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"New Work" im Handwerk

Wirtschaftsministerium fördert wissenschaftliche Modellprojekt-Studie für das Baden-Württembergische Handwerk mit 84.500 Euro

Globalisierung, Digitalisierung, Klimaschutz oder Alterung der Gesellschaft – diese Megatrends wirken sich nachhaltig auf Technologien, Ökonomie und ganze Wertesysteme in einer Gesellschaft aus. Sie verändern oder verdrängen etablierte Geschäftsmodelle und sogar ganze Branchen. Um die Auswirkungen dieser Megatrends auf die Wirtschaftsbranche Handwerk zu ermitteln, hat das Baden-Württembergische Handwerk unter der Projektsteuerung der Handwerkskammer Konstanz ein neues Studienprojekt mit dem Titel „New Work: Der Einfluss von Megatrends und Geschäftsmodellinnovationen auf die Arbeit im Handwerk der Zukunft – konkretisiert anhand einer Zukunftsvision für das Schreinerhandwerk“ aufgesetzt. Das Projekt wird im Rahmen der Zukunftsinitiative Handwerk 2025 des Landes Baden-Württemberg mit 84.500 Euro bezuschusst.

„Wir freuen uns sehr über den Förderbescheid des Wirtschaftsministeriums, denn der Anpassungsdruck auf die Handwerksunternehmen wird immer größer. Durch das Projekt soll erhoben werden, wie sich die aktuellen Megatrends auf das Handwerk auswirken. Außerdem sollen dem Handwerk konkrete Handlungsempfehlungen, Lösungsmuster und Denkanstöße an die Hand gegeben werden“, erläutert Oskar Vogel, Hauptgeschäftsführer des Baden-Württembergischen Handwerkstags.

Der Wandel zeige sich bereits in vielen Teilbereichen des Handwerks, wie Georg Hiltner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkammer, an Beispielen erläutert: Fotografen, deren Handel mit Fotoapparaten und Filmkameras durch die Konkurrenz der Smartphones zum Nischengeschäft wurde, Uhrmacher, deren klassisches Geschäftsmodell durch den wachsenden Markt der Smart Watches zunehmend in Bedrängnis gerät, Kraftfahrzeugtechniker, die sich auf die neue E-Mobilität umstellen müssen oder Schreinerbetriebe, die seit langem gegen den massiven Konkurrenzdruck der Möbelindustrie kämpfen. „Die eher kleiner strukturierten Handwerksunternehmen haben vielfach nicht die Möglichkeit, sich Expertise von außen einzukaufen, um sich für die Zukunft zu wappnen. Daher ist das New-Work-Projekt gerade für sie von großer Wichtigkeit“, so Hiltner.

Konzeptionell und wissenschaftlich geleitet wird es von Professor Dr. Jürgen Wagenmann, Leiter des Instituts für KMU und Handwerk an der Allensbach Hochschule Konstanz. „Einige Handwerksbetriebe haben das Themenfeld Megatrends, Zukunftsstrategie und Geschäftsmodellinnovation noch gar nicht auf ihrem Radar, da sie sich momentan noch in ihrer Komfortzone wähnen. Sobald jedoch der Anpassungsdruck beginnt spürbar weh zu tun, wird es für Anpassungen in vielen Fällen zu spät sein“, so der Experte. „Es geht uns also auch um Sensibilisierung. Allerdings wird es im Detail je nach Gewerk auch unterschiedliche Zukunftsstrategien geben. Am Beispiel des Schreinerhandwerks werden wir im Rahmen des Projekts die Herangehensweise zeigen, was dann als Blaupause für alle anderen Gewerke dienen kann.“

„Die zukünftigen Herausforderungen speziell für maschinenlastige Gewerke wie z. B. die Schreiner, sind vielschichtig und umfassend“, sagt Schreinermeister Stephan Schmidt, Inhaber der Möbelschmiede in Zußdorf-Wilhelmsdorf und Dozent in der Meistervorbereitung Schreiner an der Bildungsakademie Waldshut. „Insbesondere für mittlere und kleinere Handwerksbetriebe müssen u. a. Formen der Kooperation und Zusammenarbeit entwickelt werden. Ferner müssen die Strukturen der Handwerkskammern und Innungen dringend partizipativer und an den Bedarf der Betriebe angepasst werden. Der Megatrend der Digitalisierung bietet hierzu neue Chancen und Möglichkeiten“, so Schmidt.