Ausbildung
Falk Heller/argum

Handwerk setzt weiter auf Ausbildung

In vielen Berufen werden noch Auszubildende gesucht

Zum Ausbildungsstart 2020 verzeichnet die Handwerkskammer Konstanz 1.517 neu eingetragene Ausbildungsverhältnisse. Verglichen mit dem sehr guten Vorjahresergebnis entspricht dies einem Rückgang von 7,5 Prozent. Gleichzeitig werden in vielen Berufen noch Auszubildende gesucht.

„Entgegen mancher Befürchtungen sind die Ausbildungszahlen zumindest im Handwerk nicht eingebrochen. Trotz Corona setzen die Betriebe weiter auf Ausbildung, um für die Zukunft dringend benötigte Fachkräfte zu gewinnen. Wir gehen davon aus, dass die anfängliche Verunsicherung bei Betrieben und Bewerbern sowie die durch den Wegfall von Schulpraktika und Berufsmessen erschwerte Kontaktaufnahme den Abschluss von Lehrverträgen nur verzögert hat und dass in den kommenden Wochen noch einiges aufgeholt werden kann. Schließlich ist ein Start in die Ausbildung auch nach dem ersten September noch möglich“, sagt Handwerkskammerpräsident Werner Rottler.

Allein in der Online-Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Konstanz sind kammerweit rund 350 offene Lehrstellen für das Ausbildungsjahr 2020 vermerkt. Besonders häufig werden Auszubildende zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Elektroniker, Friseur, Schornsteinfeger oder Kraftfahrzeugmechatroniker gesucht. Doch auch in den Bau- und Ausbauberufen sowie im Lebensmittelhandwerk sind noch zahlreiche Ausbildungsplätze frei.

Bei den neu abgeschlossenen Lehrverträgen verzeichnet das Handwerk in den Landkreisen Konstanz (-3,7%), Schwarzwald-Baar (-5,7%) und Waldshut (-6,5%) relativ moderate Rückgänge. Deutlicher fällt das Minus in den Landkreisen Rottweil (- 11,0%) und Tuttlingen (-14,2%) aus. „Hier muss es uns gelingen, uns im Wettbewerb um Nachwuchstalente noch stärker zu positionieren und klar zu machen, welche Vorteile eine Ausbildung in einem so stabilen Wirtschaftszweig wie dem Handwerk hat“, so Rottler.

Ein Blick auf die Berufsgruppen zeigt ein Plus von 0,5 Prozent in den Bau- und Ausbauberufen. Hier sorgen vor allem die Zahlen der angehenden Maurer, Zimmerer und Stuckateure für Stabilität. Rund 3 Prozent konnten auch die kaufmännischen Berufe hinzugewinnen. Im Minus liegen dagegen die Berufsgruppen Elektro/Metall mit 8,6 Prozent und Holz mit 7,9 Prozent.

Im Lebensmittelhandwerk ist die Zahl der neuen Auszubildenden erneut rückläufig (-11,3 Prozent), beispielsweise werden nur halb so viele Bäcker ausgebildet wie im Vorjahr. Auch in der Berufsgruppe Gesundheit und Chemie ist ein deutlicher Rückgang zu spüren (-13 Prozent). In der großen Berufsgruppe der Friseurinnen und Friseure wurden um ein Viertel weniger Neuzugänge verzeichnet. „Diese Entwicklung ist vermutlich den zeitweiligen Betriebsschließungen geschuldet. Schließlich gehört das Friseurhandwerk seit Jahren in die Top Ten der beliebtesten Ausbildungsberufe“, sagt Rottler. Es sei zu hoffen, dass die Ausbildungsprämie hier für zusätzliche Anreize sorge.

Die Ausbildungsprämie kann seit Anfang August beantragt werden und soll Betriebe, die wegen Corona Kurzarbeit anmelden mussten oder Umsatzeinbußen von mindestens 60 Prozent verkraften mussten, in ihrem Ausbildungsengagement unterstützen. Dies haben bislang nur 40 Betriebe im Kammerbezirk Konstanz in Anspruch genommen. „Das könnte ein Indiz dafür sein, dass die Voraussetzungen für die Prämie schlicht zu hoch sind und damit auch die gewünschte Wirkung ausbleibt“ so Rottler. Damit habe man unter Umständen eine große Chance verspielt: „Selbst, wenn die meisten Betriebe die Ausbildung aus eigener Kraft stemmen können: Sie ist in diesen Zeiten eine wirklich große Aufgabe. Das hätte Anerkennung verdient.“

Weitere Informationen zur Ausbildung im Handwerk gibt es unter www.hwk-konstanz.de/ausbildung.