"Jahrelang politisch dafür eingesetzt"

Gotthard Reiner zum Mängelgewährleistungsrecht

Nach 118 Jahren endlich am Ziel? Die Einführung eines gesetzlichen Bauvertragsrechts und die Reform des Mängelgewährleistungsrechts zum 1. Januar 2018 könnten das vermuten lassen. Denn bislang kannte das Bürgerliche Gesetzbuch, seit 1900 das zentrale Werk des deutschen Privatrechts, keine speziellen Regelungen für den Bau. Und auch in der Frage, wer für die Aus- und Einbaukosten von mangelhaftem Material aufkomme, musste das Handwerk lange für sein Recht kämpfen.

Präsident Gotthard Reiner: "Jahrelang haben wir uns politisch dafür eingesetzt, dass es deutliche Verbesserungen für unsere Handwerksunternehmen beim Thema Gewährleistung gibt. Denn es kann doch nicht sein, dass Betriebe für die Mängel, die andere verursacht haben, zur Verantwortung gezogen werden. Da gab es beispielsweise den Fall eines Bodenlegers, der den Boden einer Turnhalle verlegt hatte – mit Material, dass allerdings Mängel aufwies. Der Boden musste wieder entfernt werden, ein neuer wurde verlegt. Gesamtkosten dieser Arbeit: rund 80.000 bis 90.000 Euro, auf denen der Unternehmer sitzen blieb, da ihm nur das Material ersetzt wurde. Kosten des Materials: rund 30.000 Euro. Das steht doch in keinem Verhältnis! Solche für das Handwerk existenzgefährdende Situationen aufgrund von Materialmängeln werden nun wohl der Vergangenheit angehören. Das neue Mängelgewährleistungsrecht nimmt die in die Pflicht, die Mängel tatsächlich zu verantworten haben. Es hat sich also gelohnt, dass die Handwerksorganisationen hier politisch dran geblieben sind und nicht locker gelassen haben –  das war nicht immer einfach, denn die Interessen der unterschiedlichen Lobbyisten gingen ja weit auseinander. Mit der jetzigen Lösung können wir aber mehr als zufrieden sein!"

gotthard.reiner@hwk-konstanz.de

Handwerkskammerpräsident Gotthard Reiner
Handwerkskammerpräsident Gotthard Reiner