
Für viele Handwerksbetriebe klingt es attraktiv, Mitarbeiter über einen Minijob zu beschäftigen. Doch Viola Bischoff, Rechtsexpertin bei der Handwerkskammer Konstanz, rät genau nachzurechnen, da Midi-Jobs mitunter die bessere Wahl sind:
„Mini-Jobber haben Anspruch auf bezahlten Urlaub, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und den gesetzlichen Mindestlohn – in vielen Gewerken auf höhere Branchenmindestlöhne. Dadurch reduziert sich die Arbeitszeit schnell auf etwa zehn Stunden pro Woche. Steigende Mindestlöhne führen direkt zu weniger verfügbarer Arbeitsleistung. Zusätzlich werden für Mini-Jobber hohe pauschale Sozialabgaben und Umlagen fällig, die Arbeitgeber tragen müssen. Das sind höchstens 31,17 Prozent des Verdienstes.
Mini-Jobber sind auch nicht eigenständig krankenversichert. Bei längeren Ausfällen kann das ein organisatorisches und wirtschaftliches Risiko sein. Außerdem haben Minijobber keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld.
Für viele Handwerksunternehmen lohne sich deshalb ein Blick auf den Midi-Job. Dieser gilt für Beschäftigungen mit einem monatlichen Brutto-Verdienst zwischen 603,01 und 2.000 Euro. Damit liegt er zwischen Mini-Job und regulärer Anstellung und ist sozialversicherungspflichtig. Die Sozialversicherungsbeiträge fallen gleitend von 28 auf etwa 20 Prozent bei der oberen Verdienstgrenze.
Außerdem haben Midi-Jobber Anspruch auf Kurzarbeitergeld. Betriebe sollten die Verdienstgrenzen bei Midi-Jobbern regelmäßig prüfen, denn ein Überschreiten der Obergrenze führt zu einer voll sozial versicherungspflichtigen Beschäftigung.
Dann können die Abgaben wieder steigen.
Mini-Jobs bieten also Flexibilität, können jedoch zur Kostenfalle werden. Gerade im Handwerk ist der Midi-Job häufig die wirtschaftlich sinnvollere Alternative, wenn Arbeitszeiten, Mindestlöhne, Sozialversicherungsbeiträge und betriebliche
Risiken realistisch kalkuliert werden.
Bei Anpassung der Arbeitszeit oder beim Einsatz mehrerer Mini-Jobber sollten die Stundensätze genau berechnet werden. Flyer oder Tools zur Berechnung der Handwerkerstunde helfen, die Kosten transparent zu halten.
Mini-Jobs sind praktisch, dürfen aber nicht zur Kostenfalle werden.“
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