Die häufigsten Fragen

Alles was Sie über öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige wissen müssen

Aus unserer Beratungstätigkeit wissen wir, dass sowohl Handwerksbetriebe, deren Kunden als auch Sachverständige häufig bestimmte Fragen haben.

Jede Person hat die Möglichkeit, einen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen mit der Beantwortung einer Fachfrage zu beauftragen. Dabei handelt es sich um ein sog. Privatgutachten. Ein Gerichtsgutachten hingegen wird ausschließlich vom Gericht in einem Rechtsstreit in Auftrag gegeben.

In den meisten Fällen ist ein gemeinsames, klärendes Gespräch die beste und kostengünstigste Lösung. Lässt sich keine Einigung erzielen, empfiehlt es sich aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Fallkonstellationen und Kostenpunkte zunächst immer, rechtlichen Rat einzuholen und dann über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Als Verbraucher berät Sie die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg . Handelt es sich beim Vertragspartner um einen Mitgliedsbetrieb der Handwerkskammer Konstanz oder sind Sie selbst Mitglied bei uns, hilft Ihnen unser Referent im Zivilrecht und Leiter der Vermittlungsstelle Joachim Vojta weiter.

Grundsätzlich kann die Beauftragung eines Privatgutachtens in folgenden Fällen hilfreich und sinnvoll sein:

  • Außergerichtlich für den Fall, dass beide Seiten das Ergebnis des Gutachtens anerkennen und auf weiteren Streit verzichten. Ein gemeinsam bestimmter Schiedsgutachter kann einen verbindlichen Schiedsspruch (sog. Schiedsgutachten) aussprechen. Über die genannten Punkte sowie die Tragung der entstehenden Kosten sollte unbedingt eine schriftliche Vereinbarung erfolgen.

  • Im gerichtlichen Verfahren hilft ein Privatgutachten regelmäßig dem Rechtsanwalt bei der Vorbereitung des Parteivortrags. Für den Fall eines ungünstigen Ergebnisses des Gerichtsgutachtens kann ein Privatgutachten sinnvoll sein, um das Gerichtsgutachten anzugreifen. Nach der Rechtsprechung muss ein eingebrachtes Privatgutachten vom Gericht erkennbar verarbeitet werden und kann Anlass zu weiterer Beweiserhebung geben.

Ein Gutachter kann unter anderem die Qualität der Arbeit oder einen Schaden beurteilen, eine Rechnung prüfen oder auch die Mangelhaftigkeit einer Sache feststellen. Er kann aber nur eine fachspezifische Fragestellung klären. Ein Sachverständiger ist kein Jurist und kein Richter, der die Streitigkeit als solche beilegen könnte.

Jeder Sachverständige ist Spezialist in einem bestimmten Gewerk. In der Regel ist die Zuordnung eindeutig. In manchen Fällen kommen jedoch auch mehrere Gewerke in Frage.

Eine kleine Übersicht:

Schimmel
Maler- und Stuckateurhandwerk, je nach Schadensart auch Zimmermann, Maurer oder Raumausstatter

Solarthermie
Installateur- und Heizungsbauer

Photovoltaik
Elektrotechniker

Fenster
Glaser oder Schreiner

Dach
Dachdecker, Zimmerer oder Blechner

Radio, Fernseher oder Computer
Informationstechniker (Zu finden in der bundesweiten Sachverständigendatenbank)



Sind Sie sich wegen des Gewerks dennoch unsicher, hilft Ihnen Waltraud Tripolt weiter.

Sollte dies der Fall sein, etwa bei der Beurteilung von Baumängeln, besteht die Möglichkeit sich verschiedener Sachverständiger zu bedienen - dies kann unter Umständen aber sehr aufwendig werden. Zu diesem Zweck wurde unter Beteiligung der Handwerkskammer Konstanz die Sachverständigenkooperation gegründet. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss mehrerer Sachverständiger, um das Fachwissen und die Erfahrungen der verschiedenen Bereiche in einem Gutachten zu bündeln.

Der Begriff des öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen gewährt ein hohes Maß an fachlicher Kompetenz. Ein Sachverständiger, der diesen Titel trägt, wurde von einer öffentlich-rechtlichen Institution aufgrund einer Verordnung bestellt und darauf vereidigt, die Aufgaben unabhängig, weisungsfrei, persönlich, gewissenhaft und unparteiisch zu erfüllen. Die Handwerkskammer Konstanz hat keinen Einfluss auf die Erstellung des Gutachtens oder dessen Ergebnis. Besteht der Verdacht der Parteilichkeit, sollte in jedem Fall die Handwerkskammer Konstanz informiert werden, um den Sachverhalt zu prüfen. Bei Verletzung der genannten Pflichten oder aus anderem wichtigen Grund kann die Handwerkskammer die öffentliche Bestellung widerrufen oder zurücknehmen.

