Der beste Elektrotechnikmeister: Eike Francksen.
Oliver Hanser

Eike Francksen

Bester Elektrotechnikermeister 2020

Elektrotechnikermeister Eike Francksen, 33 Jahre, aus Seitingen-Oberflacht (Landkreis Tuttlingen) gab sein Studium auf, kam als Quereinsteiger ins Handwerk und kann diesen Weg nur jedem empfehlen.

Der Weg

„Ich kam als Quereinsteiger ins Handwerk. Ich habe während meines Studiums der Agrarwissenschaften in Stuttgart meine Frau kennengelernt. Ihr Vater hat ein Elektrotechnik-Geschäft in Tuttlingen – nur leider keinen Nachfolger. So kam eins zum anderen, und ich habe eine Lehre zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik gemacht. Direkt im Anschluss kam dann der Meisterkurs in Singen mit anschließender Meisterprüfung.

Den Meisterbrief brauche ich, um das Elektrotechnik-Geschäft meines Schwiegervaters in Tuttlingen zu übernehmen. Denn als zulassungspflichtiges Handwerk ist der Meistertitel die Grundvoraussetzung, um sich selbstständig zu machen. Bei uns Elektronikern kommt der sogenannte ‚Sicherheitsschein‘ noch hinzu, den man für die Eintragung in das Installateurverzeichnis des Versorgungsnetzbetreibers benötigt.

Mit um die zehn Mitarbeiter und Kunden von Industrie über Gewerbe bis hin zu öffentlichen Auftraggebern ist die Aufgabe sicherlich anspruchsvoll. Aber ich habe, salopp gesagt, schon richtig ‚Bock‘ loszulegen. Und am 1. Januar 2021 ist es auch soweit.

Obwohl ich nie darüber nachgedacht hatte, ins Handwerk zu gehen, war es im Nachhinein genau die richtige Entscheidung. Die Arbeit macht mir sehr viel Spaß und gerade die Abwechslung – Baustelle, Büro, Werkstatt – ist im wahrsten Sinne spannend.

Vor dem Hintergrund meiner beruflichen Laufbahn mit Abitur und Studium mit anschließender Karriere im Handwerk kann ich jedem, der in Richtung einer akademischen Laufbahn strebt, nur empfehlen: Erweitert euer Blickfeld! Gerade auch im Handwerk kann man Karriere machen und sehr gutes Geld verdienen. Egal ob man sich selbstständig macht oder zum Beispiel als angestellter Meister große Projekte leitet: Die Arbeit ist da, auch in Coronazeiten. Das Geld ist auch da und wird aufgrund des Fachkräftemangels gerade bei Führungskräften in Zukunft noch mehr vorhanden sein. Und die Betriebe wollen Euch und sind, anders als große Unternehmen, sehr flexibel, um die Arbeitsbedingungen dem Einzelnen anzupassen.

Hinzu kommt die Arbeitsatmosphäre im Handwerk, die ich mal mit folgenden Worten beschreiben möchte: ‚Hart, aber herzlich.‘ Es macht mir einfach Spaß, mit der Truppe zu schaffen. Da ich ursprünglich von der Nordseeküste komme, verbinde ich mit ‚schaffen‘ weniger die Arbeit, sondern verstehe den Begriff eher im Sinne von ‚etwas erschaffen‘. Und genau das machen wir Elektroniker: Wir erschaffen Funktionen und erwecken damit ein Gebäude erst zum Leben. Es ist ein sehr befriedigendes Gefühl, am Abend heimzugehen und zu wissen bzw. zu sehen, was man geschafft oder besser erschaffen hat.“

Die Herausforderung

„Mein Meisterstück war, wie bei meinen Kollegen auch, eine Wandinstallation nach Vorgaben des Meisterprüfungsausschusses. Es war angelehnt an ein modulares Wohnkonzept aus der Schweiz, bei dem drei verschiedene ‚Raumtypen‘ erarbeitet werden sollten.

Die größte Herausforderung war sicherlich die Zeit. Einmal in der Vorbereitung auf die praktische Prüfung, da diese in die Weihnachtszeit fiel und es für mich als Familienvater nicht leicht war, die Vorbereitung auf die Prüfung auf der einen Seite und die Zeit für die Familie auf der anderen Seite unter einen Hut zu bekommen.

Und dann der Zeitdruck bei der Prüfung selbst: Die reine Installationszeit war mit 15 Stunden natürlich eng bemessen (so wie es sich für eine Meisterprüfung gehört). Aber die Tatsache, dass ein Großteil der Prüflinge die Installation nicht fertigstellen konnte, zeigt auch, dass es eine harte Nuss war, die wir zu knacken hatten.

