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Handwerkskammer Konstanz

Alternative Handwerk

Zahl der Betriebe im Kammerbezirk Konstanz erreicht Höchststand

Mitten in der Corona-Krise setzen nach wie vor viele Gründer und Übernehmer auf das Handwerk. Bei der Handwerkskammer Konstanz erreichte die Zahl der Mitgliedsbetriebe Ende 2020 mit 12.568 Betrieben sogar einen neuen Höchststand. Die Zahl der neu eingetragenen Betriebe ist leicht gestiegen, die Zahl der Löschungen stark zurückgegangen. Daraus ergibt sich ein Plus von fast zwei Prozent, während der Anstieg 2019 nur bei rund 0,5 Prozent lag.

Mehr Gründer im zulassungsfreien Bereich

Größere Zuwächse gab es allerdings vor allem in Gewerben, die keinen speziellen Qualifikationsnachweis erfordern und zumindest im ersten Schritt auch gut nebenerwerblich ausgeübt werden können. Bei Fotografen und Gebäudereinigern beispielsweise stieg die Zahl der neu eingetragenen Betriebe im Vergleich zum Vorjahr nochmals deutlich an. „Das Handwerk wird in Bereichen, in denen der Markteinstieg relativ einfach ist, zunehmend als Alternative wahrgenommen. Offensichtlich bietet eine Selbständigkeit angesichts der wirtschaftlichen Verwerfungen in Folge der Corona-Pandemie bessere Perspektiven als Tätigkeiten in anderen Wirtschaftszweigen“, sagt Joachim Kunz, Leiter des Fachbereichs Starter-Center und Standortförderung der Handwerkskammer Konstanz.

Ob dieser Effekt anhält, hängt also nicht zuletzt von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung nach Corona und ihren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt ab. Im Falle einer sich vertiefenden Rezession könnte sich die Dynamik allerdings auch wieder abschwächen: „Wer schlechtere Geschäfte erwartet, wird sein Gründungsvorhaben eher zurückstellen oder sich anderweitig orientieren“, so Kunz.  Zumindest in der akuten Krise aber habe das Handwerk seine Resilienz erneut unter Beweis gestellt.

Leichter Rückgang bei Fliesenlegern wegen Rückvermeisterung

Leichte Auswirkungen auf die Betriebszahlen hat auch die Wiedereinführung der Meisterpflicht in zwölf Gewerken, die seit 2004 davon ausgenommen waren. Ihre größte Gruppe, die Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, hatte 2019 noch einmal deutlich zugelegt. Im letzten Jahr sank die Zahl der Betriebe trotz zunächst geltender Übergangsregelung bereits leicht auf 638.

Dieser Trend wird sich nach Einschätzung des Experten in den kommenden Jahren noch deutlich verstärken und in den betroffenen Gewerken zu einer Konzentration auf weniger, aber größere Betriebe führen. Der Grund: Die zahlreichen Solo-Selbständigen in diesen Gewerken werden kaum Nachfolger finden – schließlich müssen dazu erst wieder mehr Gesellen und dann auch Meister ausgebildet werden. „Hier zeigt sich deutlich, was man durch den jahrelangen Wegfall der Meisterpflicht verloren hat. Es wird dauern, bis diese Schieflage ausgeglichen ist. Dann aber stehen die Betriebe hoffentlich wieder auf einem soliden Fundament“, sagt Kunz.

Dafür sprechen auch die weitgehend stabilen Zahlen der übrigen Meisterbetriebe: Mit 1.065 Betrieben und damit vier mehr als im Vorjahr führt das Friseurhandwerk nach wie vor die Top Ten im Bezirk der Handwerkskammer Konstanz an, gefolgt von 772 Kfz-Werkstätten (-1) und 665 Elektro-Unternehmen (+19).

Auch seltene Berufe bleiben erhalten

Dass die Vielfalt des Handwerks im vergangenen Jahr nicht gelitten hat, zeigt ein Blick auf die eher kleinen Berufsgruppen: Demnach ist keines der insgesamt 126 aktiven Handwerke und Gewerbe verloren gegangen. Auch nach Corona werden Handwerkerinnen und Handwerker also als Modisten und Segelmacher, Weinküfer und Vergolder, Buchbinder und Holzblasinstrumentenmacher und in vielen weiteren Berufen am Werk sein und mit ihrem Wissen und Können das Leben in der Region bereichern.

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