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Regionales Handwerk kritisiert erweiterte Tachographenpflicht

Beschluss auf EU-Ebene für Handwerk nicht hinnehmbar

Gestern tagte der Verkehrsausschuss des europäischen Parlaments zum Thema Tachographenpflicht. Was in der Sitzung beschlossen wurde, ist für das mittelständisch geprägte Handwerk ein herber Schlag: Zukünftig sollen auch in Fahrzeugen zwischen 2,4 und 3,5 Tonnen digitale Tachographen zur Kontrolle der Lenk- und Ruhezeiten eingebaut werden, insofern sie den Radius von 100 km verlassen und grenzüberschreitend unterwegs sind. 

„Für uns im Handwerk ist das ein riesiger Aufwand. Es ist ja nachvollziehbar und sinnvoll, wenn der Güter- und Personenferntransport kontrolliert wird, um Berufskraftfahrer und andere Verkehrsteilnehmer besser zu schützen. Aber dann muss man die Tachographenpflicht auf die entsprechenden Branchen begrenzen und andere nicht zusätzlich belasten,“ fordert Gotthard Reiner, Präsident der Handwerkskammer Konstanz. 

Im Handwerk würden weder lange Fahrzeiten anfallen, noch seien Berufskraftfahrer am Steuer. „Handwerker nutzen ihre Fahrzeuge dazu, zum Auftragsort bzw. zur Baustelle zu gelangen oder die Brötchen auszuliefern. Da geht es nicht um lange Strecken wie im Transportgewerbe, so dass nicht nachvollziehbar ist, wieso wir durch die Ausweitung der Tachographenpflicht auf Fahrzeuge schon ab 2,4 Tonnen genauso behandelt werden wie Berufskraftfahrer im Fernverkehr.“

Nach erster Kritik aus dem Handwerk hat der Verkehrsausschuss zwar beschlossen, die Geltung der Tachographenpflicht im unteren Gewichtsbereich auf internationale Transporte zu beschränken. Für das Gebiet der Handwerkskammer Konstanz mit direkter Grenze zur Schweiz sei dies aber nicht zufriedenstellend. Reiner: „Grenzüberschreitende Tätigkeiten gehören in unserer Region auch im Handwerk zur normalen beruflichen Praxis. Die Tachogaphenpflicht würde also dennoch einige Handwerker treffen.“ 

Der Mehraufwand sei nicht akzeptabel. Reiner rechnet vor: „Für den Einbau eines Tachographen, die Anschaffung von Kontrollkarten und die Software kommen gut und gerne 1.500 Euro zusammen. Hinzu kommt der zeitliche Aufwand für die Wartungs- und Auslesepflichten,“ so Reiner. 

Der Handwerkskammerpräsident wünscht sich mehr Realitätssinn der EU-Parlamentarier. „Mittelstandsförderung sieht definitiv anders aus,“ sagt Reiner. Eine Ausweitung des Radius in der Handwerkerregelung auf 150 km und Ausnahmemöglichkeiten von der Tachographenpflicht für wenige längere Fahrten im Jahr wäre aus unserer Sicht ein Muss.