Zimmerer mit Gehörschutz und Hobel.
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Corona wirbelt selbst im Bau- und Ausbauhandwerk Staub auf. Die meisten Betrieben kamen aber bislang gut durch die Krise.

Langer Atem ist gefragt

Konjunktur im Handwerk der Region bessert sich langsam

Nach dem Corona-Knick kommt die Konjunktur im Handwerk der Region erst allmählich wieder in Schwung. Doch eine aktuelle Umfrage der Handwerkskammer Konstanz zeigt auch: Dramatisch ist die Lage nicht. Immerhin 58,4 Prozent der Betriebe waren mit den Geschäften der vergangenen Wochen zufrieden, 11,9 Prozent äußerten sich unzufrieden. „Im Vergleich mit den Vorjahreszahlen ist das natürlich ein deutlich schlechteres Ergebnis. Aber mit Blick auf die gesamtwirtschaftliche Lage kann man sagen: Das Handwerk steht nach wie vor auf festem Boden“, so Werner Rottler, Präsident der Handwerkskammer Konstanz.

Dementsprechend erwarten die meisten Betriebe in nächster Zeit keine Höhenflüge, sondern eine Fortsetzung des bisherigen Geschäftsverlaufs. „Uns ist bewusst, dass wir einen langen Atem brauchen, um die Krise ganz zu überwinden. Aber solange wir arbeiten können und kein weiterer Lock-down erforderlich ist, haben wir den auch“, sagt Rottler.

Dass die Nachfrage nach handwerklichen Produkten und Dienstleistungen nach wie vor da ist, zeigt die Entwicklung der Auftragslage: Nach dem Einbruch im Frühjahr, als gut die Hälfte der Betriebe weniger Aufträge bekam, liegt der Saldo aus gestiegenen und gesunkenen Auftragseingängen jetzt wieder im positiven Bereich. Noch ist die Auslastung der Betriebe aber nicht ganz so hoch wie im Vorjahr und auch die Umsätze haben sich weniger dynamisch entwickelt.

Außerdem verzeichnen die Betriebe einen leichten Personalrückgang und auch die Investitionsbereitschaft hat im Vergleich zum Vorjahr etwas nachgelassen. Beides wird sich nach Einschätzung der Unternehmen in den nächsten Monaten auch nicht verändern. „Hier macht sich eine verständliche Vorsicht bemerkbar. Allerdings sollten gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel und die Herausforderungen der Digitalisierung diese Themen nicht ganz auf die lange Bank geschoben werden“, mahnt der Handwerkskammerpräsident. Gerade in Krisenzeiten dürfe man die Zukunft nicht aus den Augen verlieren, sondern müsse sich strategisch gut aufstellen: „Es kommt die Nach-Corona-Zeit, in der diejenigen vorne mit dabei sein werden, die die Chancen für Veränderungen genutzt haben. Denn Corona wird Spuren hinterlassen, im Verbraucherverhalten genauso wie in der Art des Zusammenarbeitens.“

Alle Branchen betroffen

Das Vorjahresergebnis konnte keine Branche erreichen. Am stabilsten blieb die Geschäftslage im Nahrungsmittelhandwerk. Das Bauhauptgewerbe und das Ausbauhandwerk liegen zwar nach wie vor an der Spitze, mussten aber deutliche Einbußen hinnehmen. Eine wahre Talfahrt erlebte dagegen die Gesundheitsbranche und auch das Kfz-Gewerbe landete im negativen Bereich. Allerdings rechnet man in beiden Branchen mehrheitlich mit einer baldigen Verbesserung der Lage. Hohe Verluste musste auch die Dienstleistungsbranche im dritten Quartal dieses Jahres verkraften. Hier sind die Erwartungen an die künftige Entwicklung aber deutlich optimistischer als beispielsweise bei Zulieferern oder Dienstleistern für den gewerblichen Bedarf. Deren Geschäftsentwicklung ist von Corona ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen worden und wird es nach Einschätzung vieler Betriebe auch noch länger bleiben.

Einen ausführlichen Bericht mit zahlreichen Grafiken zu den wichtigsten Konjunkturindikatoren und detaillierten Informationen zu den einzelnen Branchen finden Sie hier.