
Zu einem Austausch zwischen Handwerk und Landespolitik besuchte der CDU-Landtagsabgeordnete Simon Herzog aus dem Landkreis Waldshut die Handwerkskammer Konstanz. Mit Kammerpräsident Werner Rotter und Hauptgeschäftsführer Georg Hiltner sprach er über den Vertrauensverlust in politische Entscheidungsträger sowie die Stärkung der dualen Ausbildung.
Angesichts weltweiter Krisen, steigender Sozialabgaben und spürbarer Verunsicherung in der Bevölkerung betonte Werner Rottler, dass es dringend eine Rückkehr zu verlässlicher Politik geben müsse, um die Mitte wieder zu stärken. „Nach Wahlen müssen Versprechen gehalten werden, um das Vertrauen der Menschen nicht weiter zu strapazieren“, so Rottler. Im Handwerk erwarte man von der Landes- und Bundespolitik klare, sachorientierte Signale, anstatt sich in parteipolitischen Streitereien zu verlieren.
Bürgernahe Kommunikation und konstruktive Politik
Auch Landtagsabgeordneter Herzog unterstrich die Notwendigkeit bürgernaher Kommunikation und konstruktiver Sachpolitik. Er verwies auf die Verdoppelung der Meisterprämie im Koalitionsvertrag der Landesregierung und sagte: „Auch auf Bundesebene möchte die Regierung Ergebnisse erzielen. Doch das Finden von Kompromissen gestaltet sich manchmal sehr zeitintensiv.“
Mit Blick auf die stattfindende Transformation in der Industrie wünschte sich Georg Hiltner deutlich mehr Umschulungs- und Qualifizierungsangebote. So könnten die Fachkräfte einen guten Einstieg in handwerkliche Berufe finden und sich sicher für die Zukunft aufstellen, ergänze er.
Duale Ausbildung stärken
Ein zentrales Anliegen war allen die Zukunft der dualen Ausbildung. Angesichts der Konkurrenz durch einfache Mindestlohn-Jobs müsse es gelingen, junge Menschen nachhaltig für eine qualifizierte Lehre zu begeistern. Dabei müssten Betriebe und Auszubildende stärker finanziell unterstützt werden.
Auch die Bildungsstätten im Land waren Schwerpunkt des Austauschs. „Wir haben im Land einen Investitionsstau von 300 Millionen Euro – allein bei den Bildungsstätten des Handwerks“, sagte Hiltner. Nach Fertigstellung einer landesweiten Strukturanalyse im Juli 2027 müsse intensiv diskutiert werden, wie eine flächendeckende, qualitativ hochwertige Bildungslandschaft gesichert werden kann. „Hier geht es um die nächsten Generationen“, so Hiltner. „Unser oberstes Ziel ist die Sicherung der hohen Ausbildungsqualität. Junge Menschen sind heute durchaus bereit, Wege auf sich zu nehmen, aber dafür brauchen wir bedarfsgerechte Strukturen und Übernachtungsmöglichkeiten.“
Abschließend waren sich die Teilnehmer einig, dass nur ein Schulterschluss aus Wirtschaft, Kammern und Politik den Handwerksstandort stärken und den Fachkräftenachwuchs langfristig sichern könne.