
Zum Austausch über handwerkspolitische Themen traf sich Bundestagsabgeordnete Dr. Lina Seitzl mit der Kammerspitze der Handwerkskammer Konstanz. Georg Hiltner, Hauptgeschäftsführer, und Werner Rottler Präsident, begrüßten die SPD-Politikerin aus dem Wahlkreis Konstanz im Kammergebäude am Seerhein und gaben Einblicke in die aktuelle Situation.
Hiltner machte die finanzielle Lage der Bildungseinrichtungen im Land deutlich. Überall herrsche hoher Kostendruck und Investitionsbedarf, so auch in den Bildungsakademien der Handwerkskammer Konstanz. Bis Mitte 2027 soll deswegen eine Strukturanalyse der Bildungsstätten in Baden-Württemberg Ergebnisse zur Konsolidierung liefern.
Keine Einsparungen bei der Bildung
„Die jetzige Bundesregierung nimmt Bildungsleistungen zurück. Das ist bedauerlich“, betonte Hiltner. Eine gute Bildungslandschaft sei existenziell für die Gesellschaft. Er warnte vor weiteren Einsparungen.
„Auch wenn die Jahrgänge kleiner werden, muss eine hochwertige Ausbildung gewährleistet sein – ohne Doppelstrukturen, damit es effizient bleibt“, betonte Kammerpräsident Rottler. Auch die Unterkunftsmöglichkeiten für Auszubildende müssten neu gedacht werden, wenn die Anfahrtswege immer länger würden. „Wir brauchen ähnliche Strukturen wie bei den Studentenwohnheimen“, so Rottler.
Hiltner äußerte den Wunsch, im Landkreis Konstanz mit anderen Bildungsträgern enger zusammen zu arbeiten und Kooperationen zu beginnen, um Überkapazitäten zu nutzen und Doppelstrukturen abzubauen. „Uns geht es um die Jugendlichen, nicht um politische Interessen.“ So komme es immer wieder zur Schließung von Berufsschulklassen wegen zu geringer Schülerzahlen. „Wir bekommen das meist zu spät mit, so dass wir keine Chance zum Gegensteuern haben.“
Sorge über steigende Anzahl an Betriebsschließungen
Seitzl erkundigte sich außerdem, wie angespannt die wirtschaftliche Situation der Betriebe derzeit sei. „Es ist wieder einfacher einen Handwerker zu bekommen“, sagte Rottler mit Blick auf leerer werdende Auftragsbücher. „Große Sorgen machen uns die Betriebsschließungen. Viele kleine Unternehmen drehen einfach den Schlüssel um und das war es dann.“ Das Handwerk spüre deutlich die Konsumzurückhaltung. „Vor allem Klein- und Kleinstbetriebe kommen nicht auf die nötigen Umsätze.“ Helfe würde, die Sozialabgaben auf unter 40 Prozent zu senken.
Seitzl betonte die Anstrengungen der Bundesregierung die Beiträge nicht ins Unermessliche steigen zu lassen. Renten- und Krankenkassenbeiträge deckten die Ausgaben nicht mehr. Sie setze sich als Gesundheitspolitikerin dafür ein, dass die Mehrausgaben der nötigen Gesundheitsreformen steuerfinanziert würden und der Beitrag zur GKV nicht weiter steige. „Wir müssen wieder eine Situation des Wirtschaftswachstums hinbekommen, um den Konsum anzukurbeln“, so Seitzl.
Rottler forderte die Politikerin auf, deswegen in der Fraktion klare Worte zu finden. „In der Fraktion spüre ich den Reformwillen“, gab Seitzl einen Einblick.