Klar zur Übernahme Traum erfüllt: Mara Schamberger übernimmt Konditorei

PRESSE. Mara Schamberger übernimmt mit ihrem Partner die Konstanzer Konditorei Eugens und Maarons. Beide werden in der ersten Zeit eng von den Übergebern begleitet und profitieren von deren Erfahrung.

Konditormeisterin Mara Schramberger hinter der Theke in ihrer Konditorei. Im Vordergrund New York Rolls.
HWK KN / Petra Schlitt-Kuhnt

Das Auge isst mit. Und wenn man sich die Auslagen in der Konstanzer Konditorei Eugens und Maarons anschaut, versteht man das umso besser. Hier in der Münzgasse stehen morgens die Schüler, zählen ihr Kleingeld, um sich ein Franzbrötchen für die Schule zu kaufen. Am Nachmittag kommen die älteren Stammkunden und gönnen sich mit Törtchen, kunstvollen New York Rolls oder feinen Roulés eine Auszeit. Für Konditormeisterin Mara Schamberger ist dieser Ort mehr als ein Geschäft. Er ist die Erfüllung ihres Traums und Ergebnis einer mutigen Entscheidung.

Vom Praktikum zur Patisserie

Der Weg begann mit einem Schülerpraktikum in der Patisserie des Hotels Riva in Konstanz und öffnete der Hobbybäckerin Mara Schamberger die Tür in eine Welt, die sie sofort faszinierte. Es folgten die Ausbildung in der Sternegastronomie der Traube Tonbach, später das renommierte Hotel Adlon in Berlin. Eine Welt voller Perfektion, aber auch voller Druck. „Das war unglaublich spannend“, sagt sie rückblickend. „Aber ich habe auch extrem viel gearbeitet.“ Und irgendwann fehlte etwas: die Nähe zu Familie und Freunden. Gemeinsam mit ihrem Partner Aaron Eckenfels, der ebenfalls vom Bodensee stammt und den sie in Berlin kennengelernt hatte, zog es sie zurück in die Heimat.

Aufbruch in die Selbständigkeit

Die beiden hatten einen Plan: Selbständigkeit. Vielleicht mit einem modernen Dessertkonzept, inspiriert von Cafés aus Berlin. Dann kam die Chance früher als gedacht. Die Inhaber der Konditorei Eugens traten auf sie zu mit einer Frage, die alles veränderte: ob sie sich vorstellen könnten, in den Betrieb einzusteigen, mit der Perspektive auf eine Übernahme. „Eugen Bücheler war wichtig, dass sein Werk weitergeführt wird“, erzählt Schamberger. Sie kannte das Eugens bereits durch Ferienjobs, dennoch war die Selbständigkeit ein Sprung ins kalte Wasser.

Statt bei null anzufangen, wuchsen Mara Schamberger und Aaron Eckenfels in einen gut laufenden Betrieb hinein, mit Stammkunden, funktionierenden Abläufen und erfahrenen Vorgängern an ihrer Seite.

Ich würde immer eine Übernahme bevorzugen. Man muss nicht alles neu aufbauen. Vieles ist schon da und man kann trotzdem seine eigenen Ideen einbringen.

Mara Schramberger, Konditormeisterin

Das taten sie: weniger Zucker, neue Produkte, eine bewusst reduzierte Auswahl. Nicht jede Veränderung wurde sofort von allen Kunden begrüßt. Manche vermissten plötzlich ihr Lieblingsgebäck. „Uns war aber wichtig, dass wir unser eigenes Konzept entwickeln können, so, wie es für uns machbar ist“, erklärt die junge Konditorin.

Sanfte Übergabe

Ganz ohne Hürden ging es nicht. Während der Übernahme bereitete sich Mara Schamberger parallel auf die Meisterprüfung vor, eine enorme Doppelbelastung. Auch Themen wie Buchhaltung, Steuern und Organisation kamen hinzu. „Eigentlich ist es gar nicht so schwierig, weil ja vieles über Datev online läuft“, erläutert sie. Außerdem unterstütze das Steuerbüro. Was sie unterschätzt hatte, waren die Herausforderungen im Personalbereich. „Wenn Menschen zusammenarbeiten, gibt es immer
Themen. Mir ist wichtig, dass alle Spaß bei der Arbeit haben. Ich denke, wir haben ein gutes Klima bei uns.“

Ein entscheidender Faktor war für die Übernehmer die Art der Übergabe. Schritt für Schritt wuchsen die beiden in ihre neue Rolle hinein, arbeiteten zunächst eng mit den bisherigen Inhabern zusammen. „Eugen und seine Frau haben uns ganz viel unterstützt. Auch über die Handwerkskammer haben wir wichtige Informationen erhalten, zum Beispiel, wie wir den Businessplan aufstellen oder die Übergabe regeln sollen. Wir haben vieles schon im GmbH-Vertrag gut geregelt“, erklärt Mara Schamberger. Die Zusammenarbeit sei geprägt von Offenheit und gegenseitigem Respekt. Ideen konnten diskutiert, Veränderungen gemeinsam
getragen werden.

Bereut hat Mara Schamberger den Schritt in die Selbständigkeit nie. „Nach der Zeit in der gehobenen Gastronomie bin ich froh, selbstständig zu sein. Ich arbeite auch jetzt viel, aber ich weiß, wofür. Und ich kann viel mehr selbst entscheiden.“ Diese Freiheit ist für sie heute unbezahlbar.

Übernehmen statt neu gründen

Wenn sie anderen Handwerkerinnen und Handwerkern einen Rat geben müsste? „Schaut euch die Zahlen des bestehenden Betriebs genau an. Und holt euch Unterstützung.“ Sie rät, die Reihenfolge der Schritte im Blick zu behalten. Sie selbst konnte die Meistergründungsprämie nicht nutzen, da sie über eine Ausnahmebewilligung schon vor der Meisterprüfung selbständig war. Außerdem hat ihr geholfen, dass sie sich gemeinsam mit ihrem Partner die Verantwortung teilt: Sie kümmert sich um die süßen Kreationen und die Innenstadtfiliale, er um die herzhafte Linie und den Standort in Allmannsdorf.

Blick nach vorne

Noch sind ihre Vorgänger als Gesellschafter mit im Boot. Das wird sich Ende 2026 ändern: Dann sind Mara Schamberger und Aaron Eckenfels wirklich auf sich gestellt. Angst vor der Zukunft haben sie nicht, und ein Traum begleitet die beiden weiterhin: eine eigene Eismanufaktur mit besonderen Dessertkreationen. Doch noch hat das Heute Vorrang. „Erst muss alles stabil laufen, dann entwickeln wir weiter.“

Konditormeisterin Mara Schramberger hinter der Theke in ihrer Konditorei. In der Auslage viele kleine Törtchen und Kuchen.

Hintergrund: Klar zur Übernahme

In der Serie „Klar zur Übernahme“ stellt die Redaktion Handwerkerinnen und Handwerker vor, die einen Betrieb übernommen haben. Sie zeigt Wege zum eigenen Betrieb und informiert über Chancen und Herausforderungen. Die Serie begleitet das Landesprojekt „Next Generation Handwerk“.