Ein Sachverständiger, der von Ihnen beauftragt wurde, hat zunächst einmal mit Ihnen einen Vertrag geschlossen. Daher sind Sie verpflichtet, Ihrer Gegenleistung - der Bezahlung des Sachverständigen - nachzukommen. Sie haben die Möglichkeit, mit der Gegenseite zuvor zu vereinbaren, dass der Unterlegene das Gutachten bezahlt (sogenannter Schiedsvertrag). Ist die Gegenseite dazu nicht bereit, müssten Sie das Geld gegebenenfalls als Schadenersatz einklagen. Die Frage der Erstattungsfähigkeit der Gutachterkosten ist aber eine Rechtsfrage und hängt vom Einzelfall ab. Gehen Sie im Zweifel davon aus, dass Sie die Kosten des Privatgutachtens - auch bei erfolgreicher Durchführung eines Prozesses - selbst begleichen müssen. Deshalb ist es ratsam, sich vor Beauftragung beim Sachverständigen über die voraussichtlichen Kosten zu informieren.

Ein Privatgutachten zählt vor Gericht als Parteivortrag. Es ist kein Beweismittel im Sinne der Zivilprozessordnung. Wird das Privatgutachten bestritten - und dies wird in der Regel der Fall sein - ist der Richter verpflichtet Beweis zu erheben. Dies geschieht dann oftmals durch die Einholung eines gerichtlichen Gutachtens. Kommt das Gerichtsgutachten zu einem anderen Ergebnis als das Privatgutachten, hat sich der Richter eingehend mit den Ergebnissen auseinander zu setzen und den Gutachter um eine Ergänzung zu bitten oder unter Vorhaltung des Privatgutachtens anzuhören. Im Zweifelsfall ist ein drittes Gutachten einzuholen. Die Kosten des Gerichtsgutachters trägt die unterlegene Partei. Ob die Kosten des Privatgutachtens der Gegenseite auferlegt werden können, ist eine Rechtsfrage, die im Einzelfall geklärt werden muss.

Für ein außergerichtliches Gutachten mit Beweiswert bietet sich die Möglichkeit des selbstständigen Beweisverfahrens an. Es ist dem Gerichtsverfahren vorgelagert und wird entweder zur Vorbereitung eines Gerichtsverfahrens oder zum Zwecke der außergerichtlichen Einigung umgesetzt. Der Sachverständige wird im selbstständigen Beweisverfahren von dem zuständigen Gericht bestellt. Sie sind in diesem Fall nicht Auftraggeber des Gutachtens. Nach Erhalt des Gutachtens können Sie entscheiden, ob Sie das Gerichtsverfahren einleiten oder nicht. Im Fall einer Klage wird das Gutachten als Beweismittel angesehen.

Aufgrund der zu beachtenden formellen und inhaltlichen Anforderungen empfiehlt es sich anwaltliche Beratung hinzuzuziehen.

Ein Sachverständiger ist zur Erstattung von Gutachten gegenüber Gerichten und Verwaltungsbehörden nach Maßgabe der gesetzlichen Vorschriften verpflichtet. Sonstige Aufträge dürfen aus wichtigem Grund, wie zum Beispiel Verwandtschaft mit einer Partei, auch abgelehnt werden. In diesem Fall ist der Handwerkskammer Konstanz eine Kopie der Ablehnungsbegründung zuzuleiten.

Die Vergütung richtet sich bei Gerichtsgutachten nach dem Justizvergütungs- und Entschädigungsgesetz (JVEG) . Für eine genaue Zuordnung der einzelnen Handwerke wird dabei die Zuordnungsliste JVEG des Zentralverbands des Deutschen Handwerks verwendet. Zusätzlich abrechenbar sind Kosten für Reisen, Übernachtungen, Fotokopien und Ähnliches. Die Kosten des Sachverständigen sind Teil der Prozesskosten und von der unterlegenen Partei zu tragen.

Bei Privatgutachten legt der Sachverständige seine Vergütung selbst fest. Eine Gebührenordnung existiert nicht, ebenso ist er nicht an das JVEG gebunden. In der Regel hängt die Vergütung vom Sachgebiet und der Schwierigkeit des Gutachtens ab. Regelmäßig wird nach benötigter Arbeitszeit abgerechnet. Nebenkosten (Fotokopien, Reisekosten, usw.) und Mehrwertsteuer werden in der Regel gesondert berechnet. Es ist empfehlenswert, im Vorfeld eine Vergütung mit dem Auftraggeber festzulegen.

