Junge schaut auf sein Smartphone.
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Immer auf Empfang: Wer Jugendliche erreichen will, sollte Angebote wie die Online-Lehrstellenbörse oder das digitale Azubi-Speed-Dating nutzen und möglichst auch im Internet und in den sozialen Medien ein gutes Bild abgeben.

Nachwuchswerbung auf allen Kanälen

Wer 2021 ausbilden will, muss neue Wege gehen - unsere Experten-Tipps

Ein Jahr lang ist es geglückt: Trotz zeitweiligen Betriebsschließungen, trotz Fernunterricht und erschwerten Bedingungen vom Praktikum bis zur Gesellenprüfung wurde die Corona-Krise im Handwerk nicht zur Ausbildungskrise. Lediglich einen leichten Rückgang bei den neuen Ausbildungsverträgen hatte die Handwerkskammer Konstanz im Dezember 2020 zu verzeichnen. Die Erfolgsquote der Gesellenprüfungen war genauso hoch wie in den Vorjahren.

Wer dieses Engagement auch im zweiten Jahr der Krise aufrechterhalten kann und will, könnte belohnt werden: „Wir gehen davon aus, dass Jugendliche und ihre Eltern gerade jetzt froh um Ausbildungsangebote im Handwerk sind. Schließlich hat das Handwerk seine Resilienz unter Beweis gestellt und kann derzeit trotz aller Erschwernisse ein reelleres Lernen ermöglichen als etwa ein Studium allein zuhause vorm PC“, meint Maria Grundler, Leiterin des Teams Nachwuchswerbung bei der Handwerkskammer Konstanz.

Nun komme es allerdings darauf an, die Ausbildungsangebote auch publik zu machen – und dazu möglichst alle zur Verfügung stehenden Kanäle zu nutzen. „Bis auf weiteres werden Ausbildungsmessen höchstens virtuell stattfinden und auch die regelmäßigen Schulpraktika sind auf unbestimmte Zeit verschoben. Dennoch gibt es eine Vielzahl neuer und auch altbekannter Möglichkeiten, um mit Jugendlichen in Kontakt zu kommen und für eine Ausbildung zu gewinnen. Damit sollten Betriebe jetzt schnellstmöglich starten“, so Grundler. Hier die wichtigsten Tipps der Expertin:

1. Direkte Kontakte nutzen

Als Handwerker haben Sie einen entscheidenden Vorteil: Sie kommen direkt mit Kunden in Kontakt. Und Kunden haben Kinder, Enkel, Nichten, Neffen, Nachbarn und Freunde. Diese Kontakte sollten Sie nutzen. Hinterlassen Sie beim nächsten Kundenbesuch also nicht nur einen guten Eindruck, sondern auch eine Visitenkarte und einen Flyer mit Informationen zum Ausbildungsberuf. Viele Innungen halten für ihre Mitglieder dazu kostenloses Werbematerial bereit, das sich leicht für den eigenen Betrieb individualisieren lässt.

2. Auch Print wirken lassen

Sie sind vielleicht ein bisschen aus der Mode gekommen, aber Zeitungsinserate haben bei der Azubi-Suche durchaus ihre Berechtigung. Mit einer Anzeige im Gemeindeblatt erreichen Sie zwar die Jugendlichen sicherlich nicht direkt, dafür aber ihre (Groß-)Eltern. Und die haben bei der Berufswahl ja öfters noch ein Wörtchen mitzureden. Professionelle Gestaltungsvorlagen, die Sie für Ihren Betrieb anpassen können, finden Sie im Werbeportal der bundesweiten Imagekampagne.

3. Den Schulterschluss mit Schulen suchen

Berufsorientierung droht in Zeiten des Homeschoolings ins Hintertreffen zu geraten. Werden Sie also von sich aus aktiv. Nutzen Sie entweder bestehende Kontakte etwa im Rahmen einer Bildungspartnerschaft oder fragen Sie den Ansprechpartner für Berufsorientierung, wie Sie sich und Ihr Ausbildungsangebot ins Spiel bringen können. Das könnte beispielsweise ein Vortrag im Online-Unterricht oder bei einer digitalen Berufsorientierungsmesse sein, für die manche Schulen Partnerbetriebe suchen. Wenn Sie einen Ihrer Azubis zum Ausbildungsbotschafter schulen lassen, kann er das für Sie übernehmen – und garantiert damit auch eine Ansprache auf Augenhöhe.

4. Digitale Angebote wahrnehmen

Nicht erst seit Corona gilt: Digital Natives sind immer und überall online unterwegs. Dort müssen Sie also hin, um direkten Kontakt zu potenziellen Auszubildenden zu knüpfen. Am einfachsten geht das über die kostenfreie Online-Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Konstanz: Hier können Sie freie Ausbildungsplätze bewerben, seit einiger Zeit auch mit Videos, die einen persönlichere Ansprache ermöglichen und einen authentischen Eindruck Ihres Betriebs und des Berufs wiedergeben.

Erstmals findet in diesem Jahr auch ein digitales Azubi-Speed-Dating statt. Dabei werden für den Zeitraum vom 1. März bis zum 30. April kurze Video- oder Telefonmeetings zwischen Betrieben und potenziellen Bewerben vereinbart.

Weitere Informationen zum Online-Azubi-Speed-Dating

5. Posten und posten lassen

Ganz auf der Höhe der Zeit präsentiert sich, wer sein Ausbildungsangebot über Social-Media-Kanäle bekannt macht. Dazu sollte man allerdings sowohl die Zielgruppe als auch die jeweiligen Gepflogenheiten auf Instagram, Facebook oder Co. gut kennen und für regelmäßige und gekonnte Beiträge einiges an Zeit und Mühe investieren. Auch dabei können die derzeitigen Auszubildenden höchst hilfreich sein: Lassen Sie sie doch im Rahmen eines Azubi-Projekts eine Social-Media-Strategie entwerfen und eigene Beiträge produzieren und posten. Das ist näher dran an der Zielgruppe und macht gleichzeitig den Azubis Spaß.

6. Karriereseite auf Hochglanz bringen

Egal auf welchem Weg Jugendliche auf Ihren Betrieb aufmerksam geworden sind: Zuerst einmal werden sie ihn googeln. Gut also, wenn die Karriereseite das verrät, was potenzielle Bewerber wissen wollen: Was machen die eigentlich? Wer arbeitet dort? Was kann ich dort werden? Und vor allem: Warum sollte ich gerade dort lernen und arbeiten?

Machen Sie sich also Ihre Stärken bewusst und zeigen Sie sie selbstbewusst nach außen. Geben Sie Einblicke in den Alltag und lassen Sie auch Ihre Mitarbeitenden sprechen. Das große Ziel: Jeder Neugierige sollte Lust bekommen, Teil des Teams zu werden.

7. Ausprobieren lassen

Auch wenn organisierte Schulpraktika noch längere Zeit ausfallen müssten: Auf freiwilliger Basis sollten Interessenten Praktika absolvieren dürfen, entweder in den Ferien oder nach Absprache mit der Schule. Mit den entsprechenden Hygieneregelungen, die Sie bei der Arbeit ja ohnehin beachten müssen, lässt sich das Infektionsrisiko für beide Seiten überschaubar halten.

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Maria Grundler

Recht und Bildung
Team Nachwuchswerbung
Teamleitung

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