Politischer Austausch „Wir müssen uns ehrlich machen“

PRESSE. Berufsbildung, Bürokratieabbau und die Förderung des Mittelstands im ländlichen Raum standen im Mittelpunkt eines Austauschs zwischen dem CDU-Landtagsabgeordneten Christoph Stetter sowie Handwerkskammerpräsident Werner Rottler und Hauptgeschäftsführer Georg Hiltner.

Gruppenbild: Werner Rottler, Christoph Stetter und Georg Hiltner auf dem Balkon der Handwerkskammer Konstanz.
HWK KN / Petra Schlitt-Kuhnt. Tauschten sich über aktuelle Herausforderungen im Handwerk aus: der CDU-Landtagsabgeordnete Christoph Stetter (Mitte) mit Handwerkskammerpräsident Werner Rottler (links) und Hauptgeschäftsführer Georg Hiltner.

Wie lässt sich berufliche Bildung zukunftsfest organisieren? Wie können Betriebe von Bürokratie entlastet werden? Und was braucht der ländliche Raum, um attraktiv und leistungsfähig zu bleiben?
Über diese Fragen diskutierten Handwerkskammerpräsident Werner Rottler und Hauptgeschäftsführer Georg Hiltner mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Christoph Stetter bei einem Besuch in der Handwerkskammer Konstanz.

Berufsbildung zukunftsfähig aufstellen

Im Mittelpunkt stand die Zukunft der beruflichen Bildung. Georg Hiltner warb für eine engere Zusammenarbeit von Kultus- und Wirtschaftsministerium. Nur wenn alle Partner abgestimmt handelten, lasse sich das bewährte System der dualen Ausbildung zukunftssicher aufstellen.

Auch die Finanzierung müsse verlässlich bleiben. „Die Unterstützung für die Internatsunterbringung von Auszubildenden etwa darf nicht kurzfristig infrage gestellt werden“, betonte Hiltner.
Zugleich müsse man bestehende Ausbildungsstrukturen kritisch prüfen. Die baden-württembergischen Handwerkskammern hätten zu ihren eigenen Bildungsstätten bereits eine Studie angestoßen. Ziel sei es, Doppelstrukturen zu erkennen und Ressourcen effizienter einzusetzen. Hier müssten aber auch die Berufsschulen mit ins Boot geholt werden. „Berufsbildung kann nur dann erfolgreich gestaltet werden, wenn alle Partner beim Thema regionale Schulentwicklung an einem Strang ziehen“, sagte Hiltner.

Stetter versprach, die Anliegen bei Kultusminister Andreas Jung anzubringen. Mit Blick auf die öffentlichen Finanzen warb er grundsätzlich für mehr Offenheit in der Debatte. „Es kann nicht überall alles vorgehalten werden. Wir müssen uns da ehrlich machen, was überhaupt noch geht und was nicht. Am Ende wird es das Geld regeln“, sagte der Landtagsabgeordnete.

Bürokratie abbauen und ländlichen Raum stärken

Ein weiteres Schwerpunktthema war die Bürokratielast. In seinen Gesprächen mit Unternehmen im Wahlkreis Singen höre er immer wieder dieselben Sorgen, berichtete Stetter: Fachkräftemangel, zu wenig bezahlbarer Wohnraum, eine schlechte Verkehrsinfrastruktur und vor allem zu viele Vorschriften. „Wir können mit dem Bürokratieabbau nicht bis Ende 2027 warten. Das muss schneller gehen“, so sein Fazit.

Gleichzeitig wies er darauf hin, dass mit einem Bürokratieabbau auch jeder Bürger wieder mehr Eigenverantwortung übernehmen müsse. Oft werde nach zusätzlichen Regelungen verlangt, sobald Probleme auftreten. Dieser Reflex müsse durchbrochen werden. Zudem böten viele Gesetze bereits heute Ermessensspielräume, die besser genutzt werden könnten.

Wir können mit dem Bürokratieabbau nicht bis Ende 2027 warten. Das muss schneller gehen.

Christoph Stetter, CDU-Landtagsabgeordneter

Breiten Raum nahm auch die Situation kleiner und inhabergeführter Betriebe ein. Sie müssten Fachkräftemangel, Digitalisierung und Unternehmensnachfolge gleichzeitig bewältigen, verfügten dafür aber oft nicht über die personellen Ressourcen größerer Unternehmen, wie Georg Hiltner beschrieb.

Kammerpräsident Werner Rottler sprach sich für gezielte steuerliche Entlastungen inhabergeführter Betriebe aus.

Vor allem der ländliche Raum dürfe nicht aus dem Blick geraten, betonten die Kammervertreter. Gute Verkehrsverbindungen, eine leistungsfähige digitale Infrastruktur und attraktive Lebensbedingungen seien entscheidende Standortfaktoren. Stetter unterstrich die Bedeutung dieser Themen. „Die Gäubahn war mit ein Grund dafür, dass ich mich für den Verkehrsausschuss gemeldet habe“, berichtete er.

Zum Abschluss vereinbarten die Gesprächspartner, den Austausch halbjährlich fortzusetzen. Regelmäßige Gespräche sollen dazu beitragen, Herausforderungen frühzeitig zu benennen und gemeinsame Lösungen für Handwerk, Ausbildung und Mittelstand zu entwickeln.


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