
Als er sich entschließt, einen Handwerksbetrieb zu übernehmen, ist Klaus Leufen erfolgreicher Berater für international tätige Unternehmen. Noch 2019 ist der Maschinenbauingenieur in der Flugzeugwartung tätig. Doch globaler Wettkampf, Kostendruck und Zielvorgaben hinterlassen ihre Spuren und bringen Leufen dazu, einen anderen Weg einzuschlagen. Mit Mitte 50 übernimmt er die Bootssattlerei Hildra in Bodman-Ludwigshafen am Bodensee.
Leufen konzentriert sich seitdem auf das, was er direkt nach der Schule in seiner Ausbildung zum Bootssattler gelernt hat. Das Handwerk erdet ihn wieder und nimmt Tempo aus seinem Leben. „Die Arbeit hier gibt mir eine innere Zufriedenheit, die ich lange nicht mehr gespürt hatte“, sagt er. „Ich habe das Gefühl, am richtigen Platz zu sein.“ Er habe eine Expertise wie kaum ein anderer. Das schaffe Stabilität. Auch die Nähe zum Wasser ist ihm immer wichtig gewesen. „Ich bin am Bodensee aufgewachsen. Der See gehörte immer dazu.“
Unterstützung von der Handwerkskammer
Geplant war die Betriebsübernahme nicht. Eher durch Zufall stieß Leufen über die Plattform Nexxt Change auf die Bootssattlerei. Der 61-Jährige bezeichnet das heute als Wink des Schicksals. Den Übergabeprozess hat die Handwerkskammer Konstanz begleitet.
In diesem Jahr feiert er mit dem Betrieb, in dem er vier Mitarbeiter und zwei Aushilfen beschäftigt, das 40-jährige Bestehen und schaut optimistisch in die Zukunft. Seit der Übernahme hat er Hildra als Manufaktur strategisch neu ausgerichtet und setzt auf hochwertige individuelle Anfertigungen. Die Bootssattlerei produziert in Handarbeit Verdecke, Persenninge, Innen- und Aussenpolsterungen, Sonnenschutz und Schlafsysteme.
„Wir legen Wert auf Qualität in jeder Hinsicht, absoluten Kundenfokus, geschmackvolles und funktionales Design und lange Haltbarkeit der Produkte. Meine Erfahrung als Manager hat mir bei der Neuausrichtung geholfen“, sagt Leufen. „Es fiel mir leichter, Risiken einzugehen. Außerdem haben wir bestimmte Prozesse umgestellt und verwenden heute viele digitale Hilfsmittel.“
Aufträge an der Riviera, der Côte d’Azur und am Gardasee
Für ihn zählt nicht die Masse an Aufträgen, und das wissen Kunden aus ganz Europa zu schätzen. Der Bootssattler hat einen großen Aktionsradius und ist neben dem Bodensee und dem Rhein in Häfen an der Côte d’Azur, der Riviera, dem Zürichsee, im Tessin oder dem Gardasee unterwegs. Für die individuellen Kundenwünsche nimmt er dort Maß, wo die meisten hochwertigen Segel- und Motorboote liegen. Wenn Leufen unterwegs zu den Schiffen der Kunden ist, wird er durch einen sehr gut funktionierenden Innendienst unterstützt. So kann er sich vollkommen den technischen Dingen widmen. „Wir haben es gut gemacht“, schaut Leufen zurück. Das finanzielle Ergebnis stimmt.
Zum Handwerk kam Klaus Leufen durch Zufall. Wie so viele hatte er nach der Schule keine konkreten Vorstellungen von einem Beruf. Beim Arbeitsamt wurde ihm die noch neue Ausbildung vorgeschlagen, und er war einer der ersten Auszubildenden zum Bootssattler. „Mich hat damals überzeugt, dass man viel in verschiedenen Häfen unterwegs ist und mit Booten zu tun hat“, erinnert er sich.

Vom Fischerboot bis zur Luxusyacht
„Der Beruf ist sehr kreativ. Er ist eine Mischung aus Design und handwerklichem Fachwissen. Wir arbeiten mit unterschiedlichsten Materialien wie Leder, Holz, Stoff und Metall. Da jedes Boot anders ist, wiederholen sich die Aufträge auch nie“, erklärt der Bootssattler. Genauso unterschiedlich sind seine Kunden – vom erfolgreichen Unternehmer über den kleinen Fischer bis hin zur Feuerwehr. Aber auch Bootswerften bestellen eine Erstausstattung für die neugebauten Boote bei ihm.
Ein Auftrag ist Leufen dabei besonders in Erinnerung geblieben: eine Persenning für eine 30 Meter lange Segelyacht, eine Swan 98. „Wir haben 450 Quadratmeter Stoff verarbeitet, die insgesamt 180 Kilogramm gewogen haben“, beschreibt der Bootssattler die Dimensionen. Ausgemessen hatte er das Boot direkt im Hafen in Genua und die Schnittmuster mit an den Bodensee genommen.
Team meistert auch schwere Aufträge
Auf der Swan saß die Persenning, wie sie sollte – trotz der enormen Dimensionen. „Es ist beeindruckend, wie gut das Team in der Sattlerei zusammenarbeitet. Das zeigt sich an solchen Aufträgen“, lobt der Betriebsinhaber seine Mitarbeiter.
Es sei wirklich schwer, Fachkräfte in seinem Gewerk zu finden und so tut Leufen viel dafür, dass seine guten Mitarbeiter zufrieden sind. Wichtig ist dem Betriebsinhaber, dass die Mitarbeiter mit guter Laune und Freude bei der Arbeit sind und dass der Lohn am Ende des Monats für alle stimmt. „Wir setzen vernünftige Preise, damit wir unsere Mitarbeiter richtig bezahlen können. Das hat etwas mit Anerkennung zu tun. Vielen ist der Wert des Handwerks nicht klar. Aber unsere Produkte haben eine hohe Qualität, weil wir erfahrene Mitarbeiter haben, die teilweise schon 20 Jahre ihren Job machen und dieses Wissen einsetzen.“
Weitere Informationen
Landesprojekt Next Generation Handwerk
Nachfolge-Beratung der Handwerkskammer
Kostenfreie Veranstaltung „Betriebsübernahme erfolgreich starten“
17. April 2026, 14:00 – 17:00 Uhr, Bildungsakademie Waldshut
17. Juli 2026, 14:00 – 17:00 Uhr, Kulturhaus im Bürgerpark (Tuttlingen)
16. Oktober 2026, 14:00 – 17:00 Uhr, Bildungsakademie Singen
20. November 2026, 14:00 – 17:00 Uhr, Bildungsakademie Rottweil