Meldepflicht besteht sowohl für Selbständige als auch für entsandte Mitarbeiter

Eine Online-Anmeldung erfolgt über das Portal des Staassekretariats für Migration: meweb.admin.ch/meldeverfahren

Nachdem eine Arbeit angemeldet wurde, gilt grundsätzlich eine 8-tägige Wartefrist

Bei Dienstleistungen in der Schweiz müssen sich deutsche Arbeitgeber an bestimmte orts- und branchenübliche Arbeits- und Lohnbedingungen halten. Seit April 2014 gilt eine überarbeitete Weisung zum internationalen Lohnvergleich des Schweizer Staatssekretariats für Wirtschaft. Der neue Berechnungsmodus macht sich in einem höheren Lohnzuschlag für die Einsätze in der Schweiz bemerkbar. Auf der Internetseite www.entsendung.admin.ch gibt es einen Lohnrechner, mit dem die Mindestlöhne berechnet werden können.

Sowohl für ausländische als auch für Schweizer Handwerksbetriebe besteht in der Schweiz eine Kautionspflicht. Die Kaution dient als Sicherheitsleistung, sollten sich Betriebe nicht an den Schweizer Mindestlohn halten. Mit dem Geld werden säumige Forderungen der Vollzugskostenbeiträge sowie Konventionalstrafen und Kontrollkosten bezahlt. Die Höhe der Kaution variiert je nach Gesamtauftragswert pro Kalenderjahr. Ab 2.000 Franken Gesamtauftragswert muss die Kaution bezahlt werden. Auf der Internetseite www.zkvs.ch finden Sie genauere Informationen zur Kautionspflicht.

In der Schweiz sind einige Handwerksberufe wie auch in Deutschland reglementiert. Ohne die notwendige Qualifikation darf in dem Beruf nicht gearbeitet werden. Deshalb gibt es eine zusätzliche Meldepflicht für Berufe, die Auswirkungen auf die öffentliche Sicherheit und Gesundheit haben könnten. Betriebe aus den entsprechenden Bereichen müssen Ihre Arbeiten beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) anmelden und die Qualifizierung nachweisen.

Meldepflichtige Berufe sind:

Elektriker/Elektroinstallateure, Bauunternehmer, Baumaschinenführer, Schornsteinfeger, Kranführer, Arbeiten am hängenden Seil, Hufschmied, Augenoptiker, Orthopädist, Zahntechniker, Bestatter, Büchsenmacher

Als Bauunternehmer gelten Handwerker die Mauerwerksarbeiten, Gieß- und Bewehrungsarbeiten mit Beton sowie Tiefbauten im Straßen-, Brücken- oder Schienenbau, mit Arbeiten pro Auftrag von mehr als 30.000 Franken ausführen. Weniger umfangreiche Arbeiten können ohne Nachweis der Berufsqualifikation ausgeübt werden.

Für selbständige Handwerker aus Deutschland sind bei Aufträgen in Schweiz folgende Dokumente zwingend mitzuführen:

  • Meldebestätigung
  • Sozialversicherungsbescheinigung A 1 (früher E 101)
  • Kopie des Werkvertrags (alternativ schriftliche Bestätigung des Auftraggebers)

Neben diesen drei Dokumenten ist es ratsam, die Handwerkskarte als Nachweis für die Eintragung in Handwerksrolle oder Gewerbeverzeichnis auch in der Schweiz dabei mitzuführen ist. Können die Dokumente nicht vorgezeigt werden, droht nach kurzer Nachfrist der "Arbeitsunterbruch" und der Betrieb wird gesperrt. Wer die Sperre missachtet, muss ein Bußgeld zahlen.

Seit dem 1. Januar 2015 sind ausländische und damit deutsche Unternehmen Schweiz auch dann umsatzsteuerpflichtig, wenn sie in der Schweiz reine Dienstleistungen oder Werkleistungen erbringen, ohne ein Steuerobjekt, also Waren, einzuführen. So sollen Wettbewerbsnachteile inländischer Unternehmen gegenüber ausländischen Mitbewerbern verringert werden. Zahlen muss, wer einen Nettoumsatz in der Schweiz von mindestens 100.000 Franken pro Kalenderjahr hat. Liegt der Jahresumsatz darunter, ändert sich an der bisherigen Praxis nichts.

Wer zum Beispiel als Stuckateurbetrieb in der Schweiz eine Fassade renoviert und sämtliches Material (außer Werkzeug) bauseits gestellt bekommt oder in der Schweiz einkauft, muss auf seine abgerechneten Arbeitsstunden nach wie vor keine Schweizer Umsatzsteuer bezahlen, wenn eben der Schwellenwert von 100.000 Franken nicht überschritten wird. Bislang waren solche reinen Dienst- oder Werkleistungen auch über dieser Schwelle völlig umsatzsteuerbefreit.

Bei der vom Bundesrat beschlossenen Verordnungsänderung handelt es sich jedoch lediglich um eine Übergangslösung: Die Teilrevision des Mehrwertsteuergesetzes ist voraussichtlich schon für 2016 geplant, dass inländische und ausländische Unternehmen ab dem ersten Franken Umsatz in der Schweiz steuerpflichtig werden, wenn sie weltweit mehr als 100.000 Franken Umsatz erzielen. Wie dieser weltweite Umsatznachweis geführt werden soll, ist noch völlig unklar.

Hintergrund:

Initiator der Verschärfung des Umsatzsteuerrechts für ausländische Mitbewerber ist der Tessiner Nationalrat Ignazio Cassis (FDP), der gerade für die Unternehmer seines Kantons erhebliche Wettbewerbsnachteile durch Dienstleister aus der Grenzregion Italien bemängelt.

Arbeitsmaterial im Wert von mehr als 1.000 Franken, das für Aufträge in die Schweiz mitgenommen wird, muss online angemeldet werden, zusätzlich zum deutschen Ausfuhrverfahren „IAA plus“. Informationen und die Anleitung zum Anmeldeverfahren sind auf der Internetseite der Eidgenössischen Zollverwaltung  zu finden. Die Anmeldung dürfen auch Speditionen und Zollagenturen beziehungsweise Verzollungsbüros für die Handwerksbetriebe übernehmen.

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Lothar Hempel

Wirtschaftsförderung und Unternehmensservice
Juristische Beratung / Außenwirtschaft

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Dr. jur. Sonja Zeiger-Heizmann

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