Konjunkturbericht 3. Quartal 2026 Handwerk spürt Aufschwung nicht

PRESSE. Die Betriebe aus dem Bezirk der Handwerkskammer Konstanz zeigen bei der aktuellen Konjunkturumfrage eine deutlich getrübte Stimmung im dritten Quartal dieses Jahres. Sie berichten von sinkenden Aufträgen und Umsätzen. Trotzdem senden sie ein positives Signal, indem sie ihre Mitarbeiter weiterbeschäftigen.

Zwei Zerspanungsmechaniker bei der Arbeit.
amh-online.de

Die Erholung der deutschen Wirtschaft scheint das Handwerk im Südwesten noch nicht erreicht zu haben: Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Konstanz unter ihren Mitgliedsbetrieben. Die Betriebe aus dem Kammerbezirk schätzen ihre Lage gegensätzlich zum vorsichtigen Wachstum der Gesamtwirtschaft ein.

Das regionale Handwerk spürt den Aufschwung bislang nur wenig. Die Umfrage zeigt einen Stimmungseinbruch. Nur noch 42 Prozent der Betriebe bewerten ihre Geschäftslage als gut (Q3/25: 65 %), 23 Prozent als schlecht (Q3/25: 3 %) – der Lage-Saldo sinkt binnen eines Jahres von +63 auf +20 Punkte und damit auf den tiefsten Wert seit der Finanzkrise 2009. Gleichzeitig blicken die Betriebe skeptisch in die Zukunft. Für das vierte Quartal erwarten sie einen Lage-Saldo von -10 Punkten (Q3/25: 3 Punkte). Besonders betroffen sind die Gesundheitsgewerke sowie die Gewerke für den gewerblichen Bedarf.

Wirtschaftliche Erholung kommt nicht im Handwerk an

Gesamtwirtschaftlich stieg das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2026 um 1,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Getragen wurde das Wachstum insbesondere von Exporten und höheren staatlichen Ausgaben. Die Wirtschaftsforschungsinstitute sehen inzwischen wieder Wachstumsperspektiven.

Werner Rottler, Präsident der Handwerkskammer Konstanz, hofft, dass die konjunkturelle Erholung nun auch bei den Betrieben ankommt: „Es ist ein gutes Signal, dass die Wirtschaft wieder wächst. Nun sollte der Aufschwung auch bald die Binnenwirtschaft erreichen. Die immensen Investitionsvorhaben der Bundesregierung in Infrastruktur, Klimaschutz und Verteidigung lassen hoffen, dass bald auch regionale Handwerksbetriebe davon profitieren.“

Deutliche Einbußen bei Umsätzen und Aufträgen

Aufträge und Umsätze stehen auch im dritten Quartal weiter unter Druck. Die Auftragslage hat sich laut Umfrage gegenüber dem Vorjahr verschlechtert. Nur 14 Prozent der Betriebe melden steigende Auftragseingänge, 39 Prozent sinkende. Hieraus errechnet sich ein negativer Auftragssaldo von -25 Punkten (Q3/25: +8 Punkte).

Das Handwerk braucht schnell die richtigen Impulse, damit aus der gesamtwirtschaftlichen Erholung Wachstum in den Betrieben vor Ort wird und sie gut aufgestellt in die Zukunft blicken können.

Werner Rottler, Präsident der Handwerkskammer Konstanz

Die Umsatzentwicklung bietet ein ähnliches Bild. Gestiegene Umsätze erzielten 13 Prozent der Betriebe (Q3/25: 25 %), ein Umsatzminus verzeichneten 39 Prozent (Q3/25: 31 %). Der Umsatzsaldo fiel auf -25 Punkte.

„Die drängenden Probleme bleiben“

Werner Rottler, Präsident der Handwerkskammer Konstanz, mahnt bessere Rahmenbedingungen fürs Handwerk an: „Die Betriebe melden als drängende Probleme sinkende Aufträge, steigende Kosten und Bürokratie. Viele blicken verhalten auf das Jahresende. Das Handwerk braucht schnell die richtigen Impulse, damit aus der gesamtwirtschaftlichen Erholung Wachstum in den Betrieben vor Ort wird und sie gut aufgestellt in die Zukunft blicken können. Eine deutliche Entlastung würde beispielsweise eine Senkung der Sozialabgaben in Richtung 40 Prozent bringen.“

Hohe Inflation macht Investitionen zur Herausforderung

Das gesamtwirtschaftliche Umfeld bleibt schwierig. Die Inflationsrate in Deutschland lag im August bei 2,9 Prozent. Vor allem die Energiepreise trieben die Teuerung. Die Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank sorgt dafür, dass die Finanzierung von Investitionen und Bauvorhaben sowohl für Betriebe als auch für private Haushalte anspruchsvoll bleibt. 12 Prozent der Betriebe planen im kommenden Quartal höhere Investitionen, 35 Prozent wollen ihre Investitionen reduzieren.

Weitergabe der gestiegenen Kosten gelingt selten

Zudem nimmt der Kostendruck zu. Von gestiegenen Einkaufspreisen berichteten 64 Prozent (Q3/25: 53 %) der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk ¬– nur 29 Prozent konnten zeitgleich ihre Verkaufspreise erhöhen und somit die Kosten weitergeben. Damit stehen die Margen weiter unter Druck. Ein erfreulicher Aspekt: Trotz der angespannten Situation wollen 83 Prozent der befragen Betriebe an ihrem Mitarbeiterstamm festhalten.

„Das Handwerk ist wie eine Familie“, sagt Kammerpräsident Rottler. „Die Betriebsinhaber übernehmen – auch wenn es mal holpert – die Verantwortung für ihre langjährigen Mitarbeiter und deren Familien. Der Chef weiß, was er an seinen gut ausgebildeten Fachkräften hat.“

Verhaltene Aussicht

Eine schnelle Trendwende erwarten die Betriebe nicht. Nur 16 Prozent der Befragten erwarten im vierten Quartal eine Verbesserung ihrer Geschäftslage, 26 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. Der Erwartungssaldo sinkt damit auf -10 Punkte. Auch die Auftragserwartungen bleiben negativ: 15 Prozent rechnen mit steigender Nachfrage, 30 Prozent mit einem Rückgang. Der Saldo liegt bei -15 Punkten. Besonders zurückhaltend blickt das Ausbaugewerbe auf das letzte Quartal des Jahres.

Laut Umfrage bleibt die Lage im Handwerk in den kommenden Monaten angespannt. Entscheidend wird sein, ob die gesamtwirtschaftliche Erholung auch bei den Handwerksbetrieben vor Ort ankommt und wieder für mehr Aufträge, Investitionen und Planungssicherheit sorgt.


Weitere Informationen

Ausführlicher Konjunkturbericht für das 3. Quartal 2026


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