Schmidt-Fahrzeugbau
Handwerkskammer Konstanz
Ihre Hundeboxen made in Eigeltingen exportieren Andreas Schuler und Anke Schuler-Schmidt in die ganze Welt. Umso mehr wissen sie die Vorzüge des europäischen Binnenmarkts zu schätzen.

"Ohne EU gäbe es mehr Bürokratie"

Schmidt-Fahrzeugbau in Eigeltingen profitiert vom EU-Binnenmarkt

Wer Schmidt-Fahrzeugbau in Eigeltingen-Honstetten besucht, fährt durch eine ländliche Idylle, rund 30 Kilometer entfernt von der Grenze zur Schweiz. Was einst als Fahrzeugbaubetrieb im Nebenerwerb von Walter Schmidt gegründet wurde, hat sich zum global agierenden Hersteller von hochwertigen, preisgekrönten Hundeboxen und Ladungssicherungssystemen entwickelt.

Hoher Aufwand für Zollformalitäten bei Aufträgen aus der Schweiz

„Wir produzieren vor allem für Privatkunden und haben einen hohen Exportanteil. Ein durchaus wichtiger Markt sind unsere europäischen Nachbarländer“, berichtet Andreas Schuler, der mit seiner Frau Anke Schuler-Schmidt das Familienunternehmen leitet. Die nahe Schweiz sei natürlich ganz vorne mit dabei – ein Nicht-EU-Land.  „Das macht alles etwas schwieriger und bürokratischer für uns, als wenn wir ins EU-Ausland liefern“, sagt Schuler und nennt ein Beispiel: „Wir haben vor einiger Zeit ein Fahrzeug aus Frankreich für eine Rettungshundestaffel ausgebaut. Dafür mussten wir einen Kleintransporter so einrichten, dass zehn Hunde darin Platz haben. Der Mercedes-Sprinter wurde hergefahren, wir haben die Hundeboxen angepasst und eingebaut und der Bus ging wieder zurück nach Frankreich. So einfach wäre es mit einem Auftrag aus der Schweiz nie gelaufen.“ Denn dann hätte das Unternehmen zuerst einmal ein Drittel des Fahrzeugpreises, über 30.000 Euro, als Kaution beim Zoll hinterlegen müssen, weil der Umbau als sogenannte Fahrzeugveredelung gilt. „Und wenn bei der formalen Abwicklung Fehler passieren, wird das Fahrzeug nach Fertigstellung bei der Wiedereinfuhr an der Grenze stillgelegt“, klagt Schuler.

Vorteile durch gemeinsamen Wirtschaftsraum

Anke Schuler-Schmidt und Andreas Schuler nehmen teilweise eine hohe Bürokratielast bei Aufträgen aus der Schweiz in Kauf, weil sie den Markt ebenfalls bedienen wollen. „Aber mal ehrlich, wenn wir diese immensen Zollformalitäten auch noch für unsere vielen Kunden aus Österreich, Frankreich oder Italien betreiben müssten, bräuchten wir mindestens zwei Mitarbeiter mehr. Da sind wir wirklich froh, den EU-Wirtschaftsraum ohne größere Hürden bedienen zu können“, sagt Andreas Schuler.

EU-weiter Fachkräftemarkt vereinfacht Mitarbeitersuche

Daher sei es aus seiner Sicht wichtig, an der EU-Wahl teilzunehmen: „Unsere Vertreter in Straßburg müssen die Basis schaffen, um weiterhin als gemeinsamer Wirtschaftsraum gegenüber anderen bestehen zu können.“

Auch die Personenfreizügigkeit sei ein wichtiger Punkt, denn nicht immer fände man Fachkräfte aus der näheren Umgebung. Derzeit hat Schmidt-Fahrzeugbau rund 50 Mitarbeiter, Tendenz steigend. „Als Unternehmen profitieren wir von durchlässigen Grenzen natürlich auch, wenn es um die Akquise von Mitarbeitern aus Ländern der EU geht. Das ist eben viel einfacher, als Fachkräfte aus anderen Ländern zu integrieren.“ So beschäftige das Unternehmen unter anderem Mitarbeiter aus Portugal, Polen und Kroatien.

Und Anke Schuler-Schmidt ergänzt einen weiteren Aspekt: „Unsere Kinder kennen es gar nicht mehr, den Ausweis zeigen zu müssen. Das ist eine große Errungenschaft und eben keine Selbstverständlichkeit“, so die Unternehmerin.