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Das Ja zum Meister zahlt sich aus

Handwerk der Region begrüßt die Rückkehr zur Meisterpflicht

Die Entscheidung der großen Koalition, in zwölf seit 2004 zulassungsfreien Gewerken ab nächstem Jahr die Meisterpflicht wiedereinzuführen, wird vom Handwerk der Region mit großer Erleichterung aufgenommen: „Das ist ein Bekenntnis zu Qualität und Qualifikation und eine gute Nachricht nicht nur für das Handwerk, sondern auch für die Verbraucher“, sagt Handwerkskammerpräsident Gotthard Reiner.

Mit dem Beschluss würden einige Fehlentwicklungen korrigiert, die das Handwerk immer wieder angemahnt hatte: „Wir haben in den letzten 15 Jahren in manchen zulassungsfreien Gewerken einen wahren Gründungsboom erlebt – allerdings ohne den beabsichtigten Arbeitsmarkteffekt, weil bislang angestellte Mitarbeiter durch Subunternehmer ersetzt wurden. Bei den Neugründungen handelte es sich in vielen Fällen um Ein-Mann-Betriebe, die sich oft nicht lange am Markt halten, nicht ausbilden, keine Sozialversicherung zahlen und häufig nicht die gleiche Qualität bieten wie Meisterbetriebe. Das führte nicht nur zu unfairem Wettbewerb, sondern schadete auf Dauer der gesamten Branche“, so Reiner. Das Handwerk habe daher immer „Ja zum Meister“ gesagt und sich auf allen politischen Ebenen für eine Rückkehr zur Meisterpflicht stark gemacht. „Wir haben regelmäßig mit den Verantwortlichen in Stuttgart, Berlin und Brüssel das Gespräch gesucht, um auf die Thematik aufmerksam zu machen“, so Reiner.

Als „klares Zeichen in Richtung Qualität, Kundenzufriedenheit und vor allem Ausbildung“ wertet Carmen Riedmüller, Obermeisterin der Fliesenlegerinnung Konstanz, die Nachricht: „Durch diese Entscheidung wird wieder korrigiert, was bei der damaligen Handwerksnovellierung völlig unnötig in Schieflage geraten ist.“ Das Fliesenlegerhandwerk war in besonderem Maße von der Neuregelung betroffen: Die Zahl der Betriebe im Kammerbezirk Konstanz ist von damals 202 auf heute 635 angestiegen, davon allerdings nur knapp 100 Meisterbetriebe. „Damit ging auch die Anzahl der ausbildungsberechtigten Betriebe zurück und auch die Schließung von Meisterschulen mussten wir schmerzlich verkraften“, so Riedmüller. Entsprechend groß sei jetzt die Freude und das Aufatmen bei den Innungsmitgliedern: „Ganz herzlich bedanken wir uns bei allen Beteiligten, die sich für die Wiedereinführung der Meisterpflicht eingesetzt haben“, sagt die Obermeisterin.

Auch in anderen Gewerken ist die Erleichterung groß: „Ich hätte den Meister nie abgeschafft“, sagt Oliver Müller, Geschäftsführer der Hegau Werbetechnik in Singen. „Wir haben seitdem viel mehr kleinere Firmen, die einem teilweise das Leben schwermachen, da sie Preisdumping betreiben. Weil sie vielleicht auch nicht wissen, wie sie kalkulieren müssen.“ Der Meisterbrief sei nach wie vor eine Qualitätssicherung. „Für die Ausbildung und die Lehrlinge ist das hervorragend“, so Arnold. Als Meisterbetrieb bildet sein Unternehmen derzeit zwei Schilder- und Lichtreklamehersteller aus.

„Ich freue mich riesig darüber, dass der Meister bei der Unternehmensgründung für Raumausstatter wieder verpflichtend wird“, sagt auch Klaus Bittlingmayer aus Königsfeld. Gemeinsam mit anderen Kollegen hat sich der Obermeister der Innung der Raumausstatter Schwarzwald-Baar –Tuttlingen in den vergangenen Jahren für die Rückvermeisterung eingesetzt: „Über unseren Zentralverband haben wir immer wieder Umfragen gestartet und Anträge gestellt.“ Dass die Politik die Meisterpflicht in seinem Gewerk nun wieder einführt, empfindet Klaus Bittlingmayer auch als Aufwertung für den Meistertitel. „Das ist ein eindeutiges Signal aus der Politik, dass der Meister wichtig ist.“ Meisterbetriebe garantierten den Kunden höhere Qualität und hätten als Ausbildungsbetriebe auch für die Gesellschaft eine wichtige Funktion. „Ich hoffe, dass es durch die Wiedereinführung der Meisterpflicht auch wieder mehr Auszubildende in unserem Gewerk gibt. Die Zahlen sind in den vergangenen Jahren leider immer mehr zurückgegangen“, so Bittlingmayer.

In den kommenden Monaten werde es darum gehen, die Aus- und Weiterbildung in den betreffenden Berufen wieder anzukurbeln, sagt Handwerkskammerpräsident Gotthard Reiner. Er sieht das Handwerk dafür aber gut gerüstet: „Wir können in den meisten Gewerken auf die vorhandene Infrastruktur und das Knowhow zurückgreifen, um beispielsweise Meisterprüfungsausschüsse einzurichten. Hätte man noch länger gewartet, wäre das vielleicht nicht mehr möglich gewesen.“ Jetzt und in Zukunft sei aber die Botschaft des Handwerks noch klarer: „Qualifikation ist der Schlüssel zum Erfolg. Aus- und Weiterbildung lohnt sich mehr denn je!“

In diesen Gewerken soll wieder die Meisterpflicht gelten:

 Zahl der Betriebe im Kammerbezirk             2004    2019

 

Fliesen-, Platten- und Mosaikleger:                  202      635

Betonstein- und Terrazzohersteller:                      6        12

Estrichleger:                                                                 25        76

Behälter- und Apparatebauer:                                5        31

Parkettleger:                                                                25        81

Rollladen- und Sonnenschutztechniker:            26        62

Drechsler und Holzspielzeugmacher:                   7         41

Böttcher:                                                                         1           0

Raumausstatter:                                                      119     148

Glasveredler:                                                                  1          3

Orgel- und Harmoniumbauer :                               3          3

Schilder- und Lichtreklamehersteller :                12        30