
Die schwächelnde Konjunktur schlägt sich auch auf die Stimmung im Handwerk im Südwesten durch. Konnten sich die Betriebe im Bezirk der Handwerkskammer Konstanz bisher gut gegen die zahlreichen Krisen und Unsicherheiten behaupten, spürten sie den wirtschaftlichen Stillstand in den letzten drei Monaten von 2025 deutlicher. In der aktuellen Konjunkturumfrage bewerteten nur noch 45 Prozent der befragten Betriebe in den Landkreisen Konstanz, Waldshut, Villingen-Schwenningen, Rottweil und Tuttlingen ihre Geschäftslage im 4. Quartal 2025 als gut. 19 Prozent stuften die Situation als schlecht ein.
Dennoch sind die Erwartungen an das neue Jahr etwas positiver als Ende 2024: 25 Prozent (Q1/25: 14 Prozent) erwarten Besserung, während unverändert 28 Prozent (Q1/25: 33 Prozent) eine Verschlechterung der Geschäftslage im kommenden Quartal erwarten.
„Probleme wirklich anpacken“
„Es gibt keine nennenswerten Entlastungen für unsere Betriebe. Für einige geht es langsam an die Substanz“, sagt Werner Rottler, Präsident der Handwerkskammer Konstanz. „Auch die aktuelle Bundesregierung schafft es nicht, die wirklichen Probleme anzupacken. Die angekündigten Investitionspakete ersetzen nicht die nötigen strukturellen Reformen. Damit Handwerksbetriebe wieder entspannter wirtschaften können, müssen auch für sie die Energiepreise sinken. Ebenso brauchen wir endlich Entlastungen bei der Bürokratie sowie bei Steuern und Abgaben.“
Bundesweit litt die Wirtschaft 2025 unter fehlenden Investitionen und Insolvenzen in der Industrie, sowie schwächelnden Konsumausgaben und fehlenden Impulsen im Wohnungsbau. In der Konsequenz sahen sich viele Betriebe mit Auftragsmangel und geringen Kapazitätsauslastungen konfrontiert. Der Konjunkturindikator (Saldo aus Geschäftslage und Geschäftserwartungen) der Betriebe im Kammergebiet Konstanz lag zum Jahresende bei +11,2 Punkten. Für ganz Baden-Württemberg lag der Wert bei 10 Punkten.
Belastende Lohnnebenkosten
Stark profitieren würde das Handwerk von einer Senkung der Lohnnebenkosten: „Das Handwerk arbeitet mit viel Personaleinsatz. Die Wertschöpfung entsteht durch die Hände unserer Mitarbeiter. Hohe Sozialversicherungsbeiträge fallen deswegen bei uns besonders stark ins Gewicht – anders als in der Industrie.“
Rottler fordert eine zielgerichtete Politik fürs Handwerk: „Schnellschüsse bringen hier wenig. Es braucht einen gezielten Blick auf die Struktur unseres Wirtschaftsbereichs, um für nachhaltige Verbesserungen zu sorgen.“ Die vom Landtag jüngst beschlossenen Neuerungen im Mittelstandsförderungsgesetz seien ein Schritt in die richtige Richtung, müssten nun aber konsequent umgesetzt werden.
Jeder dritte Betrieb mit gesunkenen Umsätzen
Doppelt so viele Betriebe wie im Vorjahr meldeten gesunkene Umsätze, fast jeder dritte Betrieb. Gestiegene Umsätze erzielten 23 Prozent der Betriebe.
Die Auftragslage gestaltete sich für die Betriebe schwierig. Von einer rückläufigen Nachfrage berichteten 37 Prozent. 20 Prozent konnten ein Auftragsplus verbuchen. Der Anteil schwach ausgelasteter Betriebe (Auslastung bis maximal 60 Prozent) lag bei 32 Prozent. Nahezu unverändert sind die Erwartungen an die zukünftige Auftragslage: Mehr Aufträge erwarten 25 Prozent, mit einer geringeren Nachfrage rechnen 29 Prozent.
Bei den Investitionen der vergangenen drei Monate zeigte sich ein geteiltes Bild: Auf der einen Seite investierte fast jeder vierte Betrieb mehr (24 Prozent), ein vergleichsweiser hoher Prozentsatz. Gleichzeitig reduzierte ebenfalls rund ein Viertel der Betriebe seine Investitionen (24 Prozent), was ein überdurchschnittlich hoher Anteil ist.
„Politische Reformen sind notwendig“
Georg Hiltner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Konstanz, nimmt die aktuellen Umfrageergebnisse zum Anlass, ebenfalls auf notwendige politische Reformen im Sinne des Mittelstands hinzuweisen. „Als Handwerkskammer begleiten wir unsere Betriebe gerade auch in schwierigen Phasen bestmöglich mit vielschichtigen Beratungsleistungen. Wir sehen aber im direkten Kontakt, dass Probleme oft dadurch entstehen, dass gesetzliche Vorgaben enorme Ressourcen binden – und das muss unterbunden werden“, so Hiltner.
Methodischer Hinweis
Im Rahmen einer Online-Umfrage werden vierteljährlich Handwerksbetriebe aller acht baden-württembergischen Handwerkskammern aus allen sieben Gewerbegruppen befragt. Die Ergebnisse werden regional und nach Gewerbegruppen gewichtet. An der aktuellen Umfrage haben im Bezirk der Handwerkskammer Konstanz rund 450 Betriebe teilgenommen. Die Erhebung erfolgte vom 12. bis zum 25. Januar 2026. Auf Grund des Wechsels von einer telefonischen zu einer Online-Befragung ab der Umfrage vom 4. Quartal 2025 sind die Ergebnisse nicht komplett mit denen der Vorbefragungen vergleichbar.
Weitere Informationen
Ausführlicher Konjunkturbericht für das 4. Quartal 2025 (PDF)