Rimmele Grundlagenunterricht
Handwerkskammer Konstanz
Ein offenes Ohr für Flüchtlinge und ihre Ausbildungsbetriebe im Handwerkskammerbezirk: Ines Rimmele, Flüchtlingsbeauftragte der Handwerkskammer Konstanz, mit den Teilnehmern des Grundlagenunterrichts für Geflüchtete in der Bildungsakademie Singen.

"Ich will Menschen ermächtigen"

Ines Rimmele ist neue Flüchtlingsbeauftragte der Handwerkskammer

Mittwochnachmittag, 15.45 Uhr, in der Bildungsakademie Singen: Der dritte Tag des Grundlagenunterrichts für Geflüchtete in Ausbildung neigt sich dem Ende zu, als Ines Rimmele den Raum betritt. Zwölf Köpfe drehen sich um – in manchen Blicken spiegelt sich Wiedersehensfreude, die meisten jedoch schauen die neue Flüchtlingsbeauftragte der Handwerkskammer Konstanz mit neugierigem Interesse an. Es ist nicht lange ruhig im Klassenraum. Spätestens als sich Rimmele mit ihrer Funktion vorstellt, gehen die Fragen los. Schnell wird klar: Die Einschätzungen der studierten Juristin sind gefragt. Ihre Arbeit macht einen wertvollen Unterschied im Leben der Geflüchteten.

Der humanitäre Gedanke ist auch der Grund, warum Rimmele im Mai 2019 zur Handwerkskammer Konstanz wechselte. Die 35-Jährige hatte nach ihrem Jurastudium in Konstanz unter anderem mehrere Jahre im Jobcenter gearbeitet, auch zur Zeiten der großen Flüchtlingswelle. „Ich habe dort viel gelernt. Ich wollte jedoch Menschen ermächtigen, ihnen sozusagen dabei helfen, ihre Selbstbestimmung und Selbstkompetenz zu stärken. Die Flüchtlingsarbeit, der humanitäre Gedanke, ist ein Thema, das meinem Wesen entspricht“, so Rimmele.

Beratung vor Ort und politischer Austausch

Bei der Handwerkskammer Konstanz hat die Flüchtlingsbeauftragte nun Zeit, sich ihrem Herzensthema ausführlich zu widmen. „Am liebsten bin ich bei den Handwerksbetrieben vor Ort und suche mit Betrieben und Auszubildenden individuelle Lösungen. Eine meiner Aufgaben ist es, komplizierte Rechtsmaterien des Asyl- und Integrationsrechts so zu erklären, dass sie für jedermann verständlich sind“, so Rimmele.

Ein aktuelles Thema sind die neuen bundesweiten Duldungsregelungen bei Ausbildung und Beschäftigung, die 2020 in Kraft treten. Um Benachteiligungen zu vermeiden, werden die neuen Duldungs-Regelungen auf Veranlassung des Innenministeriums in Baden-Württemberg bereits seit Ende März umgesetzt. Laut der Expertin sind die Auswirkungen im Handwerk der Region jedoch noch nicht greifbar. „Die Betriebe, die auf mich zukommen, haben immer noch die gleichen Fragen und Probleme. Sie wissen zwar, dass es eine Gesetzesänderung gibt. Aber eigentlich ist es für sie nur wichtig, ob sie die Geflüchteten anstellen können und ob sie in Deutschland bleiben dürfen oder nicht“, erzählt Rimmele aus ihrem Alltag.

Neben ihrer Beratungstätigkeit setzt sich die neue Flüchtlingsbeauftragte auch politisch für die Geflüchteten ein. Am 16. Oktober fand das erste Regionale Bleiberechtsforum der Handwerkskammer Konstanz in der Bildungsakademie Singen statt, bei dem sich in Flüchtlingsfragen betraute Organisationen und Behörden im Landkreis Konstanz informierten und austauschten. Und auch die Betreuung des Grundlagenunterrichts für Geflüchtete in Ausbildung und das Sachverständigenwesen der Handwerkskammer Konstanz liegen in ihrem Aufgabengebiet.

„Die Vielseitigkeit der Arbeit finde ich interessant. Außerdem habe ich eine große Affinität zum Handwerk“, so die ausgebildete Keramikerin. Ihre Lehre hat Rimmele parallel zum Abitur an der Heimschule Kloster Wald begonnen und ein Jahr darauf abgeschlossen. Sie setzte damit eine Familientradition fort: „Ich bin in einer Handwerkerfamilie aufgewachsen. Mein Vater hat im Heizungsbau gelernt, mein Großvater war Dreher“, erzählt die gebürtige Überlingerin.

Ihre Begeisterung und das Verständnis fürs Handwerk sind greifbar, auch die Geflüchteten im Grundlagenunterricht in der Bildungsakademie Singen haben sofort einen Draht zu ihr. Noch ein paar kurze Fragen, ein paar Visitenkarten austeilen, dann muss Ines Rimmele weiter und für die Geflüchteten geht es wieder zurück auf die Schulbank.

 Informationen und Anmeldung zum Grundlagenunterricht in Singen, Waldshut, Rottweil oder Tuttlingen unter www.hwk-konstanz.de/grundlagenunterricht oder direkt bei Ines Rimmele , Flüchtlingsbeauftragte der Handwerkskammer Konstanz.

Geflüchtete in Ausbildung

Im Handwerkskammerbezirk Konstanz sind derzeit 339 Geflüchtete in Ausbildung, 135 davon im Landkreis Konstanz, 75 im Landkreis Waldshut, 57 im Schwarzwald-Baar-Kreis, 43 im Landkreis Tuttlingen und 29 im Landkreis Rottweil. Die meisten Geflüchteten machen eine Ausbildung als Kraftfahrzeugmechatroniker/-in (60), gefolgt von der Lehre als Friseur/-in (54), Elektroniker/-in (39), Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (34) und Maler- und Lackierer/-in (24). Seit 2013 wurden 768 Ausbildungsverhältnisse von geflüchteten Menschen eingetragen.



Rimmele Ines

Ines Rimmele

Service Recht
Flüchtlingsbeauftragte

Webersteig 3
78462 Konstanz
Tel. 07531 205-405
Fax 07531 205-6405
ines.rimmele--at--hwk-konstanz.de