Schneider
Handwerkskammer Konstanz
Sorgt dafür, dass Integration gelingt: Kümmerin Nicole Schneider.

"Der Elan ist ungebrochen"

Als Kümmerin begleitet Nicole Schneider Flüchtlinge in Ausbildung

Auch wenn es in der Debatte manchmal unterzugehen droht: Die Integration von Flüchtlingen in Arbeit und Ausbildung ist in vollem Gang. Im Kammerbezirk Konstanz sind jetzt wieder 120 junge Menschen aus Ländern wie Syrien, Afghanistan oder Gambia in eine handwerkliche Ausbildung gestartet und auch in der Industrie werden mehr und mehr Flüchtlinge ausgebildet. „Der Elan der Betriebe ist ungebrochen“, sagt Nicole Schneider. Im Januar hat sie die Aufgabe der „Kümmerin“ in der Beruflichen Bildungsstätte Tuttlingen übernommen und ist seitdem Ansprechpartnerin für Unternehmen im Landkreis Tuttlingen und im Schwarzwald-Baar-Kreis und begleitet Flüchtlinge auf dem Weg in die oder während einer Ausbildung.

Über 25 junge Menschen sind es derzeit, zu denen Nicole Schneider regelmäßig Kontakt hält, für die sie zum Beispiel Unterstützung bei schulischen Problemen organisiert, bei Konflikten im Betrieb vermittelt, mit Hilfe ihres Netzwerks auch sonstige Steine aus dem Weg räumt. Sich kümmern, etwas Gutes tun – das war der Antrieb für die gebürtige Villingerin, um aus dem Bankfach in den sozialen Bereich zu wechseln. Bereits seit 2015 engagiert sie sich für Flüchtlinge, zunächst als Betreuerin, dann als Leiterin in Erstaufnahmeeinrichtungen in der Region und einer Gemeinschaftsunterkunft in Sachsen. „Ich war damals im Weltverbesserer-Modus, bin aber schnell auf dem Boden der Tatsachen angelangt“, sagt sie rückblickend.

Frühzeitig Rat holen

Heute wisse sie: „Hilfe kann ganz schön schwierig sein.“ Größter Stolperstein sei die Sprache – gerade im Arbeitsumfeld eine wichtige Voraussetzung: „Ehrenamtliche Unterstützer haben da manchmal einen falschen Ehrgeiz. Aber wenn die Voraussetzungen nicht stimmen, ist Frustration auf beiden Seiten vorprogrammiert“, hat die Kümmerin beobachtet. Umso wichtiger sei es, schon im Vorfeld einer Ausbildung professionellen Rat zu holen: „Die Betriebe sollten sich möglichst frühzeitig an mich oder die Kollegen wenden und nicht versuchen, das ganz alleine durchzuziehen“, so ihre Empfehlung.

Mittlerweile gebe es eine ganze Reihe von Unterstützungsangeboten, die individuelle Problemlösungen ermöglichen. Zum Beispiel der überbetriebliche Grundlagenunterricht, der in der Beruflichen Bildungsstätte und den anderen Bildungshäusern der Handwerkskammer Konstanz gerade wieder angelaufen ist. Hier können Flüchtlinge gezielt die Wissenslücken schließen, die sie am Mit- und Weiterkommen in Schule und Ausbildung hindern. Auch Nicole Schneider ist beim zweiwöchentlichen Samstagsunterricht als Dozentin dabei. „Es motiviert die Teilnehmer, wenn sie mit dem Lernen nicht allein gelassen werden“, sagt sie.

Auch auf Seiten der Betriebe sieht sie nach wie vor eine positive Haltung zum Thema Integration: „Vor allem Betriebe, die schon gute Erfahrungen gesammelt haben, engagieren sich weiter.“ Auf ihre Unterstützung können sie dabei auch in Zukunft zählen. Denn auch, wenn der Weg manchmal mühsam ist: „Es lohnt sich für jeden, den man erreicht.“

Hintergrund:

Im Rahmen des Programms „Integration durch Ausbildung - Perspektiven für Flüchtlinge“ des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg ist seit 2016 ein flächendeckendes Netz von landesweit rund fünfzig „Kümmerern" entstanden. Sie vermitteln junge Geflüchtete, die das entsprechende Sprachniveau mitbringen, in Praktikums- und Ausbildungsplätze, betreuen sie dort und sind Ansprechpartner für die Betriebe. In der Beruflichen Bildungsstätte Tuttlingen tragen die Handwerkskammer Konstanz und die IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg das Projekt gemeinsam. Das kostenfreie Beratungsangebot richtet sich an Unternehmen aller Branchen im Landkreis Tuttlingen und im Schwarzwald-Baar-Kreis.

Kontakt:

Nicole Schneider, Tel. 07461/9290-45, schneider@bbt-tut.de .

Mehr zum Thema Integration gibt es unter www.hwk-konstanz.de/fluechtlinge