
Googeln war gestern – die Suche nach Handwerksbetrieben verlagert sich immer stärker in die Welt der Künstlichen Intelligenz. Während früher das Rennen um die besten Plätze bei Google im Mittelpunkt stand, übernehmen KI-Systeme wie ChatGPT zunehmend die Rolle des digitalen Wegweisers.
Moritz Storck, Referent und Geschäftsführer von wirsindhandwerk.de weiß, was für Handwerksbetriebe gilt: Wer von der Künstlichen Intelligenz verstanden wird, wird auch empfohlen. Bereits 2024 führten rund 60 Prozent aller Google-Suchen zu sogenannten Zero-Click-Suchen, bei denen der Nutzer keine Website mehr aufruft. Dieser Trend verstärkt sich weiter. Gleichzeitig zeigt sich, dass KI-basierte Suchantworten deutlich wirksamer sind: Die Conversion Rate – also der Anteil der Nutzer, die tatsächlich Kontakt aufnehmen oder einen Auftrag aufgeben – liegt bei ChatGPT bei 6,7 Prozent, während die Google-Suche nur 3,9 Prozent erreicht. Für Handwerksbetriebe bedeutet das, dass Sichtbarkeit in der KI-Welt unmittelbar mehr Anfragen generiert.
Wie die KI auswählt
Die Funktionsweise der KI-basierten Suche unterscheidet sich grundlegend von klassischen Suchmaschinen. Die Nutzer stellen Fragen wie „Welcher Dachdecker ist in meiner Region empfehlenswert?“. Die KI analysiert daraufhin öffentliche Bewertungen, die Häufigkeit positiver Nennungen, die regionale Relevanz und die Vertrauenswürdigkeit der Quelle, bevor sie eine konkrete Empfehlung ausgibt. Die Zeiten, in denen es genügte, bei Google „oben zu stehen“, sind vorbei. Heute liegt nicht der lauteste, sondern der glaubwürdigste Betrieb vorne.
Damit KI einen Betrieb überhaupt kennt und empfiehlt, müssen Inhalte auf Websites so gestaltet sein, dass sie als vertrauenswürdig und verwertbar gelten. Entscheidend sind der häufige Bezug auf den Betriebsnamen in Verbindung mit den eigenen Stärken, konkrete und detaillierte Inhalte, gut strukturierte Texte mit Überschriften, Listen oder Tabellen sowie regelmäßig aktualisierte Informationen.
Referenzen zählen mehr als Werbung
Ein weiterer zentraler Punkt ist, dass KI Werbung erkennt und weitgehend ignoriert. Statt Marketingfloskeln zählen Hinweise auf Kompetenz, zum Beispiel Projektbeispiele, Fotos, Erfahrungsberichte, Zertifikate und verständliche Erklärungen.
„Werbung funktioniert in der KI-Suche (noch) nicht. Sichtbar wird, wer echte Expertise zeigt“, betont Moritz Storck. Handwerksbetriebe sollten deshalb ihre digitale Präsenz strategisch ausbauen, Referenzen zeigen, Fachwissen teilen und eine konsistente digitale Marke etablieren. Dazu gehören ein einheitlicher Auftritt auf Website und Social-Media-Plattformen, Einträge in Innungslisten oder Fachkräftesuchen sowie die aktive Pflege von Bewertungen.
Konsistente Digitalstrategie
Eine solche durchgängige Digitalstrategie zahlt sich nicht nur in Sachen KI-Sichtbarkeit aus, sondern auch in der Kundengewinnung. Jan Benz, Innovations- und Technologieberater bei der Handwerkskammer Konstanz, betont: „Wer als Handwerksbetrieb professionell wahrgenommen werden möchte, sollte auch seine digitalen Kanäle professionell aufstellen – sei es eine Website oder ein Instagram-Account.“ Je nach Kapazität und Know-how im eigenen Betrieb lohne es sich durchaus, die Hilfe einer Marketingagentur in Anspruch zu nehmen. „Das zahlt sich langfristig aus“, ist sich Benz sicher.
KI-basierte Suchen werden die digitale Sichtbarkeit von Handwerksbetrieben zunehmend prägen. Wer seine Inhalte konsequent an echten Kundenfragen ausrichtet, Referenzen aktuell hält und digitale Vertrauenssignale stärkt, erhöht seine Chancen, von KI-Systemen als verlässliche Adresse empfohlen zu werden.