Prüfer
Handwerkskammer Konstanz
Prüfer aus Leidenschaft: (v. l.) Selina Werner, Martin Vogel und Carmen Kammerer.

So besteht das Handwerk

Ehrenamtliche Prüfer sichern Qualität und Praxisnähe der Aus- und Weiterbildung

"Bestanden!“ Wer diesen Stoßseufzer der Erleichterung jemals gehört oder ausgerufen hat, weiß, dass es fast kein schöneres Wort gibt. Vor allem, wenn die gesamte berufliche Zukunft davon abhängt – so wie bei all den Gesellen und Meistern, die das Handwerk Jahr für Jahr hervorbringt. Außer den fast 2.000 Gesellen- und Abschlussprüfungen, die in der Regel zweimal im Jahr durchgeführt werden, gibt es in vielen Gewerken Zwischenprüfungen zur Ermittlung des Ausbildungsstandes. Auch Umschulungsprüfungen und sogenannte Externenprüfungen für Menschen, die einen Berufsabschluss ohne vorhergehende Ausbildung erwerben wollen, finden ab und an statt. Ein besonderes Highlight im Prüfungskalender: Die Meisterprüfungen, zu denen im Kammerbezirk Konstanz jährlich über 300 Gesellinnen und Gesellen antreten. Dazu kommen rund 600 weitere Fortbildungsprüfungen vom Betriebswirt bis zum Gebäudeenergieberater.

Für den erfolgreichen Abschluss einer Aus- oder Weiterbildung sorgen aber nicht nur die Prüflinge selbst zusammen mit ihren Ausbildern, Lehrern und Dozenten. Im wahrsten Sinne entscheidend sind am Ende diejenigen, die schon ein Stück weiter sind und der nächsten Generation die Türe öffnen: die 1.150 ehrenamtlichen Prüferinnen und Prüfer in den Meister-, Fortbildungs- und Gesellenprüfungsausschüssen der Handwerkskammer Konstanz. Erst ihr Engagement ermöglicht den erfolgreichen Berufs- oder Weiterbildungsabschluss, sichert die Qualität der Prüfungen und trägt zur ständigen Weiterentwicklung einer praxisnahen Aus- und Weiterbildung bei.

Doch wie wird man Prüfer? Was sollte man mitbringen? Wie hat sich das Prüfungswesen in den letzten Jahrzehnten verändert und wohin wird die Reise gehen? Drei junge Prüfer berichten von einer Aufgabe, ohne die das Handwerk nicht bestehen könnte.

„Eigene Prüfung noch frisch im Gedächtnis“

Selina Werner prüft angehende FriseurmeisterInnen

Die Meisterprüfung der Friseure in der Bildungsakademie Rottweil – für viele junge Menschen ist sie ein Meilenstein in ihrer Karriere im Handwerk. Unter ihnen: Selina Werner, 24 Jahre jung. Doch statt Bibbern vor der eigenen Prüfung heißt es für sie Konzentration auf alle Prüfungen. Denn Selina Werner steht auf der anderen Seite des Klassenzimmers, sie ist seit dem vergangenen Jahr Mitglied der Meisterprüfungskommission der Friseure.

Trotz ihres jungen Alters hat die Friseurmeisterin bereits einen langen Karriereweg hinter sich. Nach der Gesellenprüfung 2015 folgte 2017 der Meistertitel. „Während meiner Meisterausbildung habe ich zudem das Angebot bekommen, an der Meisterschule zu unterrichten, wenn ich meinen Betriebswirt draufsetze. Ich habe dann im Anschluss ein halbes Jahr meinen Betriebswirt in Vollzeit gemacht und arbeite jetzt vier Tage die Woche im Salon und einen Tag unterrichte ich in der Meisterschule in Stuttgart“, erzählt Selina Werner. Wichtige Erfahrungen, die sie bei ihrer Prüfertätigkeit unterstützen. Dass sie erst 24 ist, sieht die Schrambergerin nicht als Hindernis. „Es kann sogar ein Vorteil sein, wenn die eigene Prüfung noch frisch im Gedächtnis ist. Man kann sich noch einmal besser in die Leute hineinversetzen und auch der ganze Unterrichtsstoff ist noch präsent. Auf der anderen Seite fehlt mir natürlich die Routine, die andere Leute schon haben, die das jahrelang machen“, so Werner.

