
Das Handwerk im Kammergebiet Konstanz ist verhalten ins Jahr 2026 gestartet. Die aktuelle Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Konstanz zeigt, dass sich sowohl die Bewertung der Geschäftslage als auch die Erwartungen der Betriebe im ersten Quartal deutlich eingetrübt haben.
„Die wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten spüren wir alle, auch das Handwerk in unserer Region“, sagt Werner Rottler, Präsident der Handwerkskammer Konstanz. Um die Wirtschaft zu entlasten, müsse die Politik nun dringend reagieren. „Sämtliche Abgaben und Lasten müssen auf den Prüfstand, und zwar schnell,“ fordert Rottler.
Stimmung trüber als im letzten Quartal
Zum Jahresbeginn bewerten 41 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut (4. Quartal 2025: 44 Prozent), 37 Prozent als befriedigend und 22 Prozent als schlecht. Auch die Auftragslage hat sich abgeschwächt: Während 17 Prozent der Betriebe steigende Auftragseingänge melden, berichten 40 Prozent von einem Rückgang. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Betriebe mit geringerer Auslastung zu: 32 Prozent arbeiten derzeit mit höchstens 60 Prozent ihrer Kapazitäten.
Kosten und Unsicherheiten bremsen Entwicklung
Neben der schwächeren Nachfrage sorgen vor allem steigende Kosten für Druck in den Betrieben. Ein Großteil der befragten Unternehmen berichtet von höheren Einkaufspreisen. Die jüngsten Preisentwicklungen im Zuge des Iran-Konflikts verstärken diese Belastungen zusätzlich. Steigende Energiepreise, höhere Bauzinsen sowie zusätzliche Belastungen durch Mindestlohn, CO₂-Bepreisung und Sozialabgaben setzen das Handwerk zunehmend unter Druck.
Beschäftigung bleibt weitgehend stabil
Trotz der angespannten Situation zeigt sich der Arbeitsmarkt im Handwerk vergleichsweise robust. Drei Viertel der Betriebe haben ihre Mitarbeiterzahl im ersten Quartal unverändert gehalten. „Das zeigt die langfristige Perspektive vieler Handwerksbetriebe“, betont der Präsident. „Fachkräfte sind schwer zu gewinnen. Deshalb versuchen die Unternehmen auch in schwierigeren Phasen, ihre Teams zusammenzuhalten.“
Branchen mit unterschiedlicher Entwicklung
Zwischen den einzelnen Gewerken zeigen sich deutliche Unterschiede. Das Bauhauptgewerbe bewertet seine aktuelle Lage weiterhin am positivsten, wenn auch mit spürbarem Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Auch das Ausbaugewerbe liegt weiterhin im positiven Bereich. Stärkere Rückgänge melden etwa das Nahrungsmittelgewerbe sowie das Kfz-Handwerk.
Erwartungen vorsichtig
Für das kommende Quartal erwarten 28 Prozent der Betriebe eine Verbesserung ihrer Geschäftslage, während 25 Prozent mit einer Verschlechterung rechnen. Auch bei den Investitionen zeigt sich das Handwerk zurückhaltend: 51 Prozent gehen von gleichbleibenden Investitionen aus, 31 Prozent von rückläufigen, 18 Prozent von steigenden.
Hintergrund zur Konjunkturumfrage
Vierteljährlich werden Handwerksbetriebe der acht baden-württembergischen Handwerkskammern Freiburg, Heilbronn-Franken, Karlsruhe, Konstanz, Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald, Region Stuttgart, Reutlingen und Ulm zur wirtschaftlichen Lage befragt. Die Erhebung erfolgt im Regelfall in den letzten beiden Wochen eines Quartals. Seit Anfang 2026 werden die Erhebungen als Online-Befragung durchgeführt. Zuvor erfolgte die Umfrage telefonisch. Die aktuelle Umfrage fand vom 9. bis zum 22. März 2026 statt.
Weitere Informationen
Ausführlicher Konjunkturbericht für das 1. Quartal 2026