Sachverständigentagung 2026 Schimmelbefall sicher bewerten

PRESSE. Von Schimmel im Badezimmer bis Asbest in alten Baustoffen: Viele Gefahrstoffe bleiben im Gebäudebestand ein aktuelles Thema. Bei der Sachverständigentagung der Handwerkskammer Konstanz tauschten sich Fachleute aus der Region über Ursachenanalyse, Haftungsfragen und den richtigen Umgang mit Risiken aus.

Gruppenbild mit allen geehrten Sachverständigen, Sandra Sorg und Werner Rottler.
HWK KN / Petra Schlitt Kuhnt. Im Rahmen der Sachverständigentagung wurden langjährige Sachverständige von Kammerpräsident Werner Rottler (ganz links) und Kammer-Juristin Sandra Sorg (3. von rechts) geehrt bzw. verabschiedet.

Schimmelpilze kommen nahezu überall dort vor, wo Feuchtigkeit vorhanden ist. Problematisch wird es, wenn sie in Innenräumen auftreten und damit ein echtes Gesundheitsrisiko darstellen können. Für Sachverständige sind sowohl die Feststellung eines Befalls als auch die Suche nach Ursachen und Verantwortlichkeiten oft komplex und anspruchsvoll.

Bei der jährlichen Sachverständigentagung der der Handwerkskammer Konstanz kamen rund 40 öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige aus unterschiedlichen Gewerken zur Fortbildung und fachlichem Austausch zusammen. Als Referent war Anton Ruprecht eingeladen, unter anderem Vorsitzender des Technischen Werkstoffausschusses beim Landesinnungsverband des Maler- und Lackiererhandwerks (LIV) sowie Vorsitzender der Landesfachgruppe Sachverständigenwesen.

Sorgfältige Analyse als Grundlage

Im Mittelpunkt seines Vortrags stand die fachgerechte Bewertung von Schimmelbefall. Ruprecht betonte dabei die Bedeutung einer sorgfältigen Analyse bereits zu Beginn jeder Begutachtung: „Wenn Sie in ein Haus kommen und schwarze Flecken am Fensterrahmen sehen, dann sprechen Sie nicht gleich von Schimmel, sondern zunächst ist das einfach eine Verunreinigung.“ Erst nach klarem Laborbefund könne eine verlässliche Aussage getroffen und kommuniziert werden.

Anschließend gehe es an die Ursachensuche, etwa mithilfe von Feuchtigkeitsmessgeräten, CO2-Messern oder Wärmebildkameras. „Wenn es Schimmel im Bad gibt, kann das viele Gründe haben: Leckagen in Leitungen oder alte, undichte Silikonfugen an der Badewanne können genauso zu Schimmel führen wie eine unzureichende Entlüftung oder Kältebrücken.“

Auch das Heizverhalten der Bewohner müsse berücksichtigt werden. Ruprecht riet: „Lassen Sie sich auch die Heizkostenrechnung geben, dann sehen Sie, ob in einem Raum zu wenig geheizt wurde.“

Oft komplexe Fälle mit vielen Rechtsfragen

Je nach Konfliktfall seien unterschiedliche Rechtsbereiche betroffen, vom Mietrecht über das Arbeitsrecht bis hin zum Bauvertragsrecht. Aufgrund der Komplexität sei es sinnvoll, bei Unsicherheiten auf das Netzwerk der Sachverständigen zurückzugreifen.

Neben Schimmel ging Ruprecht auch auf Gefahrstoffe wie Asbest ein. Dieser finde sich unter anderem in alten Putzen, Spachtelmassen, Fliesenklebern oder PVC-Böden. Er empfahl, bei Verdachtsfällen frühzeitig Fachkundige mit entsprechenden Schulungsnachweisen hinzuzuziehen. Außerdem informierte er über Verantwortlichkeiten der Veranlasser und Auftragnehmer nach der Gefahrstoffverordnung.

Gewinnbringender Austausch unter Fachleuten

Sandra Sorg, Juristin bei der Handwerkskammer Konstanz und verantwortlich für die Tagung, hatte das Thema aufgrund seiner hohen Praxisrelevanz und seiner gewerkübergreifenden Bedeutung bewusst als Schwerpunkt der diesjährigen Tagung ausgewählt. Sie berichtete über aktuelle Zahlen und Entwicklungen der Sachverständigen der Handwerkskammer Konstanz. Zudem erläuterte sie anhand zweier aktueller Fälle aus der Gerichtspraxis zentrale rechtliche Aspekte der Sachverständigentätigkeit.

Im Anschluss an den offiziellen Teil nutzten die anwesenden Sachverständigen die Gelegenheit zum fachlichen Austausch, zu individuellen Gesprächen mit dem Referenten sowie zum Netzwerken.

Für ihr langjähriges Engagement als Sachverständige wurden folgende Personen von Handwerkskammerpräsident Werner Rottler geehrt:

  • Dipl.-Ing. (FH) Michael Hepp, Augenoptikerhandwerk, Konstanz, 15 Jahre Sachverständigentätigkeit
  • Jürgen Müller, Schreinerhandwerk, Wutöschingen, 20 Jahre Sachverständigentätigkeit
Portrait von Michel Hepp und Handwerkskammerpräsident Werner Rottler auf der Sachverständigentagung 2026.
HWK KN / Petra Schlitt-Kuhnt. Michael Hepp (links) mit Werner Rottler.
Portrait von Jürgen Müller und Handwerkskammerpräsident Werner Rottler auf der Sachverständigentagung 2026.
HWK KN / Petra Schlitt-Kuhnt. Jürgen Müller (links) mit Werner Rottler.

Nach langjähriger Tätigkeit als Sachverständige wurden verabschiedet:

  • Robert Guggemos, Raumausstatterhandwerk und Bodenlegergewerbe, Dunningen, 22 Jahre Sachverständigentätigkeit
  • Axel Spreter, Zimmererhandwerk, Rottweil, 22 Jahre Sachverständigentätigkeit
  • Erich Renner, Maurer- und Betonbauerhandwerk, Emmingen-Liptingen, 28 Jahre Sachverständigentätigkeit
Portrait von Robert Guggemos und Handwerkskammerpräsident Werner Rottler auf der Sachverständigentagung 2026.
HWK KN / Petra Schlitt-Kuhnt. Robert Guggemos (links).
Portrait von Axel Spreter und Handwerkskammerpräsident Werner Rottler auf der Sachverständigentagung 2026.
HWK KN / Petra Schlitt-Kuhnt. Axel Spreter (links).
Portrait von Erich Renner und Handwerkskammerpräsident Werner Rottler auf der Sachverständigentagung 2026.
HWK KN / Petra Schlitt-Kuhnt. Erich Renner (links).

Hintergrund: Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige

Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige sind Experten auf ihrem Fachgebiet und zur weisungsfreien, objektiven Beurteilung des Sachverhalts verpflichtet. Sie können vor Gericht als auch bei privaten Streitigkeiten eine große Hilfe sein. Bei der Handwerkskammer Konstanz gibt es 72 öffentlich vereidigte Sachverständige in 32 Gewerken.


Weitere Informationen

Sachverständigenverzeichnis der Handwerkskammer Konstanz

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