
Aylin, Shireen und Lena sind die ersten weiblichen Auszubildenden bei Eichkorn. Und ob sie wollen oder nicht, sie nehmen in dem Elektrobetrieb im Schwarzwald eine kleine Sonderrolle ein zwischen all den männlichen Auszubildenden, Gesellen und Meistern. Gerade deshalb liegt der Fokus des Betriebs auf einer gezielten Förderung der jungen Frauen. Bei einem zweitägigen Workshop speziell für Frauen in der Baubranche trafen die drei Auszubildenden auf andere Handwerkerinnen und profitierten vom Erfahrungsaustausch.
Austausch mit anderen Handwerkerinnen
Die 17-jährige Lena Bogdanski ist im ersten Ausbildungsjahr und fand es spannend, bei dem Workshop einen Einblick zu bekommen, wie andere Frauen mit Vorurteilen umgehen und ihren beruflichen Weg erfolgreich gestalten. Sie ist glücklich über die positive Atmosphäre in ihrem Ausbildungsbetrieb, denn sie hat gehört, dass es auch anders laufen kann.
Neben einem Workshop zum Thema Empowerment und Einblicken in die Arbeit von Influencerinnen, die sich für Frauen im Handwerk starkmachen, konnten die drei Schwarzwälderinnen auch an einer Schulung zur Lichtplanung teilnehmen.
Viele Ideen habe sie mitgenommen, erzählt Shireen Schlenker. „Es war toll, zu sehen, wie man mit den Lichtern spielen kann, um im Raum besondere Effekte zu erzeugen oder mit dem passenden Lichtkonzept Räume richtig gemütlich wirken lassen kann.“ Und Lena ergänzt: „Wir haben gesehen, welche Möglichkeiten uns offenstehen und dass Frauen sich unabhängig vom Gewerk im Handwerk untereinander vernetzen.“
Leidenschaft für die Baustelle
Shireen Schlenker kennt die Klischees von der schwachen Frau, die kein technisches Verständnis hat, gut. Sie wurde damit bei der Ausbildungsplatzsuche konfrontiert, ließ sich aber trotzdem nicht von ihrem Wunsch, ins Handwerk zu gehen, abbringen. In der 8. Klasse hat die heute 18-Jährige ein Praktikum bei Eichkorn gemacht und auch in den Ferien dort gejobbt. Nach dem Abschluss war klar, dass sie die Ausbildung zur Elektronikerin für Energie- und Gebäudetechnik machen möchte. „Ich mag es zu wissen, dass andere von dem, was ich mache, einen Nutzen haben.“
Ich habe mich schon immer fürs Handwerk interessiert und wollte raus auf den Bau.
Shireen Schlenker, Ausbildende im zweiten Lehrjahr
Vorbilder machen Mut
Die Geschichte einer Elektroniker-Meisterin hat Aylin Lienhard besonders beeindruckt. „Als sie mit ihrer Ausbildung angefangen hatte, bekam sie zu hören: ‚Aus dir wird nichts.‘ Nun ist sie erfolgreich und führt eine eigene Firma.“ Die 18-Jährige ist wie Shireen im zweiten Lehrjahr und kam über ein Praktikum in den Betrieb. Nun ist sie froh, dass sie selbst anpacken kann.
Ich will gerne alles selbst machen und nicht immer jemanden anrufen, der mir das macht.
Aylin Lienhard, Auszubildende im zweiten Lehrjahr
Früh Verantwortung übernehmen
Eigenverantwortlich arbeiten darf Lena schon von Anfang an. „Ich bekomme eine Aufgabe auf der Baustelle und darf sie dann selbst lösen“, erzählt sie von ihrer Ausbildung. Sie ermutigt andere junge Frauen, einfach mal ein Praktikum zu machen.
Viele Betriebe würden sich freuen, wenn sich ein Mädchen bewirbt.
Lena Bogdanski, Auszubildende im ersten Lehrjahr
Als frischgeschulte Ausbildungsbotschafterinnen werden Lena und Aylin künftig ihre Begeisterung für Elektrotechnik an Schülerinnen und Schüler weitergeben. Und Shireen ermutigt junge Frauen: „Sagt, was euch stört. Wenn man es runterschluckt, ändert sich nichts.“
Zahlen aus dem Kammergebiet Konstanz
Zum Ende des Jahres 2025 waren im Kammergebiet Konstanz von 4.177 Auszubildenden 773 weiblich. Im Elektrohandwerk waren von insgesamt 524 Auszubildenden 20 weiblich.