
Millimeter um Millimeter prüft Paul Steinbock die Fensterrahmen auf schadhafte Stellen. Insgesamt 190 Stück, aus Holz, mit über 500 Flügeln. Mit den alten Rahmen liegt ein Stück Hamburger Geschichte auf der Werkbank des Restaurators in der Holzmanufaktur Rottweil. Die historischen Fensterrahmen gehören in das denkmalgeschützte Klöpperhaus. Das über hundert Jahre alte Kontorhaus in der Mönckebergstraße wird derzeit aufwendig saniert und umgestaltet und ist für den süddeutschen Handwerksbetrieb, der auf die energetische Sanierung historischer Fenster spezialisiert ist, ein Großprojekt. Paul Steinbock ist auf die Restaurierung historischer Fenster spezialisiert und hat bei der Holzmanufaktur seinen Traumjob gefunden.
Erhalten für weitere 100 Jahre
„Ich mag es, an alten Objekten zu arbeiten und sie zu erhalten“, sagt Steinbock. „Wie haben es die Schreiner damals geschafft, die Fenster so zu bauen, dass sie 120 Jahre erhalten bleiben?“, denkt sich der Restaurator in die Arbeitstechniken von Handwerkern aus längst vergangenen Zeiten hinein. „Ich kann mir nun auch überlegen, was ich tun kann, um die Fenster für die nächsten 100 Jahre fit zu machen.“ So schreibt er mit seiner Arbeit die Geschichte weiter.
Die Liebe zum Holz prägt den aus Niedersachsen stammenden Restaurator seit seiner Kindheit, da seine Mutter in ihrer Schreinerei alte Möbel restauriert. Im Alter von sechs Jahren bekam Steinbock seine eigene Werkbank mit Hobel und Säge geschenkt und konnte sich am Werkstoff reichlich ausprobieren. Er habe Schiffchen gebaut und allerlei Dinge für sein Baumhaus, erinnert er sich. Nach einem freiwilligen Jahr in der Denkmalpflege absolvierte er im Betrieb seiner Mutter eine Ausbildung zum Schreiner und beschäftigte sich mit der Restaurierung alter Möbel, Türen und Fenster. So entdeckte er seine Leidenschaft zu alten Fenstern. Bei der Holzmanufaktur bringt er diese Spezialisierung ins Team ein. Bislang habe er auf 30 Baustellen gearbeitet, vier Mal als Bauleiter. Ihm gefällt, dass er Stück für Stück mehr Verantwortung übernehmen kann. „Das Schöne ist, dass ich hier so ein großes und tolles Team um mich habe“, sagt der Restaurator.
Mehr Expertise erwerben
Um Restaurator im Handwerk zu werden, investierte er viel Zeit. Der Beruf ist kein klassischer Ausbildungsberuf, sondern eine Weiterbildung, die auf einer handwerklichen Ausbildung aufbaut. Voraussetzung ist ein Meistertitel, den Steinbock zusätzlich zu einer Menge praktischer Erfahrung erwarb. Bei seiner Weiterqualifizierung in Fulda zum Restaurator im Handwerk erlernte er die verschiedenen historischen Handwerkstechniken. „Wir haben gelernt, auf welchen Grundlagen entschieden wird, wann und wie restauriert oder erhalten werden kann“, erklärt er. Dem Beruf kommt beim Erhalt von Kulturgütern eine wichtige Rolle zu. Er sei wichtig, um bei der Restaurierung eine hohe Qualität zu gewährleisten. Außerdem baue man sich in der Weiterbildung ein großes Netzwerk mit Restauratoren unterschiedlichster Gewerke auf. „Das ist ein enormer Wissensschatz, von dem man profitieren kann“, so Steinbock. Zwei bis drei Mal im Jahr treffen sich die Restauratoren im Handwerk auf Landesebene zum Austausch.
So wird man Restaurator im Handwerk
Für Handwerker, die sich auf Denkmalschutz und Restaurierung spezialisieren möchten, gibt es zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten. Die wichtigste ist die Fortbildung zum geprüften Restaurator im Handwerk. Sie kann in 19 verschiedenen Gewerken abgelegt werden, etwa im Steinmetz-, Schreiner-, Stuckateur- und Zimmererhandwerk.
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) vergibt jährlich 15 Stipendien für die Fortbildung zum geprüften „Restaurator im Handwerk – Master Professional für Restaurierung im Handwerk“ an anerkannten denkmalpflegerischen Bildungszentren in Deutschland. Die Stipendien sind mit jeweils 6.000 € dotiert. Bewerbungsvoraussetzungen sind eine erfolgreich bestandene Meisterprüfung oder eine entsprechende Zulassungsberechtigung sowie erste Erfahrungen im Umgang mit denkmalgeschützten Bauten oder Altbauten, insbesondere mit Arbeiten der Pflege, Erhaltung und Erneuerung historischer Bausubstanz.