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Altersvorsorge im Handwerk: Das müssen Selbständige beachten

Sonja Zeiger-Heizmann, Arbeits- und Sozialrechtsexpertin bei der Handwerkskammer Konstanz, gibt Tipps

Frau Dr. Zeiger-Heizmann, Sie beraten selbständige Handwerker unter anderem rund um das Thema Sozialversicherung. Wann tauchen da die meisten Fragen auf?

Sonja Zeiger-Heizmann: Die erste Entscheidung steht bei der Gründung oder Übernahme eines Betriebs an. Die meisten denken da allerdings eher über die richtige Art der Krankenversicherung nach. Das Thema Altersvorsorge steht in diesem Lebensabschnitt offensichtlich noch nicht im Fokus. Das ändert sich dann bei den Über-50-Jährigen. Die machen sich konkretere Gedanken und stoßen dann manchmal auch auf Versorgungslücken. Gerade in nicht-versicherungspflichtigen Gewerken ist die Verlockung groß, aus der gesetzlichen Rente auszusteigen, um Kosten zu sparen. Wir fragen dann immer nach dem alternativen Plan. Nichtstun in Sachen Rente ist nämlich die schlechteste aller Varianten. Die Vogel-Strauß-Taktik führt direkt in die Altersarmut – spätestens, wenn einer minimalen Rente enorme Kosten für die private Krankenversicherung gegenüberstehen.

Nach 18 Jahren Beitragszeit können sich Selbständige von der Pflichtversicherung befreien lassen. Wann raten Sie da eher ab, wann zu?

Vor dem Hintergrund, dass aktuell die Verzinsung für alternative Absicherungen gegen Null läuft, kann es durchaus sinnvoll sein, die gesetzliche Rentenversicherung freiwillig fortzuführen. Aber klar ist auch, dass ein Standbein nicht ausreicht. Ähnlich wie Arbeitnehmern raten wir deshalb auch Selbständigen zu einem Drei-Säulen-Modell, also beispielsweise einer freiwilligen Rentenversicherung, dann vielleicht „Betongold“, was ja im Handwerk oft naheliegend ist, und zusätzlich noch weiteren Formen der privaten Vermögensbildung. Da sollte man sich aber auf alle Fälle mehrere Angebote einholen und genau vergleichen.

In Vorsorgeplänen etlicher Selbständigen dürfte der Verkaufswert des eigenen Betriebs eine große Rolle spielen. Ist das nicht eine Rechnung mit einer großen Unbekannten?

Allerdings. Schließlich kann keiner 30 Jahre vorausschauen. Der Markt kann sich genauso schnell ändern wie die strukturellen Rahmenbedingungen etwa in Bezug auf Fachkräfte. Dazu kommt, dass ein Handwerksunternehmer den Wert seines Betriebs meist höher einschätzt als dann realisiert werden kann. Das hängt damit zusammen, dass inhabergeführte Betriebe meist sehr stark auf den Chef zugeschnitten sind. Er hat das meiste Knowhow, die Kontakte zu Kunden und Lieferanten laufen über ihn, die Mitarbeiter sind auf ihn eingeschworen. Das ist das eigentliche Kapital einer Firma. Umso wichtiger ist es übrigens, dass man sich als Unternehmer auch für den eigenen Ausfall absichert – und das über die Erwerbsminderungsrente hinaus.

Das Thema Altersvorsorge ist für Selbständige also ein Dauerbrenner?

Ja, und das ist mit der größte Unterschied zu Arbeitnehmern, bei denen der Weg zur Rente bis auf die Frage der privaten Zusatzversorgung doch weitgehend vorgezeichnet ist. Selbständige müssen sich immer wieder mit diesem Thema auseinandersetzen und gegebenenfalls nachsteuern. Spätestens mit Mitte 40 sollte man sich also seinen Versicherungsverlauf mit einem Berater der Deutschen Rentenversicherung anschauen und sich vielleicht auch mit einem unabhängigen Versicherungsberater den richtigen Mix zusätzlicher Angebote zusammenstellen. Und man sollte unbedingt auch an den Rest der Familie denken: Wenn der Partner oder die Partnerin beispielsweise auf 450-Euro-Basis im Betrieb mitarbeitet und keine eigenen Rentenansprüche erwirbt, ist das nicht nur im Fall einer Trennung problematisch, sondern fehlt später eben auch im Familieneinkommen. Beim Thema Altersvorsorge spielt eben die gesamte Lebensplanung mit rein.

Wäre da die gesetzliche Rentenversicherungspflicht für alle nicht eine ziemliche Entlastung?

Das kann man durchaus so sehen – und zwar nicht nur in Hinsicht auf das Rentenniveau insgesamt. Aus den Beratungen zumindest weiß ich, dass man manch einen auch ein bisschen vor sich selbst schützen muss. Denn die Lücken in der Absicherung zu füllen, wird angesichts der Schnelllebigkeit der heutigen Wirtschaft immer schwieriger.

Dr. jur. Sonja Zeiger-Heizmann

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