Prüfertag Wie Smartphones und KI Prüfungen verändern

PRESSE. Der klassische Spickzettel war gestern. Wie vielfältig die Täuschungsversuche in Prüfungen heutzutage sind und welche Herausforderungen moderne Technik mit sich bringt, war Thema des diesjährigen Prüfertags der Handwerkskammer Konstanz.

Expertenrunde aus drei Frauen und zwei Männern sitzt auf Podium um einen kleinen runden Tisch. Im Hintergrund sieht man einen Teil einer Power-Point-Präsentation.
HWK KN / Petra Schlitt-Kuhnt. Die Expertenrunde, bestehend aus Miriam Braun, Ines Rimmele, Katrin Meßmer von der Handwerkskammer Konstanz sowie Rechtsanwalt Holger Amann und Moderator Timon Dürr, diskutierte am Prüfertag über konkrete Täuschungsversuche aus der Praxis und den rechtsicheren Umgang damit.

Spickzettel als kleine Helferlein in einer Prüfung gab es wohl schon immer. Neu allerdings sind die vielfältigen Täuschungsmöglichkeiten, die Smartphone und KI Menschen in Prüfungssituationen heute eröffnen. Um diese Entwicklung sowie die rechtliche Einordnung und Handhabe bei Verdacht oder echtem Betrug ging es beim diesjährigen Prüfertag der Handwerkskammer Konstanz. Eingeladen waren Mitglieder von Gesellen-, Meister- und Fortbildungsprüfungsausschüssen.

Neue Betrugsmaschen im Prüfungsalltag

Bereits im Vorfeld hatten die Prüfenden in einer Umfrage geschildert, welche Betrugsversuche ihnen im Prüfungsalltag begegnet sind. Spitzenreiter war das Zweit-Smartphone, mit dem auf dem Toilettengang schnell wichtige Informationen recherchiert werden. Besonders dreist: der Fall eines Smartphones, das in einem Tabellenbuch versteckt wurde.
Verbreitet sind mittlerweile Smart-Watches oder kaum sichtbare Bluetooth-Kopfhörer, mit denen sich die Prüflinge Expertenwissen verschaffen können. Noch neu am Markt, aber auch schon im Einsatz, sind Smart Glasses, die sich optisch kaum von normalen Brillen unterscheiden, aber all das bieten, was ein Smartphone auch kann.

Auch klassische Täuschungsversuche bleiben ein Thema

Während technische Hilfsmittel immer ausgefeilter werden, bleiben auch bewährte Formen des Betrugs bestehen. Dazu zählen Ausarbeitungen, bei denen Kollegen oder Vorgesetzte wesentlich unterstützt haben, oder Meisterarbeiten, die komplett von einem fachkundigen Ghostwriter erstellt wurden. Und auch der klassische Spickzettel ist noch nicht aus der Mode gekommen.

Wir haben als Prüfende eine bestimmte Rolle und entscheiden über Schicksale. Unsere Aufgabe ist es, fehlerhaftes Verhalten klar zu dokumentieren, denn vor Gericht etwa zählen nur Beweismittel.

Holger Amann, Rechtsanwalt

Prävention vor der Prüfung

In einer von Timon Dürr moderierten Expertenrunde wurden zahlreiche Praxisfälle vorgestellt, rechtlich eingeordnet und diskutiert. Schon im Vorfeld einer Prüfung könne vieles präventiv erledigt, werden, wie Katrin Meßmer vom Bildungsmanagement der Handwerkskammer betonte: Handys einsammeln, nach Zweitgeräten fragen, Nachschlagewerke sichten, klare Toilettenregeln aufstellen, Betrugskonsequenzen klar erläutern.

Verdachtsfälle richtig dokumentieren

Kommt es dennoch zu einem Täuschungsversuch, sollten nach den Worten von Kammerjuristin Ines Rimmele mögliche Hilfsmittel umgehend eingezogen, Beweise gesichert und der Vorfall sorgfältig dokumentiert werden. Auf dieser Grundlage könne der Prüfungsausschuss anschließend über das weitere Vorgehen entscheiden. Gleichzeitig gelte es, Ruhe zu bewahren und den regulären Prüfungsablauf möglichst nicht zu beeinträchtigen. „Denn auch das könnte einem sonst auf die Füße fallen“, so Rimmele.

Letztlich laufe man den technischen Entwicklungen hinterher. „Googeln Sie mal nach Spickzetteln oder ähnlichem. Da gibt es ganze Websites mit Tipps für erfolgreiches Betrügen“, erläuterte Miriam Braun, zuständig für Gesellenprüfungen bei der Handwerkskammer Konstanz.

Beweise statt Vermutungen

Bei Arbeiten, deren Urheberschaft zweifelhaft erscheint, können ergänzende mündliche Nachfragen helfen. Doch auch hier gilt: Eine Täuschung muss nachweisbar sein, was sich in der Praxis oft als schwierig erweist. Rechtsanwalt Holger Amann machte deshalb die besondere Verantwortung der Prüfungsausschüsse deutlich: „Wir haben als Prüfende eine bestimmte Rolle und entscheiden über Schicksale. Wir sind auch keine Polizei. Unsere Aufgabe ist es, fehlerhaftes Verhalten klar zu dokumentieren, denn vor Gericht etwa zählen nur Beweismittel.“

Am Ende entscheidet der jeweilige Prüfungsausschuss über die Schwere und die Konsequenzen eines Täuschungsversuchs. Bestehen rechtliche Unsicherheiten, können sich die Ausschüsse jederzeit an die Rechtsexpertinnen und Rechtsexperten der Handwerkskammer wenden.