
Nach Hitzerekorden im Juni und Juli ist auch die Nachfrage nach Klimaanlagen und Sonnenschutzmaßnahmen deutlich angestiegen. Wir haben uns bei Kälteanlagenbauern und Rollladen- und Sonnenschutztechnikern in der Region umgehört, wie sich die aktuelle Lage auf den Betriebsalltag auswirkt: Roland Sauter Rolladenbau aus Konstanz, RS RECK Rollladen-Sonnenschutztechnik aus Steißlingen und Salzmann Kühler aus Rielasingen-Worblingen.
Wie spüren Sie als Betrieb die Hitzewelle?
Mike Roge, Geschäftsführer von Roland Sauter Rolladenbau: Sobald die Temperaturen steigen, schießt die Nachfrage nach effektivem Sonnenschutz sprunghaft in die Höhe. Bei vielen Kunden sorgt die extreme Hitze verständlicherweise für angespannte Nerven. Es muss dann meistens alles sofort und so schnell wie möglich gehen. Für unseren Betrieb bedeutet das eine enorme Auslastung. Durch diesen plötzlichen Ansturm ist es leider nicht immer möglich, zeitnah Termine für einen Beratungs- oder Aufmaßtermin anzubieten. Ähnlich verhält es sich bei Reparaturen: Vielen fällt erst im Sommer auf, dass die bestehende Anlage defekt ist – obwohl der Schaden oft schon im Winter vorlag.
Markus Reck, Geschäftsführer von RS RECK Rollladen-Sonnenschutztechnik: Aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Lage haben viele Kunden in den letzten zwei Jahre nur das Nötigste in Sonnenschutz am und rund ums Haus investiert. Durch die anhaltende Hitzewelle sind die Anfragen nach Schatten und kühlenden Lösungen für Gebäude stark angestiegen – vor allem bei Büros, Schulen, Kindergärten, Freizeitanlagen und Schwimmbädern.
Michael Honz, Betriebsleiter Kälte-Klima von Salzmann Kühler: Wie jeden Sommer ist die Nachfrage sehr intensiv. Bei vielen kommt spontan der Gedanke auf: Ich brauche ja noch eine Klimaanlage. Im Privatkundenbereich werden vor allem Split- und Multisplitklimaanlagen nachgefragt. Das sind Klimaanlagen, die ein Außengerät haben und eine oder mehrere Inneneinheiten. Gewerbekunden fragen besonders Split-, Multisplit-, VRF- und Lüftungsanlagen an. Bei der VRF-Anlage wird genau die Kältemittelmenge zu jedem Innengerät transportiert, die aktuell benötigt wird. Oft werden diese Anlagen mit Lüftungsanlagen kombiniert, die für Frischluft und Luftaustausch sorgen.



Was wird von den Kunden nachgefragt?
Roge: Grundsätzlich verzeichnen wir bei fast allen Produkten ein starkes Plus. Die Favoriten unserer Kunden sind Markisen, Rollläden, Plissees und Jalousien. Ein riesiges Thema ist zudem der Insektenschutz, damit die Fenster und Türen abends zum Lüften bedenkenlos offenstehen können. Neu in unserem Portfolio sind hochwertige Großschirme. Viele Kunden denken beim Begriff „Sonnenschirm“ noch an die klassische Baumarkt-Variante und sind von unseren professionellen Lösungen positiv überrascht.
Reck: Es hat sich in den letzten Jahren enorm viel beim Sonnenschutz getan. Der klassische Rollladen ist eher ein Auslaufmodell, da er zwar gegen Hitze effektiv ist, jedoch den Raum dahinter abdunkelt. Die Lösung, um beides für den Kunden zu gewährleisten, sind klassische Raffstores/Jalousien oder die neuen ZipScreen (Senkrechtmarkisen). Des Weiteren hat sich die Nachfrage nach Insektenschutzgittern stark entwickelt.
Honz: Unserer Meinung nach bringen mobile Klimaanlagen keine zufriedenstellenden Ergebnisse und das bestätigt auch die geringe Nachfrage. Bei den festinstallierten Klimaanlagen sehen wir bei den namhaften Herstellern keine großen qualitativen Unterschiede mehr. Hier geht es tatsächlich um die Optik. Alle Geräte sind mittlerweile auf einem so hohen Effizienzlevel, dass die Unterschiede nur im Labor feststellbar sind. Prinzipiell rate ich Kunden bei der Produktauswahl, auf die Erfahrung der Fachbetriebe zu vertrauen.
Ist die Auftragslage unterschiedlich zu den Vorjahren?
Roge: Die erste Hitzewelle des Jahres sorgt traditionell für einen Nachfrageboom. Gefühlt erleben wir in diesem Jahr jedoch einen absoluten Höchststand im Vergleich zu den Vorjahren. Die Temperaturen waren extrem hoch – das hatten viele Menschen, und ehrlicherweise auch wir selbst, in diesem Ausmaß im Vorfeld so nicht auf dem Schirm.
