Lotst Betriebe auch durch stürmische Zeiten: Betriebsberater Walter Schulz von der Handwerkskammer Konstanz
Handwerkskammer Konstanz
Lotst Betriebe auch durch stürmische Zeiten: Betriebsberater Walter Schulz von der Handwerkskammer Konstanz

"Planung hört nicht auf"

Eine ausreichende Liquidität ist nicht nur im Krisenfall hilfreich - Betriebsberater Walter Schulz setzt auf besseres Controlling

Ein paar Wochen ohne oder mit weniger Kundschaft bei weiterlaufenden fixen Kosten: Ohne Soforthilfe hätte Corona das sofortige Aus für so manchen Betrieb bedeutet. Aber was, wenn keine Pandemie, sondern beispielsweise ein schlichter Wasserrohrbruch zu einem Totalausfall führt, die Versicherung aus irgendeinem Grund nicht zahlt und der Staat eben nicht in die Bresche springt? Für Walter Schulz, sei 30 Jahren betriebswirtschaftlicher Berater bei der Handwerkskammer Konstanz, gibt es darauf nur eine Antwort: „Vorausschauende Liquiditätsplanung“ heißt sein Zauberwort – und das nicht nur in Krisenzeiten.

„Egal was die Ursache für einen plötzlichen Umsatzeinbruch ist: Drei Monate sollten die Mittel reichen, um die fixen Kosten weiter tragen zu können“, sagt der Betriebswirt. Dahinter steckt eine einfache Überlegung: „Miete, Beiträge, Versicherungen, das alles kann man kündigen, aber eben mit Vorlauf. Deshalb braucht jedes Unternehmen eine ausreichend gefüllte ‚Kriegskasse‘“, so Schulz. Nach seiner Erfahrung ist das aber nur bei höchstens 20 Prozent der Betriebe der Fall. Genauso viele hätten keinerlei Reserven und sorgten nicht für Eventualitäten vor, der Rest bewege sich irgendwo dazwischen, schätzt er.

Damit vernachlässigen Unternehmer allerdings einen wichtigen Teil ihrer Aufgabe. Schließlich gehört Liquidität, also die Fähigkeit und Bereitschaft, jederzeit seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, neben Rentabilität und Nachhaltigkeit zu den drei großen Zielen der Unternehmensführung.

Erfasst werden kann sie durch relativ einfache Kennzahlen: Da ist zum einen das Verhältnis aus flüssigen Mitteln, Forderungen und Tages-Wertpapieren zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten an einem bestimmten Zeitpunkt, also die Liquidität zweiten Grades, die laut Schulz bei mindestens 150 Prozent liegen sollte. Außerdem gilt es die Entwicklung im Blick zu behalten und damit den erweiterten Cashflow aus der Summe von Jahresüberschuss, Abschreibungen und Zinsen. Aus ihm werden wiederum Privatentnahmen, Ersatzinvestitionen beziehungsweise Rücklagenwerte sowie Zins und Tilgung finanziert. „Bleibt hier ein Überschuss, bewegt sich das System nach oben. Dann kann man sich aus Abhängigkeiten befreien und auch kritische Zeiten überstehen“, sagt Schulz.

Vor allem kommt es dem Controlling-Experten darauf an, dass Betriebe in die Zukunft denken, sich immer wieder mit ihrem Geschäftsmodell auseinandersetzen und von der Kalkulation bis zum Forderungsmanagement an allen Stellschrauben drehen. Die Grundlagen dafür vermitteln er und seine Beraterkollegen in regelmäßig stattfindenden Seminaren, deren Besuch er auch Bestandsbetrieben ans Herz legen möchte: „Planung ist ein Dauerzustand. Das hört mit der Gründung nicht auf.“

Zwei drei Stunden am Tag sollten sich Unternehmer diesen generellen Organisations-Aufgaben widmen – und dabei gerne die kostenfreie Beratung der Handwerkskammer in Anspruch nehmen. Ein Web-Seminar zur Planungsrechnung ist in Vorbereitung, auch individuell helfen Walter Schulz und seine Kollegen bei der Entwicklung neuer Strategien und der Einführung konkreter Controlling-Instrumente weiter. Sein dringender Rat: „Nutzen Sie die Krise, um sich für die Zukunft neu aufzustellen und steuern Sie Ihr Unternehmen aktiv.“ Das habe sich bei seinen Klienten – viele berät er von der Gründung an bis heute – bewährt: „Der ein oder andere ist auch mal in schwere Seenot geraten, aber er ist noch da. Man braucht eben ein stabiles Schiff, eine gute Verpflegung und einen wachsamen Steuermann: Dann sind Sturm und (Wetter fast) egal.“

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Walter Schulz

Unternehmensservice
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Betriebswirtschaftliche Beratung

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