Sie verschafften dem Publikum einen tiefen Einblick in das Thema Betriebsnachfolge: Die Experten von der Handwerkskammer Konstanz und vier Betriebsinhaber, die von ihren eigenen Erfahrungen berichteten. Von links: Betriebsberater Walter Schulz, Unternehmer Franz Rohrer, Sonja Zeiger-Heizmann, Leiterin des Fachbereichs Wirtschaftsförderung und Unternehmensservice der Handwerkskammer Konstanz, Anita Rohrer und ihre Söhne Christian und Matthias, Bäckermeister Daniel Link, Malermeister Dominik Löwe, Unternehmer Thomas Ernst und Betriebsberater Thomas Rieger.
Handwerkskammer Konstanz
Sie verschafften dem Publikum einen tiefen Einblick in das Thema Betriebsnachfolge: Die Experten von der Handwerkskammer Konstanz und vier Betriebsinhaber, die von ihren eigenen Erfahrungen berichteten. Von links: Betriebsberater Walter Schulz, Unternehmer Franz Rohrer, Sonja Zeiger-Heizmann, Leiterin des Fachbereichs Wirtschaftsförderung und Unternehmensservice der Handwerkskammer Konstanz, Anita Rohrer und ihre Söhne Christian und Matthias, Bäckermeister Daniel Link, Malermeister Dominik Löwe, Unternehmer Thomas Ernst und Betriebsberater Thomas Rieger.

Inhaber geben Tipps: So klappt es mit der Nachfolge

Worauf es bei der Übergabe eines Betriebs ankommt  

In jedem vierten Handwerksunternehmen in der Region steht in den nächsten Jahren die Betriebsnachfolge an. Entsprechend groß war das Interesse an der Abendveranstaltung zu diesem Thema, die die Handwerkskammer Konstanz im Rahmen ihrer Jahresreihe „Erfolg durch Strategie“ angeboten hat: Mehr als 100 Besucher waren in die Bildungsakademie Singen gekommen, um sich über „Wege zur Nachfolge“ zu informieren.

Jede Betriebsübergabe erfordert individuelle Strategien

Die besondere Herausforderung einer idealen Nachfolge liegt laut Sonja Zeiger-Heizmann, Leiterin des Fachbereichs Wirtschaftsförderung und Unternehmensservice, darin, dass jeder Betrieb anders aufgestellt ist und somit sehr individuelle Strategien erforderlich sind. Rund ein Drittel aller Inhaber übergibt seinen Betrieb an die eigenen Kinder, die Mehrheit findet jedoch andere Lösungen, wie beispielsweise die Übergabe an eigene Mitarbeiter oder an Interessenten, die über eine Online-Betriebsbörse vermittelt werden. Allen gemein ist jedoch, dass sich die Suche nach einem passenden Nachfolger oft schwierig gestaltet. Dazu tragen laut Sonja Zeiger-Heizmann einerseits die schrumpfende und alternde Gesellschaft bei, die deutlich weniger Existenzgründer hervorbringt als noch vor ein paar Jahrzehnten. Andererseits scheuten junge Menschen, die der Generation Y angehören, häufiger finanzielle Risiken.

Handwerkskammer unterstützt Betriebe

Umso wichtiger sei es, möglichst frühzeitig in die Nachfolgeplanung zu starten. „Betriebsinhaber sollten das Thema rund zehn Jahre vor dem geplanten Ruhestand angehen“, so Sonja Zeiger-Heizmann. Schließlich benötige es einige Zeit, den passenden Nachfolger für seine neue Rolle vorzubereiten. Wer in diesem Prozess Unterstützung benötigt, kann sich jederzeit an die Betriebsberater der Handwerkskammer Konstanz wenden. Sie unterstützen nicht nur bei der Übergabe selbst, sondern beraten schon im Vorfeld zu Themen wie der Ermittlung des Betriebswerts oder helfen bei der Suche nach einem externen Nachfolger. Hilfreich kann hierbei auch ein Eintrag in die bundesweite Betriebsbörse nexxt-change sein.

Worauf Nachfolger bei der Übernahme eines Handwerksbetriebs Wert legen und wie ein solcher Generationenwechsel erfolgreich umgesetzt werden kann, erläuterten vier Betriebsübernehmer:

Thomas Ernst
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Thomas Ernst



Thomas Ernst, 63 Jahre, diplomierter Sportlehrer und Ex-Bundesliga-Handballer, seit 2014 Geschäftsführer und Mehrheitsgesellschafter der Elektro-Keller GmbH in Hilzingen.