Im Oktober ist Selina Werner zum dritten Mal als Prüferin dabei, dieses Mal bei der praktischen Prüfung. „Natürlich ist man stolz darauf, Mitglied in der Meisterprüfungskommission zu sein, andere Leute auf ihrem Weg zu begleiten und auch motivierend mitwirken zu können“, so die 24-Jährige, die auch ihren Berufskollegen eine Prüfertätigkeit nahelegt. „Man kann es auf jeden Fall gut mit dem Alltag vereinbaren. Es ist einmal im halben Jahr, vielleicht auch mal zwei oder drei Tage. Außerdem bekommt man die Stunden und die Fahrtkosten erstattet. Es ist auf jeden Fall eine Erfahrung wert.“

Ihr Tipp: „Ich würde mir von Betrieben wünschen, dass sie Meisterschüler in Teilzeit unterstützen, indem die Freizeit besser aufgeteilt werden kann und auch Modelle aus dem Salonalltag herausgenommen werden dürfen. Und vielleicht auch, dass ein Teil der Gebühren vom Betrieb übernommen wird. Der Meister ist oft auch eine Kostenfrage.“

Selina Werner
Handwerkskammer Konstanz
Jung, aber erfahren: Friseurmeisterin Selina Werner, Mitglied im Meisterprüfungsausschuss Friseure in Rottweil.



Martin Vogel
Handwerkskammer Konstanz
Schreinermeister Martin Vogel setzt auf Weiterbildung - als Prüfer in Waldshut und auch im Berufsalltag.

„Nicht betriebsblind werden“

Schreinermeister Martin Vogel sieht Ehrenamt als Chance

Die Meisterprüfung der Schreiner in Waldshut ist für Martin Vogel nicht nur eine Möglichkeit, fachlich am Ball zu bleiben und einen Ausgleich für den beruflichen Alltag zu schaffen. Sie ist für den Prüfer auch eine Chance, mit anderen Betriebsinhabern und Prüfern in Kontakt zu kommen bzw. sich auszutauschen.

Seit 2015 ist Martin Vogel Mitglied im Meisterprüfungsausschuss in Waldshut. Mit seinen 38 Jahren zählt er zu den jüngsten Prüfern im Bezirk der Handwerkskammer Konstanz. Seinen eigenen Meister hat der Waldshuter jedoch, entgegen dem Trend, mit Mitte 30 gemacht: „Bei mir war es relativ spontan, dass ich 2013/2014 am Meisterkurs in Waldshut teilgenommen habe. Mittlerweile ist es so, dass Gesellen oft im Anschluss in die Meisterprüfung gehen, was meiner Meinung nach nicht immer sinnvoll ist. Manchmal würde man sich ein bisschen mehr Erfahrung bei den Prüflingen wünschen“, so Vogel.

Dass der Trend zu jungen Meistern geht, sieht Martin Vogel im Fachkräftemangel begründet, der sich auch im Schreinerhandwerk bemerkbar macht. Umso wichtiger sei es für Betriebsinhaber, up to date zu bleiben. „Ich bilde mich als Prüfer mit Fachliteratur und Fachmagazinen fort. CAD-Aufbauseminare und CNC-Weiterbildungen gehören ebenfalls dazu. Außerdem bin ich auf Messen unterwegs. Dieses Jahr in Nürnberg und Mailand“, erzählt Vogel. Auch seine Prüfertätigkeit sieht der Schreinermeister als Weiterbildung: „Man bekommt neue Ideen und einen anderen Blickwinkel. Irgendwann wird man sonst betriebsblind.“

