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Konjunkturbericht: Handwerker sind heiß begehrt

So zufrieden mit Auftragslage und Geschäftsaussichten wie im 2. Quartal waren die Betriebe im Kammergebiet lange nicht mehr

Volle Auftragsbücher, optimistischer Blick nach vorn und viele neue Arbeitsplätze in Planung: Die meisten Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Konstanz sind mit der aktuellen Geschäftslage hoch zufrieden und blicken voller Zuversicht auf die kommenden Monate. Das ist das Ergebnis der Konjunkturumfrage zum zweiten Quartal 2017, für die die Handwerkskammer Konstanz ihre Mitgliedsbetriebe in den Landkreisen Konstanz, Rottweil, Tuttlingen, Waldshut und Schwarzwald-Baar-Kreis um ihre Einschätzung bat.

Konjunktur in der Region hat zugelegt

„Die Handwerkskonjunktur im Kammerbezirk Konstanz hat im zweiten Quartal dieses Jahres noch einmal zugelegt. Die Stimmung in den Betrieben ist besser als im Jahr zuvor“, fasst Gotthard Reiner, Präsident der Handwerkskammer Konstanz, das Ergebnis der aktuellen Umfrage zusammen. In Zahlen: 79,89 Prozent der befragten Betriebe waren mit ihrer Geschäftslage zwischen April und Juni 2017 zufrieden, 3,47 Prozent klagten über eine schlechte Geschäftslage. Der resultierende Geschäftslagenindex aus positiven und negativen Bewertungen beträgt aktuell 76,4 Punkte und legte damit gegenüber dem Vorjahresquartal um 4,0 Zähler zu. Trotz voller Auftragsbücher beruhigt Reiner die Handwerkskunden, die längere Wartezeiten befürchten: „Das Handwerk wird sich immer bemühen, dringende Angelegenheiten abzuarbeiten und dem Kunden schnell zu helfen“, so Reiner.



Handwerke für gewerblichen Bedarf zufrieden

Allerdings läuft es nicht in allen Branchen gleich gut. An der Spitze der Zufriedenheits-Skala stehen die Handwerke für den gewerblichen Bedarf (z.B. Elektromaschinenbauer, Kälteanlagenbauer, Metallbauer, Gebäudereiniger, Feinwerkmechaniker). 95,45 Prozent der befragten Unternehmer bezeichneten ihre aktuelle Geschäftslage als gut (Vorjahresquartal 70,6 Prozent). Auf Platz zwei folgt das Ausbaugewerbe (z.B. Maler und Lackierer, Installateur und Heizungsbauer, Elektrotechniker, Tischler) mit 89,66 Prozent Betrieben mit guter Geschäftslage (Vorjahr 84,6 Prozent). Am schlechtesten bewerteten die personenbezogenen Dienstleister wie Friseure, Textilreiniger oder Kosmetiker die Geschäftslage.  61,11 Prozent gaben die Note gut. Im Nahrungsmittelgewerbe (Bäcker, Konditoren und Fleischer), im Vorjahr noch das Schlusslicht, hellte sich die Stimmung sprunghaft auf nun 66,67 Prozent positive Einschätzungen auf (Vorjahresquartal 35,3 Prozent).

Kfz-Betriebe rechnen mit Rückgang

Der Großteil der Handwerker im Kammerbezirk Konstanz blickt noch optimistischer in die Zukunft als vor einem Jahr. Am zuversichtlichsten ist das Ausbauhandwerk: 86,21 Prozent der befragten Betriebe rechnen damit, dass ihre künftige Geschäftslage weiterhin gut sein wird. Auf Platz zwei folgen die Handwerker für den gewerblichen Bedarf mit 81,82 Prozent guter Prognose. Etwas kritischer sind dagegen das Kfz-Gewerbe (Karosserie- und Fahrzeugbauer, Kraftfahrzeugtechniker) und die Gesundheitsbranche. 11,11 Prozent der Fahrzeug-Spezialisten rechnen damit, dass sich ihre Geschäftslage verschlechtern wird. Bei den Gesundheits-Experten rechnen 10,53 Prozent mit Einbußen.



Gute Auftragslage

Die Auftragsentwicklung aller befragten Betriebe im Kammerbezirk lag deutlich über dem Vorjahresquartal. 44,42 Prozent der Handwerker berichten von Auftragszuwächsen, 8,81 Prozent hatten weniger Arbeit. Mit einem Auftragssaldo von plus 35,6 Prozentpunkten liegt der Wert damit deutlich über dem schon guten Ergebnis des Vorjahres (plus 26,3 Prozentpunkte).

Die guten Geschäftsaussichten schaffen auch Arbeitsplätze. Dank der hervorragenden Auftragslage hat sich der Personalbedarf zwischen Hochrhein und Neckar derart erhöht, dass 18,5 Prozent der befragten Betriebe in den kommenden Wochen neue Stellen schaffen wollen (Vorjahr 12,0 Prozent). Nur 3,2 Prozent wollen die Mitarbeiterzahl verringern (Vorjahr: 6,5 Prozent).

 

Spannende Einblicke:

  • Betriebsauslastung: 13,9 Prozent der befragten Firmen arbeiteten im zweiten Quartal 2017 über ihre Kapazitätsgrenzen hinaus. (Vorjahresquartal 17,8 Prozent). 2,7 Prozent hatten noch nennenswerte Kapazitäten frei (Vorjahr: 11,0 Prozent)
  • Umsatz: 49,4 Prozent der Unternehmen meldeten eine Umsatzsteigerung. 6,9 Prozent machten weniger Umsatz.
  • Personal: 10 Prozent der Betriebe haben im abgelaufenen Quartal neue Mitarbeiter eingestellt. 8,8 Prozent haben Arbeitsplätze abgebaut.
  • Investitionen: 63,4 Prozent der befragten Handwerker haben in den vergangenen drei Monaten Geld in ihr Unternehmen investiert (Vorjahr: 59,9 Prozent). 60,1 Prozent wollen das auch im kommenden Quartal tun.

Die Befragung:

Vierteljährlich werden 1.000 Handwerksbetriebe aus den acht baden-württembergischen Handwerkskammern Freiburg, Heilbronn, Karlsruhe, Konstanz, Mannheim, Reutlingen, Region Stuttgart und Ulm per Telefoninterview befragt. Die Erhebung erfolgt jeweils in den letzten zwei Wochen des Quartals.

Das Handwerk in Baden-Württemberg:

  • 132.717 Betriebe
  • 48.418 Auszubildende
  • 788.000 Beschäftigte
  • Ca. 93 Mrd. Euro Umsatz