Daneben war es sicherlich eine Herausforderung, sich im Dschungel der Vorschriften zurechtzufinden. Elektrischer Strom ist gefährlich, klar. Dementsprechend darf nicht jeder, der etwas Elektro-Halbwissen hat, eine Elektroinstallation errichten. Es muss also Vorschriften, Richtlinien und Gesetze geben, wie unsere Arbeit zu erledigen ist. Und nur derjenige, der nachweisen kann, dass er diese Vorschriften kennt oder weiß, wo er nachschauen kann, darf an der Elektroinstallation arbeiten.

Die Vorschriften sind in unserem Bereich sicherlich sehr umfangreich. Das bedeutet für uns natürlich, sowohl in der Prüfung als auch jetzt in der Praxis, immer auf dem Laufenden zu sein, sozusagen lebenslanges Lernen.

Zusammenfassend kann man über die Meisterprüfung sagen: Man sollte es nicht unterschätzen und von Anfang an Vollgas geben. Egal welchen Bildungshintergrund und egal wie viel Praxiserfahrung man hat: Es ist anspruchsvoll!

Ich bin stolz, dass wir – meine Frau und ich – die Entscheidung getroffen haben, diesen Weg zu gehen. Denn die Abkehr vom Studium und der Neustart als Elektroniker war sicherlich keine einfache Entscheidung und stellte natürlich auch ein gewisses Risiko dar: Gefällt mir die Arbeit? Sind wir der Aufgabe gewachsen? Was ist, wenn es nicht klappt?  Meine Frau hat mich hierbei immer unterstützt – dafür bin ich sehr dankbar.

Ich bin aber auch stolz auf meine Leistung, gerade im praktischen Bereich. Um die Theorie habe ich mir verständlicherweise nicht so sehr Sorgen gemacht. Das bezieht sich nicht nur auf die Meisterprüfung, sondern vor allem auch auf die Lehre. Ich habe im zweiten Lehrjahr mit meiner Lehre begonnen und hatte gerade im handwerklichen Bereich eine Menge aufzuholen.

Was den Meisterkurs angeht, bin ich einfach stolz auf unsere Truppe. Die Zeit war sehr intensiv und wir haben gerade am Anfang viel Spaß gehabt. Gegen Ende war der Spaß zwar nicht vorbei, aber mit der näher rückenden Meisterprüfung stieg natürlich die Anspannung und der Arbeitsaufwand. Diese Zeit hat uns alle zusammengeschweißt und war sicherlich prägend. Bei dieser Gelegenheit möchte ich, stellvertretend für den ganzen Vollzeitkurs, den Kollegen aus dem Teilzeitkurs ein Kompliment aussprechen: Zwei Jahre Meisterkurs plus Vollzeitarbeit plus Privatleben – da braucht es Durchhaltevermögen!“

Das Ziel

„Für mich heißt es ‚Man muss das Rad nicht neu erfinden‘ versus ‚Neue Besen kehren besser‘. Ich habe das große Glück, dass ich einen gut laufenden, etablierten Betrieb übernehmen kann. Das heißt, dass in der Vergangenheit gute Entscheidungen getroffen worden sind. Sonst stünden wir nicht dort, wo wir jetzt stehen.

Auf der anderen Seite habe ich auch den Wunsch, etwas zu verändern, das Unternehmen mit neuen Ideen ins 21. Jahrhundert zu führen. Gerade das Thema Digitalisierung ist mir hier wichtig. Das betrifft das Büro genauso wie die Baustelle und umfasst Bereiche wie Kommunikation genauso wie das Datenmanagement.

In eine ähnliche Richtung geht auch das Thema neue Arbeitstechniken. Auf der Baustelle fällt mir immer wieder auf, wie wichtig gutes Werkzeug, gute Maschinen und gutes Material sind. Auch hier sehe ich Potential. Denn neue Technik ist zwar teuer, aber die Zeitersparnis ist teilweise enorm und die Qualität erhöht sich ebenfalls.

Ein anderer großer Punkt, der mir sehr am Herzen liegt, ist die Fachkräftesicherung durch Ausbildung. Ich möchte mich verstärkt der Ausbildung widmen und für unsere Lehrlinge Mehrwerte bilden. Das fängt an mit gerechter Entlohnung und geht weiter mit Anerkennung und Vertrauen. Eine weitere Idee ist eine Art innerbetrieblicher Unterricht für die Lehrlinge mit meiner Meisterwand als Übungsobjekt.“