Sein Tipp: „Eine gute Vorbereitung ist wichtig für die Prüfung. Wenn die Prüflinge gut vorbereitet sind, dann brauchen sie keine Angst zu haben. Ich wünsche mir, dass Betriebsinhaber ihren Mitarbeitern Zeit dafür geben.“



„Wie ein kostenloses Update“

Carmen Kammerer ließ sich nicht lange bitten

Es ist leider keine Seltenheit: Ehrenämter werden oft vergeben, indem sich nach langer Suche irgendjemand dazu breitschlagen lässt. Nicht so bei Carmen Kammerer, Konditormeisterin aus Bösingen im Landkreis Rottweil. Nachdem sie ihre Meisterprüfung 2009 abgelegt hatte, suchte sie das Gespräch mit Gerhard Melber, Obermeister der Konditoren-Innung Konstanz-Oberschwaben-Bodensee: „Ich fand die Arbeit spannend und habe deshalb von mir aus gesagt, dass es mir gefällt und ich gerne in der Prüfungskommission mitmachen möchte.“

Die 33-Jährige ist heute nicht nur Mitglied im Gesellenprüfungsausschuss, sondern auch in der Meisterprüfungskommission, die in Rottweil neu gegründet wurde. „Es gab früher schon einmal eine Meisterprüfung in Rottweil, dann ganz lange Jahre nicht mehr und dann hat man mich gefragt, ob ich Lust hätte, bei der Meisterprüfung mitzumachen. Und weil es mir bei den Gesellen viel Spaß gemacht hat, habe ich gesagt, klar, das kann ich mir gut vorstellen, da bin ich dabei“, so Kammerer.

Den zeitlichen Aufwand nimmt die Mutter aus Bösingen gerne in Kauf: „Ich finde, es ist wie ein kostenloses Update, weil sich immer viel verändert und man neue Techniken mitbekommt. Das ist einfach spannend.“ Besonders gefällt der Konditormeisterin die Arbeit im Meisterprüfungsausschuss. „Wir haben ein tolles Team, da funktioniert alles wunderbar, auch mit den Terminen. Wenn jemand mal keine Zeit hat, dann kann jemand anderes vertreten. Ich fühle mich sehr wohl im Meisterprüfungsausschuss“, erzählt Kammerer.

Und auch ihr berufliches Team, die Auszubildenden, die sie als Konditormeisterin in der Meisterbäckerei Schneckenburger in Tuttlingen betreut, profitieren von Carmen Kammerers Prüfungstätigkeit: „Ich kann genau sagen, was sie trainieren müssen und wo sie Abzug bekommen könnten. Das ist auch meine Aufgabe in unserem Betrieb, dass ich die Azubis für die Prüfungen fit mache.“

Ihr Tipp: „Die Betriebe sind gefordert, ihre Azubis nicht nur als billige Arbeitskräfte zu nutzen, sondern ihnen etwas beizubringen. Auch gerade in Großbäckereien werden nicht alle Inhalte vermittelt, die ein Konditor oder eine Konditorin nachher können muss. Da muss man sich Tage oder zumindest Stunden Zeit nehmen, um diese Inhalte zu vermitteln, die man normal nicht im Betriebsalltag erlernen kann.“

Carmen Kammerer
Handwerkskammer Konstanz
Eine feste Stütze im Gesellen- und Meisterprüfungsausschuss: Konditormeisterin Carmen Kammerer.

 Prüfungen im Handwerk

Zur Prüfung der beruflichen Handlungsfähigkeit gehören in der Regel praktische und theoretische Aufgaben, außerdem Dokumentation, Präsentation und Fachgespräche. Dementsprechend sind auch die Prüfungsausschüsse mit Fachleuten und Praktikern besetzt. In der Handwerksordnung sind die Zusammensetzung von Prüfungsausschüssen und die Qualifikation der Mitglieder geregelt. Die Ausschüsse werden entweder von der Handwerkskammer, dem Regierungspräsidium oder von einer Innung errichtet. Die Mitglieder werden für eine einheitliche Periode, längstens für fünf Jahre, berufen oder gewählt.