Den Abschluss als Fachpraktiker für Kfz-Mechatronik hat Johannes Pieper (Mitte) in der Tasche. Jetzt geht es für ihn und seine Ausbilder Frank (rechts) und Wolf Leitner in die nächste Runde. Das Ziel: der Gesellenbrief
Handwerkskammer Konstanz
Den Abschluss als Fachpraktiker für Kfz-Mechatronik hat Johannes Pieper (Mitte) in der Tasche. Jetzt geht es für ihn und seine Ausbilder Frank (rechts) und Wolf Leitner in die nächste Runde. Das Ziel: der Gesellenbrief

Der Traum vom Beruf

Nach dem Fachpraktiker-Abschluss startet Johannes Pieper in der Hörigarage Leitner eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker

Johannes Pieper wird Kfz-Mechatroniker. So wie über 500 andere junge Männer und einige junge Frauen im Kammerbezirk Konstanz auch. Trotzdem hat das Wort „Traumberuf“ für den 20-Jährigen eine ganz andere Dimension als für viele seiner künftigen Kollegen. Denn dass er nach der Förderschule die Chance auf einen richtigen Beruf - und noch dazu seinen Traumberuf - bekommt, hätten die wenigsten für möglich gehalten.

Viel Glaube und viel Einsatz

Zu diesen wenigen, aber entscheidenden Menschen zählt Frank Leitner, Kfz-Meister und Inhaber der Hörigarage in Öhningen (Kreis Konstanz). Bei einem Praktikum hat er das Schrauber-Talent des jungen Mannes aus dem Nachbarort entdeckt und beschlossen, etwas daraus zu machen. „Ich habe Johannes’ unbedingten Willen gespürt, seinen Ehrgeiz und die Freude an der Arbeit. Das sind die wichtigsten Voraussetzungen überhaupt“, sagt Leitner.

Er hat sich nicht geirrt, denn jetzt, drei Jahre später, hat Johannes Pieper den Abschluss als Fachpraktiker für Kfz-Mechatronik in der Tasche und ist in die Vollausbildung gestartet. Der angehende Kfz-Mechatroniker kann sein Glück noch gar nicht in Worte fassen. Dass er als Bester seiner Klasse abgeschlossen hat, dass er heute schon unverzichtbares Mitglied der Leitnerschen Mannschaft ist, berichtet sein Chef. „Wenn’s ums Schweißen geht, fragen alle nach dem Johannes“, erzählt Leitner. Auch deshalb war es für ihn keine Frage, den gemeinsamen Weg fortzusetzen und jetzt die reguläre Ausbildung dranzuhängen.

Gelungene Inklusion und persönlicher Erfolg

Susanne Hillan, Ausbildungsberaterin der Handwerkskammer Konstanz, Oliver Heuer von der Arbeitsagentur Konstanz-Ravensburg und Heidrun Walschburger vom Beruflichen Fortbildungszentrum haben den Betrieb und den Azubi von Anfang an begleitet und freuen sich nicht nur über ein Paradebeispiel gelungener Inklusion, sondern vor allem über den persönlichen Erfolg von Johannes Pieper: „Damit hat er sich eine tolle berufliche Perspektive erarbeitet. Jetzt heißt es dranbleiben und auch weiterhin alle Möglichkeiten zum Lernen nutzen“, sagt Susanne Hillan.

Dass es auch in Zukunft nicht leicht wird, wissen alle Beteiligten. Vor allem in der Berufsschule warten neue Herausforderungen auf Pieper. Während der Ausbildung zum Fachpraktiker, die sich zwar an der Regelausbildung orientiert, aber beispielsweise die praktischen Teile stärker gewichtet als die Theorie, war er im Berufsbildungswerk in Ravensburg. Jetzt geht es nach Singen in die Schule. Das bedeutet zwar einen deutlich kürzeren Anfahrtsweg, aber doppelt so viele Schüler in der Klasse und ein deutlich höheres Lerntempo.

Doch auch davon soll sich sein Lehrling nicht abschrecken lassen, findet Frank Leitner. „Die Ausbildung sollte sich ohnehin mehr an den Grundlagen orientieren. Das Spezialwissen kommt mit der Zeit“, so seine Erfahrung.

Alle in einem Boot

Johannes Pieper selbst freut sich einfach darauf, weiterhin jeden Morgen in die Werkstatt kommen zu können, einzustempeln und mit der Arbeit anzufangen: „Heute weiß ich, was zu tun ist“, fasst er die Fortschritte der letzten Jahre zusammen. Und weil er weiß, dass er mit Fleiß und Ausdauer viel erreichen kann, will er sich auch in Zukunft nicht den Wind aus den Segeln nehmen lassen - schon gar nicht, wo die Leitners doch in diesem Jahr ihr 25-jähriges Betriebsjubiläum feiern und dazu die ganze Belegschaft mit auf einen Segeltörn durch die Ägäis nehmen wollen.

Das passe gut zu ihnen, findet Frank Leitner: „Wir sind auch durch Menschen wie Johannes als Mannschaft zusammengewachsen. Wir haben also alle Grund zum Feiern.“

Hintergrund:

Neben den Regelausbildungsberufen können Menschen mit Förderbedarf auch eine duale Ausbildung als Fachpraktiker, Fachwerker oder Facharbeiter absolvieren. Dazu trifft die Handwerkskammer besondere Regelungen. Die Inhalte orientieren sich dabei an den üblichen Ausbildungsberufen, gewichten aber beispielsweise die fachpraktischen Teile stärker als die Theorie. Unter Umständen kann die Ausbildung mit einem Zuschuss von der Arbeitsagentur gefördert werden, bei Bedarf bekommen Betriebe und Auszubildende auch sozialpädagogische Unterstützung.

Ausbildungen für Fachpraktiker gibt es bereits in den unterschiedlichsten Gewerken, etwa für Holzverarbeitung, Kfz-Mechatronik, Metallbau, Fleischer oder Fachverkauf im Lebensmittelhandwerk, außerdem in Berufen wie Ausbau- bzw. Hochbaufacharbeiter, Bau- und Metallmaler, Metallfeinbearbeiter und Bäckerfachwerker. Derzeit werden im Bezirk der Handwerkskammer Konstanz über 100 junge Menschen in diesen Berufen ausgebildet.