Klar zur Übernahme Metallbauerin übernimmt Familienbetrieb

Metallbauerin Bianca Fattler hat bei der Übernahme des Familienbetriebs alles vertraglich geregelt – auch mit Vater und Schwestern. Was sich erst komisch anfühlte, sorgte für Klarheit im Prozess.

Eine sehr junge und eine Frau mittleren Alters halten Stifte in der Hand und stehen in einer Schmiede an einem Tisch, auf dem Unterlagen ausgebreitet sind.
Kunstschmiede B&J Fattler.Frauenpower in der Schmiede: Bianca Fattler hat die Kunstschmiede von ihrem Vater übernommen. Damit ist sie Vorbild für andere Frauen im Handwerk.

Als Metallbauer-Meisterin Bianca Fattler den Familienbetrieb übernimmt, ist es für sie ein komisches
Gefühl, vertraglich festzulegen, wann ihr Vater künftig die Werkstatt betreten darf. Doch nach 17 Jahren als Geschäftsführerin würde sie es genauso wieder machen. Nicht, weil die Kunstschmiedin jemals auf die Vereinbarungen pochen musste, sondern weil ihr der rechtliche Rahmen Sicherheit für ihr Handeln gegeben hat.

Vater Manfred Fattler war im gesamten Übergabeprozess immer eine große Stütze für seine Tochter und ihren Mann Johannes, die sich heute die Geschäftsführung der Fattler Kunstschmiede in Schönwald teilen. „Mein Vater hat den Betrieb aufgebaut und ihn uns schrittweise übergeben. Er hat uns alles ermöglicht und unkompliziert mit nach Lösungen gesucht“, sagt Bianca Fattler. „Auch heute steht er noch ab und an in der Schmiede an der Esse, mit 81 Jahren.“

Veträge unter Schwestern

Vertraglich in einen sicheren Rahmen gegossen haben die Fattlers auch die Eigentumsverhältnisse mit den beiden Schwestern. „Wir haben einen guten Übergang geschafft, weil wir untereinander früh alles geregelt haben. Unser Steuerberater hat uns einen Vertrag empfohlen und gesagt: ‚Ihr müsst jetzt alles regeln, solange ihr euch gut versteht und miteinander reden könnt.‘ Da haben wir erst drüber geschmunzelt, aber dann alles festgelegt.“

Eigentlich plante keine der drei Schwestern, den Betrieb zu übernehmen. Vater Manfred stellte sich schon darauf ein. Er wollte, dass seine Töchter selbst entscheiden können. Also machte Bianca Fattler nach der Schule eine Ausbildung zur Krankenschwester. „Doch nach zwei Jahren merkte ich, dass mich Schichtdienst und Nachtwache stark belasten. Also habe ich meinen Papa gefragt, ob er mich ausbildet.“ Er willigte ein, unter der Bedingung, dass sie nach der Gesellenprüfung entscheide, ob sie den Betrieb übernehme.

Wir haben einen guten Übergang geschafft, weil wir untereinander früh alles geregelt haben.

Bianca Fattler, Metallbauer-Meisterin

In der Ausbildungszeit lernte Bianca Fattler ihren Mann Johannes, der zeitgleich seine Ausbildung zum Metallbauer machte, kennen. So fielen Betriebsübernahme, Meistertitel und Familiengründung zusammen. 2009 übernahmen sie gemeinsam die Kunstschmiede – mit zwei Meistertiteln und zwei kleinen Söhnen. Am Anfang habe es etwas geruckelt zwischen Vater und Tochter. „Wir mussten erst mal lernen, wie es richtig geht als Vater-Tochter-Team“, erinnert sich Bianca Fattler.

„Mein Vater hat länger gearbeitet, um uns einen guten Start zu ermöglichen“, erzählt die Kunstschmiedin. Lange lebten alle drei Generationen unter einem Dach, gleich neben der Schmiede. Mittlerweile sind die Söhne ausgezogen. „Wir waren nur durch das Treppenhaus getrennt und meine Mutter hat uns mit den Kindern unterstützt. Elternzeit war für uns als Selbständige nicht drin.“

Gemeinsam entscheiden

Halt und Richtung gab Bianca Fattler auch ihre Partnerschaft. „Für mich ist es wichtig, dass ich nicht alleine bin. Ich kann die Probleme und Entscheidungen mit meinem Ehemann besprechen.“ Ihre Stärken würden sich wunderbar ergänzen. Den Wechsel vom Krankenhaus in die Schmiede hat Fattler nicht bereut. „Ich bin stolz darauf, schöne Dinge mit den Händen zu schaffen. Ich liebe die Abwechslung, und dass Menschen zu uns kommen, unser Design und unsere Ideen wollen.“ Sie wünscht sich, dass mehr Frauen im Handwerk starten. „Ich kann jedem Mut machen, das auszuprobieren. Man darf immer um Hilfe bitten, wenn man an seine Grenzen stößt“, betont sie. „Es gar nicht erst zu versuchen, wäre ein großer Fehler.“

Hintergrund: Klar zur Übernahme

In der Serie „Klar zur Übernahme“ stellt die Redaktion Handwerkerinnen und Handwerker vor, die einen Betrieb übernommen haben. Sie zeigt Wege zum eigenen Betrieb und informiert über Chancen und Herausforderungen. Die Serie begleitet das Landesprojekt „Next Generation Handwerk“.

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