
Für das Handwerk im Bezirk der Handwerkskammer Konstanz ist die aktuelle wirtschaftliche Lage geprägt von Stagnation. „Die Frühjahrsbelebung bleibt in diesem Jahr aus. Damit ist die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe weiter angespannt“, bewertet Werner Rottler, Präsident der Handwerkskammer Konstanz, das Ergebnis der Konjunkturumfrage bei den Mitgliedsbetrieben in den Landkreisen Konstanz, Schwarzwald-Baar, Waldshut, Rottweil und Tuttlingen für das zweite Quartal 2026. „Unser Handwerk spürt nach einem sehr schwachen ersten Quartal nur eine enttäuschend geringe Verbesserung der Geschäftslage“, sagt Rottler.
Betriebe erwarten keine Verbesserung
Konkrete Maßnahmen, von denen einige im Reformpaket der Bundesregierung angegangen würden, seien dringend notwendig, um das Vertrauen in Regierung und Wirtschaftskraft des Landes wiederherzustellen, so Rottler. „Wir befinden uns seit drei Quartalen auf einem sehr niedrigen Niveau. Zuletzt war die Situation 2020 so schlecht, zur Hochzeit der Corona-Pandemie.“ Vor dem Hintergrund des Iran-Krieges beträgt die Beurteilung der Geschäftslage im Saldo derzeit +22 Punkte, im Vorjahresquartal waren es +59 Punkte. Der Optimismus für die kommenden Monate ist mit 0 Punkten für die Geschäftserwartungen verpufft (Vorjahr: +16 Punkte).
Wenig Aufträge, hohe Kosten, zu viel Bürokratie
Durch die anhaltend schwächelnde Konjunktur kämpft das Handwerk mit fehlenden Aufträgen, hohen Arbeitskosten und Bürokratie. Deutlich verschlechtert gegenüber dem Vorjahr hat sich dadurch die Einschätzung der Geschäftslage. Von einer „guten“ Geschäftslage berichteten 43 Prozent (Q2/25: 62 Prozent) der Betriebe und 21 Prozent (Q2/25: 3 Prozent) bewerteten die Lage als „schlecht“.
Die Auftragslage hat sich gegenüber dem Vorjahr deutlich verschlechtert: 21 Prozent berichten von gestiegenen Aufträgen, 36 Prozent von gesunkenen. Hieraus ergibt sich ein negativer Auftragssaldo von ‑15 Punkten (Q2/25: +11 Punkte). Der Anteil schwach ausgelasteter Betriebe, die maximal nur zu 60 Prozent ausgelastet sind, stieg im Jahresvergleich von 7 Prozent (Q2/25) auf 23 Prozent.
„Die Margen werden immer kleiner“
Die in der Folge des Iran-Kriegs gestiegenen Preise für Energie und Material belasten auch die Handwerksbetriebe im Kammerbezirk: 71 Prozent melden steigende Einkaufspreise – nur 31 Prozent konnten die Kosten durch angehobene Verkaufspreise weitergeben. „Die Margen werden immer kleiner, die Liquiditätspolster schmelzen dahin. Der Druck auf die Betriebe nimmt weiter zu und trotz aller Bemühungen werden nicht alle ihm standhalten können“, befürchtet Kammerpräsident Rottler.
Laut ifo-Institut sieht sich jedes zwölfte Unternehmen in Deutschland in seiner Existenz bedroht und für fast 78 Prozent der Firmen ist es schwer, ihre zukünftige Geschäftsentwicklung einzuschätzen. In dieser angespannten Lage halten sich auch die Handwerksbetriebe im Bezirk der Handwerkskammer Konstanz bei Neueinstellungen und Investitionsvorhaben zurück. Jeder zehnte Betrieb plant, Personal zu reduzieren und sogar fast jeder dritte beabsichtigt Investitionen zu kürzen.
Weitere Informationen
Ausführlicher Konjunkturbericht für das 2. Quartal 2026