Übernahme Mit 26 zum eigenen Bestattungshaus

PRESSE. Ina Fitzner hat das Bestattungshaus Hafa in Rottweil vor drei Jahren übernommen. Mittlerweile hat sie weitere Filialen eröffnet.

Eine blonde, junge Frau steht mit einer Weißen Urne in der Hand neben einer Holzsteele in einem hellen Raum und schaut freundlich in die Kamera.
HWK KN / Stefanie Siegmeier. Ina Fitzner hat das Bestattungshaus Hafa vor drei Jahren übernommen und ist kürzlich in ein neues Domizil umgezogen.

„Wir haben aufregende Wochen hinter uns“, sagt Ina Fitzner, atmet tief durch und schaut sich zufrieden in den neuen Räumlichkeiten um. Erst vor vier Wochen hat das Bestattungsinstitut Hafa das Domizil im Gewerbepark Neckartal in Rottweil bezogen. Davor war es in einer historischen Villa in der Stadt untergebracht.

„Nicht optimal, da wir vor Ort keinen Abschiedsraum hatten“, erzählt sie. Die 29-Jährige hatte das Bestattungshaus, das mittlerweile vier Filialen hat, vor drei Jahren übernommen. Nicht nur die Anzahl der Filialen ist seither gewachsen, sondern auch ihr Selbstbewusstsein, wie sie erzählt.

„Das Bestattungsinstitut ist mein zweites Kind. Ich möchte nichts anderes machen. Ich habe viel Schweiß, Herzblut und Tränen in diesen Weg gesteckt, der definitiv der richtige war“, schwärmt sie.

Von der Auszubildenden zur Chefin

Schon in jungen Jahren habe sie außergewöhnliche Berufswünsche wie Pathologin, Gerichtsmedizinerin oder Bestatterin gehabt. Nach einem Ausflug in die Sozialwirtschaft machte Ina Fitzner Nägel mit Köpfen und absolvierte eine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft – im Bestattungshaus Hafa in Rottweil. Dass sie den Betrieb wenig später selbst übernehmen würde, hatte sie damals nicht geahnt.

Nach ihrer Ausbildung wechselte sie in ein Bestattungshaus in Tuttlingen. „Ich wollte einfach noch mehr Erfahrungen sammeln, schauen, wie andere den Beruf ausüben, welche Philosophien sie haben“, sagt sie. Das sei hilfreich gewesen, um den eigenen Weg zu finden. Sie durfte gleich voll einsteigen, war überwiegend auf sich gestellt. Das kam ihr sehr zugute, wie sie rückblickend sagt.

Und dann kam irgendwann der Anruf ihres Vorgängers mit der Frage, ob sie sich vorstellen könnte, das Bestattungshaus Hafa zu übernehmen – mit dem Hauptsitz in Rottweil und weiteren Standorten in Trossingen, Oberndorf und Niedereschach.

Sie wollte. Ein Traum ging in Erfüllung. Aber nicht nur einer. Denn am Tag der Übernahme am 1. Mai 2023 erfuhr Ina Fitzner auch, dass sie schwanger ist. „Das hat meine Welt erst mal zusammengewürfelt“, gibt sie zu.

Steuerexperte unterstützt bei rechtlichen Hürden

Ina Fitzner hat die Übernahme Schritt für Schritt durchgezogen. „Ich habe mir einen Anwalt für Steuerrecht in Stuttgart gesucht und dann ging es los“, sagt sie rückblickend. Dass die Übernahme so viel Detailarbeit bedeuten würde, wenn sie die Rechtsform von einer GmbH in ein Einzelunternehmen ändert, hätte sie nicht gedacht. Es dauerte eine ganze Weile, bis die Verträge für beide Seiten gepasst haben. „Es ist sehr empfehlenswert, sich einen Experten zu suchen“, rät sie.

Bis wirklich jeder Briefkopf, jede Drucksache und jeder Vertrag mit den unzähligen Gemeinden und Friedhöfen geändert war, sei es viel Arbeit gewesen. „Aber es hat sich absolut gelohnt“, sagt sie.

Mittlerweile hat sie in Villingen-Schwenningen eine weitere Filiale eröffnet. „Wir wollen es probieren, da wir dort ohnehin viel mit dem Klinikum zu tun haben. Und es ist besser, wenn man vor Ort ist und Trauernde nicht weit fahren müssen“, weiß sie.

Junge Unternehmerin mit klarem Kurs

Veränderungen machen der jungen Unternehmerin keine Angst, im Gegenteil. „Im Bestattungswesen wird sich die nächsten Jahre so viel ändern, da werden wir immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt“, vermutet sie mit Blick auf die steigende Anzahl an Naturbestattungen statt normaler Beerdigungen und den Friedhofszwang.

„Man muss bei den Trends immer vorne mit dabei sein“, weiß sie. Die Deko bei Trauerfeiern, die immer mehr zu Lebensfeiern werden, ist ihr ganz wichtig. Den Tennisschläger, die liebsten Wanderschuhe, Kuscheltiere oder die Angel mit einzubeziehen, ist ihr ein Herzensanliegen. „Man muss die Leute in ihrer schwersten Zeit gut betreuen“, sagt Ina Fitzner.

Und wie wird man als junge Bestatterin wahrgenommen? „Na ja, anfangs stand ich mir wegen meines Alters manchmal selbst im Weg, aber das gibt sich“, sagt sie lächelnd. Für ihre Professionalität und gute Beratung werde sie sehr geschätzt, auch wenn mancher Blick anfangs skeptisch sei.

Das macht Ina Fitzner nichts aus, denn sie verfolgt geradlinig ihr Ziel. Auch die pinkfarbenen Kugelschreiber und die Notizblöcke mit roséfarbenen Blumen für die Trauerfamilien hat sie bewusst ausgesucht. „Da hat sich sogar der Vertreter gewundert“, sagt sie. Bei den Kunden kommen die Sachen bestens an.

„Klar zur Übernahme“

In der Serie „Klar zur Übernahme“ stellt die Redaktion Handwerkerinnen und Handwerker vor, die erfolgreich einen Betrieb übernommen haben. Sie zeigt verschiedene Wege zum eigenen Betrieb auf und informiert über Chancen und Herausforderungen.

Serie „Klar zur Übernahme“

Die Serie begleitet das vom Land geförderte Projekt „Next Generation Handwerk“. Mehr Informationen dazu unter:

www.hwk-konstanz.de/ngh

www.nachfolge-im-handwerk.de