Handwerkskammerpräsident Gotthard Reiner und Daniela Schweizer, Geschäftsführerin von Beilharz Haus, vor Ort in der Produktionshalledes Vöhringer Familienunternehmens.
Handwerkskammer Konstanz
Handwerkskammerpräsident Gotthard Reiner und Daniela Schweizer, Geschäftsführerin von Beilharz Haus, vor Ort in der Produktionshalle des Vöhringer Familienunternehmens.

Baufirmen in der Warteschleife

Unternehmen beklagen lange Wartezeiten bei Baugenehmigungen

Der Bau eines Hauses ist ein Gemeinschaftsprojekt. Viele Akteure arbeiten zusammen, damit am Ende ein fertiges Objekt an seinen Besitzer übergeben werden kann; eine Arbeitskette, die vom Zimmerer über den Bodenleger bis hin zum Elektriker reicht. Kurzum: Ein Hausbau ist ein Großprojekt, das eine detaillierte Planung und Umsetzung im straffen zeitlichen Rahmen erfordert. Bauunternehmen und Handwerksbetriebe sind daher darauf angewiesen, dass die Kette nicht an einem Punkt ins Stocken gerät und somit eine zeitliche und personelle Kettenreaktion ausgelöst wird.

Ein solcher negativer Auslöser, der immer  öfter zu Verschiebungen führt, ist für Daniela Schweizer das lange Warten auf Baugenehmigungen. „Durch diese langen Laufzeiten ist es absolut nicht möglich, eine langfristige Produktionsplanung durchzuführen“, beklagt die Geschäftsführerin von Beilharz Haus in Vöhringen (Landkreis Rottweil) und spricht auch im Namen vieler anderer Bauunternehmen.

Höherer Planungsaufwand

Das Resultat ist nicht nur ein erhöhter Planungsaufwand, da andere Bauvorhaben vorgezogen werden müssen, sondern wirkt sich auch direkt auf die Angestellten aus: „Unsere Mitarbeiter sollen noch flexibler werden und müssen ja dann für das vorgezogene Projekt Überstunden machen, damit die Planung für die Produktion rechtzeitig fertig ist“, spricht Daniela Schweizer die Kettenreaktion an.

Ein Problem, das auch Kammerpräsident Gotthard Reiner sieht. Bei seinem Besuch von Beilharz Haus in Vöhringen spricht der Elektromeister aus eigener Erfahrung: „Alle Akteure sind darauf angewiesen, dass sich der Zeitplan bei Hausbauten nicht verschiebt. Dass trotz des aktuellen Baubooms im Jahr 2017 deutlich weniger Baugenehmigungen als im Vorjahr vergeben wurden, zeigt, dass es Handlungsbedarf gibt.“.

Laut Statistischem Bundesamt wurden 7,8 Prozent weniger Genehmigungen von Januar bis November 2017 erteilt als im Vorjahreszeitraum.

Verzögerung durch längere Bearbeitung

Dass längere Bearbeitungszeiten wiederum manchmal weitere Zeitverzögerungen bedingen, weiß Daniela Schweizer zu berichten: „Bei einem Projekt hat es sieben Monate gedauert, bis der Ämterdurchlauf komplett war und wir ein Schreiben erhalten haben, was wir noch nachreichen sollen. Hier war der kuriose Fall, dass die Stadt ein fehlendes Kreuzchen bei der Baulast bemängelte. Die Baulast wurde aber erst im September eingetragen und wir haben unsere Unterlagen im Mai eingereicht, es war damals also noch nicht bekannt.“.

Reiner fordert mehr Personal

Gotthard Reiner appelliert deshalb an die Politik: „Wenn der Personalstock in den Behörden nicht proportional zur Arbeit wächst, kann das zu Schwierigkeiten führen. Und das will ja niemand. Für unsere Handwerksbetriebe ist eine gute Zusammenarbeit mit den städtischen Behörden sehr wichtig.“

Schneller zur Genehmigung.

Kerstin Nickel-Spohn ist Beraterin für öffentliches Recht bei der Handwerkskammer Konstanz. Hier sind ihre vier Tipps für die Beschleunigung von Bauanträgen:

  1. Klären Sie am besten vor der Durchführung eines Bauvorhabens direkt bei der Gemeinde oder beim Landratsamt, ob das geplante Vorhaben tatsächlich genehmigungspflichtig oder eventuell auch verfahrensfrei ist..

  2. Tragen Sie zur möglichen Beschleunigung des Verfahrens bei, indem Sie bei komplizierten, durch mehrere Fachbehörden zu prüfenden Anträgen die Bauvorlagen gleich in fünf- oder sechsfacher Ausfertigung einreichen..

  3. Suchen Sie bereits im Voraus Kontakt zu Ihren betroffenen Nachbarn auf. Das Baurecht sieht die Möglichkeit vor, im Vorfeld die schriftliche Zustimmungserklärung zum Bauvorhaben einzuholen. Diese Nachbarn können später dann keine Einwände mehr gegen das Bauvorhaben erheben..

  4. Gehen Sie für eine schnellere Bearbeitung persönlich bei den Behörden vorbei, anstatt per Telefon oder E-Mail zu kommunizieren.

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