Christian Eger und Milan Raji¿
Handwerkskammer Konstanz
Freuen sich über den Austausch, von dem sie beide profitieren: "DieKlimawelt"-Geschäftsführer Christian Eger und sein montenegrinischer Mitarbeiter Milan Rajic.

"German Standard" in Montenegro

Klimatechniker Milan Rajic ist zur Weiterbildung in Konstanz

Traumhafte Sandstrände, türkisfarbenes Meer, tiefe Schluchten und unberührte Urwälder – Montenegro ist auf jeden Fall einen Urlaub wert. Zuerst als Reiseziel entdeckt hat das kleine europäische Land an der Adriaküste auch Christian Eger, Geschäftsführer der „DieKlimawelt“-Gruppe mit Hauptsitz in Konstanz. „Im Urlaub ist mir sofort aufgefallen, dass in Montenegro wirklich alles klimatisiert ist – aber zum Teil auf sehr abenteuerliche Weise“, erzählt er. Schnell war die Idee geboren, hier selbst tätig zu werden: Vor zwei Jahren gründete Eger eine Tochtergesellschaft im schönen Herceg Novi direkt am Meer.

Weiterbildung am Bodensee

Einer der beiden Mitarbeiter dort ist Milan Rajić, der seit Juli im Konstanzer Hauptbetrieb den deutschen Arbeitsalltag kennen und schätzen lernt. „Die ganze Organisation der Arbeitsabläufe imponiert mir sehr. Man weiß jeden Tag genau, was zu tun ist, und hat auch jeden Tag Arbeit“, berichtet Rajić. In Montenegro, das vorwiegend vom Tourismus in den Sommermonaten lebt, ist das nämlich keine Selbstverständlichkeit. Beim Start in Deutschland war erwartungsgemäß die deutsche Sprache die größte Herausforderung. „Innerhalb von drei Monaten und neben einem Vollzeitjob Deutsch zu lernen, ist eigentlich unmöglich“, erzählt sein Chef, „und für uns auch gar nicht die Hauptsache. In erster Linie ist Milan hier, um Fachwissen – den ‚German Standard‘ – zu lernen und in der montenegrinischen Niederlassung anzuwenden und zu pflegen.“ Was Eger mit „German Standard“ meint? „Sauberes, gründliches, strukturiertes Arbeiten und eine hohe Qualität.“ Gesprochen wird im ohnehin international besetzten Team von „DieKlimawelt“ dann eben vor allem Englisch, zum Kunden geht Rajić immer mit einem Kollegen.

Andere Länder, andere Lösungen

Aha-Effekte gibt es übrigens auf beiden Seiten. Die montenegrinische Mentalität hat auf das Team in Deutschland ebenfalls Eindruck gemacht: „Einmal ging unsere Vakuumpumpe kaputt und wir wollten ganz selbstverständlich gleich eine neue bestellen. Das konnte Milan gar nicht verstehen – und hat sie einfach repariert“, so Eger. „In Montenegro wird eben alles erst dreimal repariert, bevor man etwas Neues kauft“, ergänzt Rajić schmunzelnd, der auch in seiner Freizeit gerne Sinnvolles anstellt mit Materialien, die andere wegwerfen. Kürzlich erst hat er aus entsorgtem Material des Betriebs eine Tischlampe gebastelt. Er erklärt: „Wir kommen auch viel schneller an Ersatzteile. Ich war schon irritiert, wie lange die Lieferketten in Deutschland sind. In Montenegro setzen wir uns ins Auto, holen das benötigte Material einfach ab und haben es in zwei Stunden auf dem Tisch.“ Dass man hierzulande mitunter so lange warten müsse, habe nicht zuletzt mit Corona und der damit einhergehenden Überlastung des Speditionswesens zu tun, erklärt Eger. „Da hat Milan hautnah mitbekommen, woran unser System krankt.“

Austausch als Erfolgsmodell

Der Aufbau der Niederlassung in Montenegro sowie die Fortbildung der Mitarbeitenden in Deutschland ist für Christian Eger auch deshalb ein Erfolgsmodell, weil beide Seiten davon profitieren: „Ich kann durch die Austausch-Mitarbeiter meinen eigenen Fachkräftemangel kompensieren und gebe gleichzeitig etwas zurück: Fachwissen und die Perspektive auf eine sichere, langfristige und kontinuierliche Arbeit in Montenegro.“ Daher ist das Pilotprojekt auch nicht beendet, wenn Rajić im September nach Herceg Novi zurückkehrt. Der umtriebige Unternehmer Eger hat bei seinem letzten Aufenthalt in Montenegro schon neue Mitarbeiter kennengelernt, die er bald nach Konstanz holen will. So lautet auch sein Rat an die Handwerkskollegen: „Macht aus der Not – wie dem Fachkräftemangel – eine Tugend und traut Euch, auch mal über kreative, innovative Wege Lösungen zu finden. Anders können wir den Arbeitsalltag heutzutage doch nicht mehr bewältigen.“

Milan Raji¿
Handwerkskammer Konstanz

Milan Raji¿
Handwerkskammer Konstanz