Reck: Die Auftragslage hat sich nach Corona und der jetzigen politischen und wirtschaftlichen Lage verändert. Im Winter haben wir deutlich ruhigere Monate, im Sommer ist es selbstverständlich hektischer. Wir bekommen das alles sehr gut hin, da wir breit und leistungsstark aufgestellt sind. Dennoch wäre eine Verteilung wünschenswert, um die Spitzen im Sommer, gerade bei so einer Hitzeperiode, abzufangen.
Honz: Da wir in verschiedensten Bereichen (Kleinkältetechnik, Großkältetechnik, Wärmepumpen, Lüftungsanlagen, Split-/Multisplitklima, Kaltwasser und VRF) tätig sind, haben wir in vielen Bereichen eine ähnliche Auftragslage wie in den vergangenen Jahren. Allerdings ist durch die Hitzewelle dieses Jahr die Nachfrage nach Klimaanlagen im Privat- und Gewerbekundenbereich merklich gestiegen.
8 Experten-Tipps zum richtigen Umgang mit hohen Temperaturen
1. Außenliegenden Sonnenschutz installieren
Markus Reck rät: Der wirksamste Hitzeschutz ist außenliegender Sonnenschutz, da die Sonnenstrahlen bereits vor dem Fenster abgehalten werden und dadurch die Fensterscheibe kühl bleibt. Der klassische Rollladen ist hier eher ein Auslaufmodell, da er zwar gegen Hitze effektiv ist, jedoch den Raum dahinter abdunkelt. Die Lösung, um beides für Kunden zu gewährleisten, sind klassische Raffstores/Jalousien oder die neuen ZipScreen (Senkrechtmarkisen).
2. Lüften
Markus Reck rät: Morgens und nachts lüften, um kühlende Luft in die Räume zu bekommen. Tagsüber sollten Fenster und Sonnenschutz geschlossen bleiben, sonst heizt sich der Raum durch die heiße Luft von außen auf.
3. Dachstuhl dämmen
Markus Reck rät: Gerade Dachräume heizen sich schnell auf. Der Dachstuhl sollte gut gedämmt werden, da sonst die Wärme durchs Dach drückt. Zusätzlich helfen außenliegende Rollläden oder Hitzeschutzmarkisen und richtiges Lüften.
4. Antizyklisch planen
Mike Roge rät: Wer sich in den kühleren Monaten von Herbst bis Frühjahr um seinen Sonnenschutz kümmert, startet perfekt vorbereitet in den Sommer. Wer erst im Juli oder August mit der Informationssuche beginnt, ist wegen der hohen Auslastung im Handwerk frühestens im September oder Oktober ausgestattet.
5. Klimaanlage anschaffen
Michael Honz und Mike Roge raten: Für diejenigen, die sich nicht an die Hitze gewöhnen möchten oder können, bleibt nur der Weg zum Fachmann. Wenn es um echte, aktive Kühlung geht, führt an einer Klimaanlage kein Weg vorbei. Im Privatkundenbereich werden vor allem Split- und Multisplitklimaanlagen nachgefragt. Das sind Klimaanlagen, die ein Außengerät haben und eine oder mehrere Inneneinheiten. Durch die Splittung ist die Klimaanlage in den Innenräumen geräuschärmer.
6. Fachleuten vertrauen
Michael Honz rät: Ein guter Fachbetrieb setzt bewährte Produkte ein. Bei der Anschaffung einer Klimaanlage sollten Kunden bei der Produktauswahl ihrem Fachbetrieb vertrauen.
7. Maßgeschneiderte Lösungen wählen
Markus Reck rät: Um Wohnräume besser vor Hitze zu schützen, sind maßgeschneiderte Lösungen eine gute Wahl. Neben Neuinstallationen können bestehende Sonnenschutzanlagen auch modernisiert oder mit Motoren und Smart-Home-Steuerungen nachgerüstet werden.
8. Langfristig denken
Michael Honz rät: Mobile Klimaanlagen sind möglicherweise kurzfristiger zu bekommen, auf lange Frist gesehen sind festinstallierte Klimaanlagen meistens die bessere Wahl. Sollte das mobile Gerät eine Reparatur benötigen, ist diese verhältnismäßig teuer. Oft gibt es auch keine Ersatzteile.
Klimahandwerk: Zahlen, Daten, Fakten
Im Bezirk der Handwerkskammer Konstanz mit den Landkreisen Konstanz, Tuttlingen, Schwarzwald-Baar, Rottweil und Waldshut sind aktuell 44 Betriebe mit dem Hauptgewerbe Rollladen- und Sonnenschutztechniker sowie 33 Kälteanlagenbauer eingetragen. Im Nebengewerbe sind es 101 Rollladen- und Sonnenschutztechniker sowie 152 Kälteanlagenbauer.
Im Zehnjahresvergleich sind die Zahlen der eingetragenen Kälteanlagenbauer-Betriebe leicht gestiegen (von 27 auf 33). Bei den Rollladen- und Sonnenschutztechnikern sind sie zurückgegangen (von 54 auf 44), was allerdings auch auf die Rückvermeisterung 2020 zurückzuführen ist. Das Rollladen- und Sonnenschutztechniker-Handwerk war von 2004 bis 2019 nicht meisterpflichtig.