
Schon seit sie 16 Jahre alt, ist plant Jaime Bolz auf die Walz zu gehen. Was damals als Schülerin eine Idee war, setzt die 22-jährige Handwerkerin nun in die Tat um. „Für mich ist das etwas Unausweichliches“, sagt die ausgebildete Steinmetzin aus Meßkirch, die plant im kommenden Jahr das große Abenteuer zu starten.
Noch sei sie allerdings auf der Suche nach einem Exportgesellen. „Das ist jemand, der einen losbringt, die Regeln erklärt und am Anfang begleitet“, gibt sie einen Einblick über die ersten vier Monate am Anfang jeder Walz. In der Zeit geben die erfahrenen Wandergesellen die Bräuche weiter und wichtige Tipps.
Nicht alles für die Öffentlichkeit: Gut gehütete Geheimnisse
„Für die Walz gibt es viele Regeln und Geheimnisse, die gut gehütet werden“, erzählt sie. Es gäbe unterschiedliche Gruppen, die Schächte, die Informationen nur innerhalb der Vereinigung weitergeben. Eine eigene Welt, in die man sich Zugang verschaffen muss.
Auf einer Sommerbaustelle treffen sich jährlich Wandergesellen, arbeiten und tauschen sich aus. Diesen September im Harz. „Da gehe ich auf jeden Fall hin“, sagt Jaime. Drei Jahre und einen Tag sind die Wandergesellen traditionell unterwegs und dürfen drei Monate keinen Kontakt nachhause aufnehmen. Danach können sie Briefe schreiben oder telefonieren, ein eigenes Mobiltelefon ist aber tabu.
Traditionelles Handwerk in Thailand entdecken
Dass sie als Frau auf die Walz geht, findet sie nicht problematisch. „Allerdings muss ich mir gut überlegen, in welche Länder ich gehe. In einigen werde ich als Frau keine Arbeit finden.“ Und sie hofft darauf, mit jemanden gemeinsam reisen zu können. „Ich möchte auf jeden Fall nach Thailand.“
Jaime ist auch Holzbildhauerin, hat diese Ausbildung neben dem Abitur an der der Heimschule Kloster Wald im Landkreis Sigmaringen gemacht und möchte in Thailand ins traditionelle Handwerk eintauchen. „Sie schnitzen noch viel mit Holz. Das interessiert mich sehr. Ich arbeite lieber mit Holz und auch gerne kreativ, figürlich, filigran.“
„Frauen können nicht nur soziale Berufe“
Die Arbeit mit Stein sei körperlich anstrengend, aber in dem Betrieb, in dem sie arbeitet, Eduard Schnell in Fridingen an der Donau, habe man ihr als Frau nicht weniger zugetraut. „Ich habe immer gedacht, was die Jungs schaffen, schaffe ich auch – auch wenn ich länger brauche oder dafür einen anderen Weg finden muss. Wir Frauen können ja nicht nur soziale Berufe. Wenn einen im Handwerk die richtigen Menschen unterstützen, dann wird einem schnell klar ‚Ich kann voll viel‘ und das ist etwas sehr Schönes.“