Neue Technologien hautnah erleben konnten die rund 20 Teilnehmer im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Strategie gewinnt" der Handwerkskammer Konstanz bei 3D-Labs in St. Georgen. Im Bild: (v. l.) Erwin Fehrenbacher von der Schreinerei Flaig und Peter Reinert von Reinert Innovativer Klavierbau.
Handwerkskammer Konstanz
Neue Technologien hautnah erleben konnten die rund 20 Teilnehmer im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Strategie gewinnt" der Handwerkskammer Konstanz bei 3D-Labs in St. Georgen. Im Bild: (v. l.) Erwin Fehrenbacher von der Schreinerei Flaig und Peter Reinert von Reinert Innovativer Klavierbau.

Zukunft in Echtzeit

Was der 3D-Druck heute schon kann - und was nicht

„Revolution aus dem Drucker“, „3D-Druck erobert Produktion“ und „Handwerk 2.0“: Hinter den großen Schlagzeilen zum 3D-Druck verbergen sich oft wenig spezialisierte Informationen für Handwerksbetriebe. Um Licht ins Dunkel zu bringen, hatte die Handwerkskammer Konstanz ihre Mitglieder zur Veranstaltung „3D-Druck: Neue Technologien hautnah“ in die 3D-LABS nach St. Georgen eingeladen.

Maurice Scheer und Gerhard Duda, die Geschäftsführer von 3D-LABS, gaben den Teilnehmern nicht nur einen theoretischen Überblick, sondern sie konnten bei einem Rundgang verschiedene 3D-Drucker in Aktion beobachten. Dabei standen fünf additive Fertigungsverfahren im Fokus.

Fünf Verfahren im Fokus

Beim „Material Jetting“ wird ein Kunststoff auf eine Bauplattform gesprüht. Das ermögliche, laut Scheer, zwar die beste Detaildarstellung, doch die Materialien seien wenig belastbar und extrem kostenintensiv. Das „selektive Lasersintern“ stellt hingegen mit einem Laser räumliche Strukturen aus einem pulverförmigen Ausgangsstoff her. Dies sei ein Verfahren, das Kleinserien manage, jedoch einen pulverisierten Look mit sich bringe. Ein weiteres pulverbasiertes Verfahren ist die „Multi Jet Fusion“-Technologie mittels Druckkopf. Sie biete eine einfache Handhabung des Prozesses, der Nachteil sei jedoch eine geringe Kantenschärfe. Scheer stellte außerdem die „Stereolithografie“ vor, die durch Aushärten eines Harzes „druckt“, und das „direkte Metall-Lasersintern“, das eine Stützstruktur braucht, die nachträglich wieder entfernt werden muss. Ein Handwerksbetrieb müsse dafür mit einem Investment von rund 700.000 Euro rechnen, andere Verfahren sind nach Auskunft des Experten günstiger.

Viele warten noch ab

Für Markus Müller von der Leopold Müller Schreinerei ist der 3D-Druck aktuell keine Option: „Es ist interessant, aber komplex und recht teuer. Ich denke, für einen Handwerksbetrieb ist es weniger gedacht, eher für eine Entwicklungsabteilung.“ Auch Berthold Flaig von der Schreinerei Flaig sieht momentan keine konkreten Einsatzmöglichkeiten: „Am ehesten könnte ich es mir noch im Bereich Muster oder Formen-/Schablonenbau vorstellen, aber aktuell ist das noch kein Thema bei uns.“

Den 3D-Druck im Zusammenarbeit mit einem Unternehmen wie 3D-LABS umzusetzen, sieht Peter Reinert von Reinert Innovativer Klavierbau als interessante Möglichkeit: „Jedes Klavier hat eine Tastatur, die genormt ist. Es gab ungefähr vor 100 Jahren die Entwicklung, die Tastatur zu verändern. Um keine aufwendigen Formen oder Produktionsschritte ausführen zu müssen, kann man mit dem 3D-Druck sehr leicht Prototypen erstellen. Auch im Bereich Stummschaltungen, Midifizierung von Klavieren, kann man Kunststoffteile gut brauchen.“

Eins steht fest: Das grundsätzliche Interesse an den additiven Fertigungsverfahren ist vorhanden. Ob es (bereits jetzt) für den eigenen Handwerksbetrieb das richtige ist, entscheidet sich im Einzelfall. Duda rät deshalb, Beratung in Anspruch zu nehmen: „Bei einer Idee sollten Sie auf Dienstleister wie uns zugehen und nachfragen. Wir sind auch gewillt, einfach mal Bauteile mitlaufen zu lassen.“



 

Die W-Fragen zum 3D-Druck – beantwortet von Gerhard Duda von 3D-LABS:

Wer ist die Zielgruppe?

Der 3D-Druck ist für sämtliche Branchen nutzbar; für jeden, der eine Idee hat. Meistens hat es etwas mit Entwicklung und Konstruktion zu tun. Es ist beispielsweise für die Medizintechnik interessant, weil man speziell auf den Patienten angepasste Modelle anfertigen kann.

Was kosten 3D-Drucker?

Nach oben gibt es keine Grenzen. Aber um Zahlen zu nennen: Es geht bei 15.000 Euro los bis hoch zu einer Dreiviertelmillion.

Wann ist die „Haltbarkeitsdauer“ eines 3D-Druckers erreicht?

Es ist nicht so, dass man sich alle zwei Jahre einen neuen Drucker kaufen muss, wie es manchmal propagiert wird. Unsere Technologien in den 3D-Labs sind mitunter schon mindestens 15 Jahre alt und immer noch up to date.

Wo findet man Informationen?

Es gibt ein paar Hauptmessen, die jährlich stattfinden. Das ist einmal die Rapid.Tech in Erfurt, die im Juni stattfindet und die Leitmesse Formnext in Frankfurt im November. Der Interessent kann natürlich auch gerne zu uns kommen. Wir beraten zu allen Systemen auf dem Markt.

Wie sieht die Zukunft aus?

Wir von 3D-Labs sehen den Trend Copyshop. Es wird wohl in jeder Stadt irgendwo professionelle Printer geben. Und die Zukunft besagt, dass wir später nur noch die Daten kaufen, wie bei Amazon, und diese dementsprechend an den Copyshop senden, der die Teile druckt.

Warum sollte niemand um seinen Arbeitsplatz fürchten?

Mit 3D-Druck werden keine Arbeitsstellen wegrationalisiert, ganz im Gegenteil. Zum 3D-Drucken kann man sogar Leute einstellen. Nicht für den 3D-Druck als solches, aber für die Konstruktion, die Vor- und Nacharbeit. Da wird immer noch selbst Hand angelegt und da ist Know-how gefragt.

Zur Veranstaltungsreihe 2019 "Strategie gewinnt"
herrmann

Constanze Herrmann

Wirtschaftsförderung und Unternehmensservice
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