Mit Glück ins Jahr 2018: Eingerahmt von Schornsteinfegern feiern Claudius Marx, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee, Thomas Conrady, IHK-Präsident, Festredner Michael Hüther, Kammerpräsident Gotthard Reiner und Georg Hiltner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Konstanz, den Jahresauftakt in der Stadthalle Singen.
Oliver Hanser
Mit Glück ins Jahr 2018: Eingerahmt von Schornsteinfegern feiern Claudius Marx, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee, Thomas Conrady, IHK-Präsident, Festredner Michael Hüther, Kammerpräsident Gotthard Reiner und Georg Hiltner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Konstanz, den Jahresauftakt in der Stadthalle Singen.

Ermutigender Jahresauftakt

Rund 1.000 Gäste beim Neujahrsempfang der Handwerkskammer und IHK in Singen

Um die Herausforderungen der Digitalisierung und die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit Deutschlands ging es schwerpunktmäßig beim Neujahrsempfang der Wirtschaftskammern. Die Gäste erlebten in Singen einen Abend, der Mut machte – nicht zuletzt dank der Einblicke und Analysen des Festredners, Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft.

Hohes Tempo als Herausforderung

Schon die beiden Kammerpräsidenten thematisierten in ihren Ansprachen das hohe Tempo der Digitalisierung und seine Folgen. „Hausmodelle aus dem 3-D-Drucker, die Drohne auf dem Dach, Betonierroboter oder selbstfahrende E-Mobile sind keine Hirngespinste eines Science-Fiction-Autors, sondern längst Realität“, sagte etwa Handwerkskammerpräsident Gotthard Reiner. Der Wettbewerbsdruck steige, denn digitale Branchen brächten neue Wettbewerber und veränderte Wertschöpfungsketten hervor, so Reiner weiter. Er forderte die Unternehmen auf, die Digitalisierung nicht als Selbstzweck zu verstehen, sondern  sie in eine sinnvolle Unternehmensstrategie einzubetten.

Auch IHK-Präsident Thomas Conrady sprach von exponentiellen Entwicklungen. Allerdings seien die Geschwindigkeiten global gesehen unterschiedlich, was zu mehr Ungleichheit führe.  „Unsere Welt muss mit den Spannungen zurechtkommen, die sich daraus ergeben, dass die Uhren der technischen, gesellschaftlichen und  sozialen Entwicklung nicht überall gleich laufen“, so Conrady.

Deutschland hat aus Krisen gelernt

Prof. Dr. Michael Hüther forderte in seiner Festrede mehr Selbstbewusstsein in Deutschland, wo man allzu gerne neidisch auf die Wirtschaftskraft der USA oder China blicke.

Dabei habe Deutschland seit vier Jahren einen – unerwarteten – Überschuss im Staatshaushalt, einen doppelt so hohen Industrieanteil wie Frankreich oder die USA und eine im Vergleich zu anderen Industrienationen sehr hohe Erwerbstätigenquoten. Dieser Erfolg sei vor allem historisch begründet. „Durch die Krisen der letzten Jahrzehnte ist unsere Abwehrfähigkeit im Lande gewachsen, die Konjunktur verläuft nicht mehr in Vier-Jahreszyklen, sondern linear“, so Hüther.

Strukturelle Besonderheiten sind wichtige Stabilitätsfaktoren

Die Wirtschaft in Deutschland sei sehr vernetzt, biete nicht nur Produkte, sondern auch gleich die Dienstleistungen mit an. „Die regionalen Wirtschaftskreisläufe hierzulande, die geschichtlich betrachtet auf die politisch kleinräumigen Strukturen zurückzuführen sind, erleichtern das“, so Hüther.

Auch die nach dem ersten Weltkrieg begründete Tarifautonomie, durch die Arbeitgeber und Arbeitnehmer immer wieder Kompromisse schließen müssten, vor allem aber die Einführung einer dualen Ausbildung seien wesentliche Gründe für die wirtschaftliche Stabilität in Deutschland.

Global gesehen stellte Hüther allerdings die Frage in den Raum, inwiefern eine gewisse Erschöpfung erreicht sei.

Demografie und Digitalisierung für die Zukunft entscheidende Faktoren

Eine höhere Lebenserwartung und niedrige Geburtenraten erfordere ein Umdenken. „Ein längeres Leben  bedeutet auch, dass der eigene Anspruch sein muss, länger in Bildung und Beschäftigungsfähigkeit zu investieren“, sagte Hüther und warb unter anderem für einen späteren Renteneintritt.

Zuwanderung müsse besser gesteuert werden, ein klares Einwanderungsgesetz sei hierfür nötig.

Bei der Digitalisierung müsse sich Deutschland nicht vor den USA verstecken. Die sei zwar stark in der Entwicklung standardisierter Produkte für den Massenmarkt - siehe digitale Plattformen wie google oder facebook. Deutschland habe jedoch im Bereich  der differenzierten B2B Lösungen die Nase vorn. „53 Prozent der Patente für autonomes Fahren stammen aus Deutschland“, erläuterte Hüther. 

Hüther warnt vor Abschottung durch soziale Medien

Die Digitalisierung habe aus seiner Sicht noch keine Effekte auf die Volkswirtschaft: „Volkswirtschaften springen nicht“, so Hüther. Bedrohlich könnte die Digitalisierung aus seiner Sicht im Hinblick auf die sozialen Medien werden. „Diese bieten zwar mehr Transparenz, was positiv ist, bergen aber die Gefahr der Abschottung  und des Zurückziehens innerhalb einer Interessengruppe.“ Damit bewege man sich nur noch in einem Raum gleicher Meinungen, was für eine Demokratie gefährlich sei.

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Petra Schlitt-Kuhnt

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