„Ich habe vor drei Jahren den Elektro-Betrieb Keller übernommen. Davor war ich über 30 Jahre lang als leitender Angestellter im Vertrieb tätig. Mit meinem letzten Vorgesetzten hat die Chemie einfach nicht gestimmt, deswegen habe ich die Augen nach einer neuen Herausforderung offen gehalten. Über die Betriebsbörse nexxt-change habe ich dann den Betrieb in Hilzingen entdeckt. Das Unternehmen mit 15 Mitarbeitern war sehr erfolgreich, allerdings gab es keinen firmeninternen Nachfolger. Mein Tipp: Holen Sie sich für eine Übernahme unbedingt einen Rechtsanwalt und einen Steuerberater ins Boot. Dann kommt man mit dem vorherigen Inhaber schnell zu einer guten Lösung – oder man stellt fest, dass es einfach nicht passt.

Mein Problem war damals, dass mir die Bürgschaftsbank aufgrund meines Alters einen Kredit verwehrt hatte. Und das trotz ausgefeilten Businessplans. Acht Monate später hat es dann doch geklappt. Ausschlaggebend war ein persönliches Gespräch mit der Bürgschaftsbank in Stuttgart – mit im Schlepptau hatte ich meine Frau, einen Vertreter meiner Hausbank und meinen Steuerberater.

Innerhalb von zwei Jahren war die Übernahme dann umgesetzt. Und jetzt bin ich stolzer Besitzer eines Handwerksbetriebs. Aber ich plane natürlich auch schon in die Zukunft: Für meine Nachfolge habe ich einen jungen Mitarbeiter im Blick. Ihm finanziere ich die Meisterausbildung, im Gegenzug übernimmt er in sieben Jahren meinen Betrieb.“



Dominik Löwe
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Dominik Löwe



Dominik Löwe, 41 Jahre, Malermeister aus Konstanz, hat 2011 den Betrieb Malerteam Bauer übernommen.

„Über Kollegen habe ich den Vorbesitzer meines Betriebs kennengelernt. Damals habe ich als Malermeister in einem anderen Unternehmen gearbeitet. Mein Vorgänger hatte ganz genaue Vorstellungen von der Übernahme und war bestens vorbereitet. Alles kam auf den Tisch, so dass die Übergabe sehr transparent ablief. Zusammen mit Betriebsberater Walter Schulz von der Handwerkskammer Konstanz habe ich einen Businessplan erstellt und die Bürokratie bewältigt. Die Übernahme ging dann sehr schnell. Einen Monat vorher war ich auf Baustellen dabei und habe Stammkunden und Mitarbeiter kennengelernt. Der alte Besitzer hat den Betrieb dann bis zu einem Freitagabend geleitet und am folgenden Montag war ich der Chef. Diesen sauberen Übergang fand ich sehr gut. Gleichzeitig hat der frühere Besitzer die Nachfolge in einer Zeitungsannonce veröffentlicht. Viele Stammkunden sind bis heute, also sechs Jahre später, geblieben. Aus meiner Erfahrung würde ich Betriebsinhabern den Tipp geben, eine Übergabe möglichst gründlich vorzubereiten. Umso schneller klappt die Umsetzung.“



Christian, Franz, Anita und Matthias Rohrer (von links).
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Christian, Franz, Anita und Matthias Rohrer (von links).



Christian und Matthias Rohrer, 27 und 25 Jahre, Zimmermänner aus Horgen bei Rottweil, übernehmen zum Ende des Jahres den elterlichen Zimmerei-Betrieb mit 19 Mitarbeitern.

Vater Franz Rohrer: „Im Jahr 2012 habe ich einen schweren Betriebsunfall erlitten und gemerkt, dass ich körperlich kürzer treten muss. Damals habe ich zum ersten Mal an eine Übergabe des Betriebs gedacht. Ich habe drei Söhne und eine Tochter. Alle Söhne haben Zimmerer gelernt, meine Tochter hat Lehramt studiert. Christian und Matthias wollen den Betrieb zum 31. Dezember übernehmen, mein dritter Sohn hat ein Statikbüro und wird als freier Mitarbeiter im Betrieb eingebunden sein. Bei der Vorbereitung der Übergabe hat uns Betriebsberater Thomas Rieger von der Handwerkskammer Konstanz unterstützt. Gleichzeitig haben unser Rechtsanwalt und unser Steuerberater die Weichen gestellt. Ich selbst will nach der Übergabe ins dritte Glied zurücktreten und nicht mehr an der Spitze des Betriebs stehen.“

Christian Rohrer: „Nachdem ich meine Ausbildung und den Meister im elterlichen Betrieb gemacht habe, war für mich schon immer klar, dass ich den Betrieb eines Tages übernehmen möchte. Zumal die Ausstattung sehr modern ist und unser Vater in den vergangenen fünf Jahren viel investiert hat.“

Mutter Anita Rohrer: „Ich mache das Büro und berate meine Söhne gerne. Allerdings kann ich auch gut loslassen und bin froh, im Alter entlastet zu werden.“



Dr. jur. Sonja Zeiger-Heizmann

Wirtschaftsförderung und Unternehmensservice
Fachbereichsleitung

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