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"Druck rausnehmen"

Handwerkskammerpräsident Gotthard Reiner zum Thema weiterführende Schulen und Schulwahl

Zum Schuljahr 2012/13 fiel die verbindliche Grundschulempfehlung in Baden-Württemberg weg. Seitdem können Eltern frei entscheiden, ob sie ihr Kind auf das Gymnasium, die Realschule, Werkrealschule oder die Gemeinschaftsschule schicken. Nicht immer träfen sie die für das Kind beste Wahl, meint Gotthard Reiner, Präsident der Handwerkskammer Konstanz.

„Der Run auf die Gymnasien ist ungebremst. Die Eltern wollen das Beste für ihre Kinder und sehen in dieser Schulart ein Allheilmittel. Dabei wären viele Kinder woanders viel besser aufgehoben und müssen sich auf dem Gymnasium von einer Klassenstufe zur anderen hangeln – da ist oft ein enormer Leidensdruck vorhanden“, so Reiner. Eine undefinierte Angst vorm Scheitern treibe die Eltern an, für die Reiner wenig Verständnis hat. „Wir haben gerade in Baden-Württemberg eine Durchlässigkeit, die auch Werkrealschülern alle Karrierewege bis hin zum Hochschulabschluss offenhält, wenn man das will.“

Laut Statistischem Landesamt hatten sich im letzten Schuljahr zwei von fünf Schülerinnen und Schülern gegen die Empfehlung "Werkreal-/ Hauptschule oder Gemeinschaftsschule" entschieden und stattdessen eine formal höhere Schulart wie Realschule oder ein Gymnasium gewählt. Über 44 Prozent der Viertklässlerinnen und -klässler wählten im Schuljahr 2017/18 das Gymnasium.

 „Mit einem Werkrealabschluss oder der mittleren Reife kann ein Kind in eine erfüllende Ausbildung starten, im Handwerk den Meister machen und eine erfolgsversprechende Selbständigkeit anpeilen. Oder sich in den beruflichen Bildungsgängen später weiterbilden und die allgemeine Hochschulreife erlangen. In unserem Bildungssystem gibt es längst keine Einbahnstraßen mehr. Als Eltern sollte man das Wohl des Kindes im Blick haben, mögliche praktische Begabungen fördern und vor allem Druck rausnehmen, statt die eigenen Kinder zu überfordern“, so Reiner, selbst Vater von vier Kindern.