Das ist von der Schwierigkeit des Falls abhängig und kann pauschal nicht beantwortet werden. So kann die Begutachtung vor Ort bereits mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Hat der Sachverständige seine Begutachtung vor Ort abgeschlossen, müssen er diese Beobachtungen schriftlich ausarbeiten und seinem Auftraggeber übergeben. Ein Gutachten muss sorgfältig und genau erstellt werden, dies erfordert einen gewissen Zeitaufwand.

In der Regel muss ein Kunde oder ein Gericht mit mehreren Wochen bis Monaten Zeitaufwand rechnen, wobei bereits einkalkuliert ist, dass Sachverständige die Gutachten neben ihrem eigentlichen Beruf erstellen und zeitlich daher eingeschränkt sind.

Interessierte müssen abwägen, ob sie sich neben ihrem Beruf genügend freie Zeit schaffen können, um dieser Verantwortung gerecht zu werden.

Auf ein Gutachten verlassen sich sowohl Auftraggeber, dessen Vertragspartner als auch gegebenenfalls das Gericht. Alle öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen genießen eine erhöhte Glaubwürdigkeit. Das Gutachten muss daher höchsten Anforderungen genügen und fachmännisch, folgerichtig als auch vollständig sein.

Der Sachverständige muss das Gutachten persönlich erarbeiten. Die Tatsachen auf die er sich stützt, muss er selbst ermittelt haben, zum Beispiel mit Untersuchungen, Besichtigungen oder Einsichtnahme in Unterlagen. Die Einhaltung der erforderlichen Sorgfalt ist dabei von großer Bedeutung, denn für das Ergebnis des Gutachtens ist der Sachverständige haftbar.

Für das Ergebnis eines Gutachtens ist der Sachverständige haftbar. Das bedeutet, dass bei der Erstellung eines fehlerhaften Gutachtens unter Umständen eine Nachbesserungspflicht oder sogar der Einbehalt eines Teils der Vergütung die Folge sein kann. Zudem haftet der Sachverständige nicht nur für den unmittelbaren Schaden, sondern auch für alle Folgeschäden, die aus der Verwendung des Gutachtens entstehen.

Der Abschluss einer Haftpflichtversicherung für Schäden aus der Sachverständigentätigkeit ist daher nach der Sachverständigenordnung vorgeschrieben und dringend notwendig. Privatvertraglich kann die Haftung für leichte Fahrlässigkeit ausgeschlossen werden. Bei Gerichtsgutachten gilt das Haftungsprivileg des Paragraf 839a BGB, wonach gesetzlich nur für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit zu haften ist.

Ein angehender Sachverständiger ist verpflichtet, an einem Grundlagenseminar teilzunehmen, das die rechtlichen Grundkenntnisse der Sachverständigentätigkeit vermittelt. Je nach Veranstaltungsort entstehen Kosten von rund 300 Euro.

Die Handwerkskammer Konstanz leitet das Bewerbungsverfahren und erhebt hierfür eine Verwaltungsgebühr von 200 Euro gemäß der geltenden Gebührenordnung. Die Kosten einer Wiedervereidigung nach fünf Jahren betragen 100 Euro.

Für die Abnahme der Sachkundeprüfung ist der zuständige Fachverband verantwortlich. Die Kosten der Prüfung sind unterschiedlich und können nicht pauschal benannt werden. Auskunft gibt der zuständige Fachverband.

Die Vereidigung ist zeitlich begrenzt auf längstens fünf Jahre. Sachverständige haben die Möglichkeit rechtzeitig eine Wiederbestellung zu beantragen. Eine Altersgrenze zur Ausübung des Sachverständigenhandwerks besteht nicht.

Eine Verlängerung der Sachverständigentätigkeit erfolgt durch die Wiederbestellung zum öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen.

Die öffentliche Bestellung erlischt nach der Sachverständigenordnung durch Zeitablauf, Widerruf der Bestellung oder Erklärung des Sachverständigen, das Amt nicht weiter ausüben zu wollen. Auch ein Wegzug aus dem Bezirk der Handwerkskammer Konstanz oder die Löschung aus der Handwerksrolle führen zu einem Erlöschen der öffentlichen Bestellung.

Möchten Sie Ihre Sachverständigentätigkeit verlängern oder beenden: Die richtige Ansprechpartnerin dafür ist Waltraud Tripolt .