Elektroniker David Wörner (links) und Zimmerer Nils Bender (rechts) freuen sich schon auf die Meisterprämie.
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Elektroniker David Wörner (links) und Zimmerer Nils Bender (rechts) freuen sich schon auf die Meisterprämie.

Mit Rückenwind zum Meisterbrief

Die neue Meisterprämie kommt im Handwerk der Region gut an

Zwölf, vierzehn Stunden auf den Beinen sein, arbeiten, lernen, planen, bauen: Seit über einem Jahr ist das der Alltag von Nils Bender. Der 22-jährige Zimmerer aus Hofwiesen (Landkreis Konstanz) hat sich allerdings auch viel vorgenommen: Er hat eine Firma gründet, ein Haus gekauft und ist gerade dabei, seinen Meister zu machen. Er hat also in großem Stil in seine Zukunft investiert. Das wird, wenn bei der demnächst bevorstehenden Prüfung alles gut geht, vom Land belohnt: 1.500 Euro Meisterprämie gibt es ab diesem Jahr für alle baden-württembergischen Handwerkerinnen und Handwerker, die ihre Meisterprüfung erfolgreich ablegen. Seit Anfang Mai können die Prämien bei der Handwerkskammer beantragt werden. „Das ist für viele ein Monatsgehalt und hilft definitiv weiter“, sagt Nils Bender.

Auch David Wörner, angehender Elektrotechniker-Meister aus Bad Dürrheim (Schwarzwald-Baar-Kreis), freut sich über die neue Prämie. Schließlich hat der 34-Jährige seinen Job an den Nagel gehängt, um sich an der Bildungsakademie der Handwerkskammer ein Jahr lang ganz dem Lernen widmen zu können. „Ich will einfach nicht stehen bleiben im Leben und mich immer weiterentwickeln“, sagt er. In den Jahren als Geselle und Obermonteur hat er deshalb Rücklagen gebildet und für die Zeit der Weiterbildung Aufstiegs-BAföG beantragt. Ohne familiäre Verpflichtungen und bei einem zeitweise „eher asketischen Lebensstil“ käme man damit zwar über die Runden, meint der Meisterschüler. Als Anerkennung sei die Meisterprämie aber allemal sehr willkommen.

Um diese Anerkennung geht es auch Handwerkskammerpräsident Werner Rottler: „Endlich gibt es auch finanziell eine Annäherung zwischen akademischer und beruflicher Bildung, für die ein Meisterschüler teilweise tief in die Tasche greifen muss. Es geht dabei um Wertschätzung, die durch die neue Meisterprämie zum Ausdruck kommt.“ Meister würden dringend gebraucht, ob als Fachkraft oder Unternehmer, und längst seien Karriere- und Verdienstperspektiven im Handwerk vergleichbar mit akademischen Bildungswegen. „Ich hoffe, dass auch in der Gesellschaft endlich ankommt, dass ein Studium nicht per se besser, sondern eben anders als ein beruflicher Bildungsweg ist“, so Rottler.

Das sehen die beiden Meisterschüler der Bildungsakademie genauso und haben mit dem Meisterbrief jede Menge vor. Nils Bender will seinen auf Holzmontage spezialisierten Betrieb weiter ausbauen und als selbständiger Zimmermeister mit drei bis fünf Mitarbeitern das anbieten, was bei größeren Unternehmen manchmal auf der Strecke bleibt: die kleinen, ganz individuellen Aufträge genau nach Kundenwunsch. „Darin sehe ich meine Zukunft, denn das können Maschinen nicht. Und es macht die Kunden glücklich“, sagt er. David Wörner hat andere Pläne: Er will sein künftiges Meister-Knowhow in ein bestehendes Unternehmen einbringen oder im Bereich Aus- und Weiterbildung für den handwerklichen Nachwuchs sorgen.

Zunächst ist für beide allerdings noch Lernen angesagt und dabei gilt es, selbst unter den durch Corona erschwerten Bedingungen die Motivation hochzuhalten. „Bislang hat es mit dem Online-Lernen gut geklappt. Ich bin ja gerade beim kaufmännischen Teil, da funktioniert das mit etwas Disziplin gut“, berichtet David Wörner. Nils Bender freut sich dagegen sehr, dass die Bildungshäuser der Handwerkskammer seit Anfang Mai schrittweise wieder geöffnet werden können. Bei ihm steht nämlich die Fachpraxis auf dem Programm – und da ist bis auf Zeichnen von zuhause aus wenig zu machen. Jetzt wird die Meisterprämie für zusätzlichen Rückenwind sorgen. Dass es gar nicht so weit kommen könnte? Undenkbar, zumindest für ihn und seine Kollegen: „Wir sind ein richtig starker Jahrgang, da ist Durchfallen keine Option.“